Schluss, aus, vorbei.

Ich habe keine Lust mehr, in dieses Internetz zu schreiben.
Alles ist erzählt; das hat bestimmt mit der Lebenssituation zu tun, in der ich mich gerade befinde. Alltag wäre immer möglich, finde ich aber auf Dauer langweilig. Reisen tue ich zweimal im Jahr – nicht gerade extrem häufig. Serien wie Limericks, Flussbilder und Filmkritiken sind super, aber auf Dauer nicht tragfähig. Was mich wirklich umtreibt, schreibe ich nunmehr ins private Tagebuch.
Ich habe noch einige andere Projekte in diesem Internetz. Falls es mich irgendwann wieder packt, blogge ich auch wieder. Vorerst aber nicht. Danke fürs Mitlesen. Bleiben Sie mir gewogen.

#SoFi15

So, hier mal im Kontrast zu denjenigen Schulen, die ihre Schüler mit zugezogenen Gardinen im Gebäude eingesperrt hatten: Bei uns war es eine Art Volksfest. Die Fachgruppe Physik hatte auf dem Schulhof Stationen aufgebaut, an denen man die Sonnenfinsternis durch Teleskope, projiziert auf Papier, mitverfolgen konnte. Viele Schüler hatten Brillen von 1999, getönte Glasscheiben oder diese Schweißerdinger mit, die bereitwillig ausgetauscht wurden unter allen, die gerade in der Nähe standen.
Die Kälte und die Fahlheit des Lichts bemerkten alle, und nur unter den Fünftklässlern brauchte es ein bisschen Diskussion, bis klar war, dass das, was sie normalerweise als Mond kennen (eine Sichel) diesmal die Sonne war. Ganz gut gelaufen.

Limerick (114)

Now convinced that I’ve got Alzheimer’s
I find I’ve begun setting timers
to remind me just when
to set timers again

So/nicht

Konferenz, Listenzeit. Frau ohne T ist momentan im Stall von Betlehem beschäftigt, deshalb sprang Frau mit T ein. Mit der geht es auch.

So geht’s

Ähs und Ähms des Gedenkens an abwesende Kollegen in den eigenen Vortrag einbauen – Fuhse-Cup – die Sekunda wieder einführen – den Aküfi ausleben (Jgst WKIV) – verhindern, dass die Eltern sich in die Liste eintragen können – brauchen ohne zu gebrauchen – Schülersüchte fördern – Termine und Orte zusammenpuzzeln – Lehrer sein und kippeln – Hosen tragen, die gleich runterrutschen – in die Klassen hineinbringen, was die Industrie uns schmackhaft macht – sich mit einem iPad anfreunden – Bienen sezieren – das Konzept bestmöglichst hinbekommen

So nicht

in der Subura – am Strand in Wilhelmshaven Volleyball spielen – das Leben von Schülern verändern – Schüler-Firmen-Bienen-Kongress veranstalten – alles ganz nebenbei machen – ein bisschen mitdenken – einen Schulpreis gewinnen – Kindern ein schönes Leben ermöglichen – Mobbing sagen statt Ausgrenzung – ein Stimmungsbild ermitteln – noch weiter irgendwie reden – komisch gucken

Dubidu

Dialog mit der 9. Klasse, die ich schon mal in 5/6 in Englisch hatte, und jetzt wieder.

Ichso: „Do be quiet!“ kann ich sagen, wenn dahinten R. und N. und J. permanent miteinander quatschen und ich richtig ärgerlich bin und betonen will, dass die drei jetzt wirklich ruhig sein müssen, wenn sie nicht wollen, dass etwas Schlimmes passiert.

Sieso: Aber in der 5. Klasse haben Sie behauptet, dass do und be niemals im selben Satz auftauchen. Das wissen wir noch ganz genau.

Ichso: Ähhm. Das stimmt. Da habe ich euch glatt belogen.

Sieso: Tja. Sie ahnen ja wohl, dass unser Vertrauen in Sie damit dahin ist. Wir glauben Ihnen nie wieder irgendetwas.

Ichso: Oh nein. Es war ja nur zu eurem Besten. So war es leichter für euch zu verstehen. Wie kann ich das jemals wieder gutmachen?

Sieso: Eigentlich gar nicht. Sie könnten uns aber Schokolade anbieten. Dann wären wir womöglich etwas milder gestimmt.

Ichso: Hm.

Ein Arbeitstag

Februar, Grippezeit, in diesem Jahr besonders schlimm – drastisch dezimierte Klassen, dreizehn Kollegen fehlen beim Elternsprechtag, in der Woche danach sind es noch mehr. Man mag dem Vertretungsplaner gar nicht mehr unter die Augen treten, so reizbar ist er. Denn gleichzeitig zum täglichen Vertretungschaos muss er wegen zweier frischer Langzeitkranker einen neuen Stundenplan basteln, von dem er aber genau weiß, dass er nur drei Wochen lang gültig sein wird, weil nach den Osterferien zwei Kolleginnen aus der Elternzeit wiederkommen. Eine Vertretungslehrkraft muss er auch einbauen. Den Job möchte ich jedenfalls nicht haben.
Unser Vertretungsplaner macht seine Sache gut, aber manchmal hat er eben einfach keine Wahl. So kommt es, dass man manchmal in Vertretungsstunden zwei oder drei Klassen gleichzeitig betreuen muss. (Ein inzwischen pensionierter Kollege sagte immer: Das ist das Beste – du gehst am Anfang der Stunde in jede dieser Klassen und sagst, dass du noch zwei andere Klassen zu betreuen hast, dann gehst du zurück ins Lehrerzimmer und trinkst Kaffee für den Rest der Stunde.)
Und so kam es, dass ich heute fünf Stunden lang meine eigene Klasse, eine Sechste, bespaßen musste. Ich habe sie wirklich gern, aber fünf Stunden sind dann doch ein bisschen viel.
Als ich mich vorgestern scherzhaft beim Vertretungsplaner darüber beschwerte, gab er zu, dass ihm das gar nicht aufgefallen sei und schlug vor, einen Wandertag zu veranstalten. Als ich es gestern beiläufig meiner Klasse verkündete, die den Vertretungsplan offenbar nicht liest oder nicht richtig versteht, schlug mir geballter Zorn entgegen: Zwei Stunden Englisch und zwei Stunden Deutsch an einem Tag? Das machen wir nicht! Wir streiken! Was, da ist noch eine Klassenleiterstunde dabei? Uns total egal! Immer müssen wir mehr arbeiten als wir eigentlich sollten! UNGERECHT!
Es dauerte eine Weile, bis sie kapierten, dass ich erstens nichts dafür konnte und dass zweitens diese vielen Stunden an anderen Stellen ausfallen. Zu Hause taten vermutlich die Eltern ein Übriges, jedenfalls saß meine Klasse heute Morgen um 7:30 Uhr brav auf ihren Plätzen und harrte der Dinge.
In der ersten Stunde machten wir gnadenlos Englisch. Sie üben gerade den Unterschied zwischen present perfect und simple past, und weil ich weiß, dass sie so früh morgens nicht besonders redselig aber dennoch konzentriert sind, bekamen sie haufenweise schriftliche Übungen zum Thema – vergleichen, begründen, eine typische Übungsstunde.
In der zweiten Stunde tanzten wir Rock’n’Roll. Im Englischbuch der 6. Klasse gibt es einen Text über Elvis, zu dem ich immer die Hausaufgabe aufgebe, Eltern oder Großeltern zu fragen, wie man Rock’n’Roll tanzt. Normalerweise artet das in theoretische Diskussionen aus, aber heute probierten wir es einfach mal aus: ein YouTube-Erklärvideo, ein bisschen üben, dann tanzen zu Elvis‘ Jailhouse Rock. Die meisten hatten Spaß, nur die größten Großmäuler unter den Jungs trauten sich nicht. Vorhersehbar.
Im Anschluss unterrichtete ich mal kurz in einer anderen Klasse, dann stand die dritte gemeinsame Stunde an. Die deklarierten wir zur Klassenleiterstunde. Wir notierten den neuen Stundenplan, und dann spielten wir gemeinsam Fußball. Zwar spielten nicht alle in derselben Gruppe (einige Mädchen beklagten sich über Missachtung und eröffneten ein eigenes Spiel), aber es spielten alle Fußball (außer mir, ich bin wirklich nicht gut im Fußball).
Die beiden letzten gemeinsamen Stunden verbrachten wir mit Deutsch: Morgen werden wir ein Theaterstück sehen (das nahegelegene Schlosstheater besucht uns, das Theaterstück findet in der Aula statt); es handelt sich um Nathans Kinder, eine kindgerechte Fassung von Nathan der Weise).
Die gelesene Szene fanden sie interessant, den Religionskonflikt beschrieben sie adäquat. Am Ende der gemeinsam verbrachten fünf Stunden mussten wir noch einmal klären, warum sie jetzt relativ wenig Hausaufgaben aufhaben. Na ja. Ging doch einigermaßen.

Drei Birken im Winter