Der HSV übt derzeit sehr eifrig im Altonaer Volkspark, schließlich geht es gegen den Abstieg. Der Trainer ist immer noch derselbe - er ist aber auch sehr gefällig anzuschauen , wenn er seine Schutzbefohlenen über den Trainingsplatz scheucht, unter den Augen der kritischen Rentnerschaft am Rand. Diese vertraute Attraktion bietet der Park den in ihm Joggenden - aber es gibt noch andere. Läuft man um 8:15 Uhr im Wiesenrautenstieg los, begegnet man um 8:23 Uhr am Eingang des berühmten Dahliengartens einer drahtigen älteren Dame, die sich auf die quälend langsamen Bewegungen einer fernöstlichen Meditationssportart konzentrieren muss und deshalb von ihrer Umgebung nichts wahrnimmt. Zwei Minuten später biegt eine jüngere Frau um die Ecke, die stets freundlich grüßt. Überhaupt ist es im Park üblich, dass die Läufer einander einen guten Morgen wünschen. Ebenso die Hundeausführer. Niemals aber grüßen Läufer Hundeausführer oder umgekehrt. Anders liegt der Fall bei der Frau, der man um 8:35 Uhr auf einem der Hügel begegnet. Sie besitzt einen großen alten Hund, der – aus Trotteligkeit oder aus Durchtriebenheit, man weiß es nicht – Läufern in einer Weise vor die Füße wankt, die sie zwingt, innezuhalten oder einen Bogen zu laufen. Das ist der Dame immer ein bisschen peinlich, deshalb sagt sie guten Morgen, bevor sie den Hund mild ermahnt. Der guckt schuldbewusst, lacht sich aber wahrscheinlich innerlich kaputt. Um 8:45 begegnet man oben an der Grillwiese einem nordisch gehenden älteren Herrn mit Skistöcken. Läufer und Walker verachten einander normalerweise noch mehr als Läufer und Hundeausführer, aber hier liegt der Fall anders: Weil der Herr stets lächelt und grüßt, lächelt und grüßt man zurück. Im Herbst war der Park voll mit Angestellten des Bezirksamtes Altona, die damit beschäftigt waren, das Laub von den Wegen zu pusten, und die nicht selten ihre lauten Geräte ausschalteten, um Läufer oder Hundeausführer durchzulassen. Jetzt begegnet man um kurz nach neun nur noch zwei älteren Damen in grellgelben Leuchtwesten, die zwar ihre Fahrräder mit sich führen, aber nie darauf fahren. Sie gehören nicht zu den gegrüßten Personen, aber eines Tages wird man sie einmal fragen, ob es nicht schlauer wäre, die Fahrräder zu Hause zu lassen, wenn sie sowieso nicht benutzt werden. Nach einer Stunde im Volkspark hat man also eine ganze Parkfamilie getroffen und begrüßt. Das ist nett. Wählt man allerdings eine andere Stunde als gerade diese, ist schon wieder alles anders.