Archiv Freitag, 26. Januar 2007

Limerick (1)

Freitag, 26. Januar 2007

There was an old lady in Brooking
who had a great genius for cooking.
She could bake sixty pies,
all quite the same size,
and tell which was which without looking.

Kopfballmaschine

Freitag, 26. Januar 2007

Der Altonaer Volkspark gehört strenggenommen gar nicht zu Hamburg-Osdorf. Aber er grenzt ans Village, und wir nutzen ihn gern zum Hundeausführen und zum Joggen. Wer vormittags Zeit hat, begibt sich auf den Platz vor der Arena formerly known as Volksparkstadion und guckt den bezahlten Angestellten der Fußball-Männerabteilung des HSV beim Trainieren zu. Die beginnen allerdings frühestens um zehn Uhr mit der Arbeit. Auf dem Trainingsplatz gibt es eine Kopfballmaschine, ein Relikt aus den siebziger Jahren und eine der letzten in Deutschland. Sie sieht aus wie ein T, an beiden Enden des Querbalkens hängt eine Schnur mit einem Ball dran. Mit dieser Konstruktion lässt sich üben, wie man hoch genug springt und den Ball mit dem Kopf präzise trifft. Angesichts der Tabellenposition des HSV in diesen Tagen kann man allerdings unerschrocken die folgende These vertreten: Die Anwesenheit einer Kopfballmaschine auf dem Trainingsplatz hat mit der Qualität des Bundesligafußballs nichts zu tun.

Busfahren in Hamburg (1)

Freitag, 26. Januar 2007

Im Bus Nummer 3 am Neuen Pferdemarkt: Die Frau, die im Wartehäuschen sitzt und liest, ist so in ihr Buch vertieft, dass sie den Bus weder kommen hört noch sieht. Der Bus hält, Fahrgäste steigen aus, Fahrgäste steigen ein, nur die Frau sitzt immer noch und liest. Der Busfahrer - anstatt zu denken: wenn sie nicht mit will, will sie eben nicht mit - probiert es zuerst mit Rufen: “Hallo! Wollen Sie vielleicht mitfahren?” Die Frau reagiert nicht. Auch die Fahrgäste denken nicht: lass sie doch, wenn sie nicht reagiert, will sie wohl nicht mit, sondern beobachten das Geschehen mit Interesse und Anteilnahme. Jetzt betätigt der Fahrer nämlich die Hupe, und siehe da, die Frau zuckt zusammen, springt auf und besteigt eilig mit verlegenem und dankbarem Lächeln den Bus, begrüßt vom Fahrer und den lächelnden Fahrgästen, offensichtlich alles Menschen mit einem Herz für Leser. Bleibt die Frage, welches Buch das war, aus dem man nur mit Hilfe einer Hupe in die Wirklichkeit zurückgeholt werden kann.

Hamburger Straßen-Alphabet

Freitag, 26. Januar 2007

Straßenbenenner sind Charakterköpfe. Ihr Stil ist meist unverkennbar. In Berlin zum Beispiel hatte einer die Angewohnheit, Straßen nach Stadtteilen zu benennen und ein Alt- davor zu setzen: Alt-Moabit, Alt-Stralau, Alt-Blankenburg. Daran müssen sich Neue erst einmal gewöhnen. Der Hamburger Straßenbenenner hatte Witz, wie die folgende Liste beweist: ABC-Straße, Bei Schuldts Stift, Caffamacherreihe, Durchschnitt, Englische Planke, Floot, Gockelstieg, Hühnerposten, Irrweg, Jacobs Treppe, Kaiserkai, Leemrackeln, Milchstraße, Niederbaumbrücke, Ole Enn, Passierzettel, Querstraße, Rechteck, Schulterblatt, Toller Ort, Utkiek, Vierte Twiete, Wiesenrautenstieg, Yvonne-Mewes-Weg, Zippelhaus.

Sonntagsbrötchen

Freitag, 26. Januar 2007

Wir hier im Village blicken ja gelegentlich eifersüchtig hinüber nach Ottensen. Nicht weil dort das Leben tobt, nicht wegen der Kneipen, der Restaurants, der Zeise-Kinos, der Fabrik, der vielen interessanten Menschen auf den Straßen, nein. Auch nicht wegen des Poloniums, das dort im letzten Jahr gefunden wurde, das die Ottenser zu Mitwirkenden in einem mysteriösen weltumspannenden Kriminalfall gemacht hat. (Übrigens gehört Osdorf genau wie Ottensen zum Bezirk Altona, und das Bezirksamt Altona, in dem sich ein vergiftetes Blatt Papier anfand, ist auch unser Bezirksamt.) Aber auch das ist nicht der Grund für unseren Neid. Der Grund sind die Sonntagsbäcker, die es dort an jeder Ecke gibt und hier nicht. Hier marschiert man sonntags um neun eine Viertelstunde lang den Blomkamp hinunter, nur um festzustellen, dass die Trinkhalle, die dort blasse Teiglinge in einem verdächtigen Elektro-Ofen erhitzt, restlos ausverkauft ist. Vielleicht muss das so sein in einer Gegend, wo ausschlafen bedeutet, bis sieben im Bett zu liegen.

Das Elbe ist kein Fluss

Freitag, 26. Januar 2007

Das Elbe ist kein Fluss, wie man vielleicht vermuten könnte. Das Elbe ist das Elbe-Einkaufs-Zentrum, eine Ansammlung kleinerer und größerer Geschäfte mit einem ziemlich großen Parkhaus davor. Möchte man in der Nähe des Elbe eine Wohnung mieten, sagt der Vermieter bzw. der Makler: “Hier ganz in der Nähe ist auch das Elbe-Einkaufs-Zentrum. Dort bekommen Sie einfach alles.” Oder er sagt: “Hier überall in der Gegend gibt es kleine Einzelhändler. Das Tante-Emma-Prinzip ist hier noch intakt.” Was lernen wir daraus? Das Elbe-Einkaufs-Zentrum polarisiert. Und das ist auch gut so.

Wiesenrautenstieg

Freitag, 26. Januar 2007

Die Wiesenraute (Thalictrum) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae). Den Botanikern sind bekannt: die Alpen-Wiesenraute, die Akeleiblättrige Wiesenraute, die Gelbe Wiesenraute, die Stink-Wiesenraute, die Glänzende Wiesenraute, die Valencia Wiesenraute, die Kleine Wiesenraut, die Hohe Wiesenraute, die Schmalblättrige Wiesenraute, die Blaugrüne Wiesenraute, die Chinesische Wiesenraute und die Japanische Pracht-Wiesenraute. Unter uns – es handelt sich um ein ziemlich unscheinbares Kraut, dessen Blüten so winzig sind, dass man sie am besten unter der Lupe betrachtet. Wer danach eine Straße benennt, muss schon ziemlich verzweifelt sein.