Prag, 28. Februar 1913
Mittwoch, 28. Februar 2007„Spät, Liebste, spät. Ich habe eine Arbeit für das Bureau gemacht und dabei ist es spät geworden. Kalt ist mir auch. Sollte ich mich wieder verkühlt haben? Es ist recht widerlich; meine linke Seite wird ständig kalt angeweht. […]
Heute abend und auch während des Tages war ich ruhiger und sicherer als sonst, jetzt ist wieder alles dahin. Ich wollte übrigens den Menschen sehn, der ohne Schaden meine Lebensweise, vor allem diese abendlichen einsamen Spaziergänge aushalten würde. Zuhause spreche ich fast mit niemandem, die Verbindung mit meiner Schwester, die schließlich hauptsächlich auf meinem Schreiben beruhte, ist nun auch ganz locker. Du und ich, wir leben jetzt entgegengesetzt, Du hast immerfort Leute um Dich, ich niemanden fast, die Leute im Bureau sind kaum zu rechnen, gar jetzt, wo ich seit einigen Tagen mehr schlafe und die Arbeit mir nicht so schwer fällt. Sie ist gerade so gleichgültig wie ich, wir passen zusammen. In den nächsten Tagen werde ich sogar Vice-Sekretär, es geschieht mir ganz recht.“
Franz Kafka, Briefe an Felice
Dass Hunde, Katzen oder Zwergkaninchen Rasse Rex gelegentlich die heimische Nahrungssicherheit zugunsten eines Survival-Trainings in der urbanen Weite aufgeben, ist ganz normal. Schon erstaunlicher finden wir, dass es Leute gibt, die auch Büchern diesen Freiheitsdrang zugestehen und ihn eigenhändig befeuern: Sie setzen Bücher an bestimmten, stark frequentierten Orten in der Stadt aus und machen sich einen Sport daraus, anhand eines Registrationscodes auf dem Titelblatt zu verfolgen, wer sie findet, liest und danach an einem anderen Ort wieder aussetzt.