Archiv Februar 2007

Vergleiche

Donnerstag, 15. Februar 2007

Wir wissen nicht, ob es unhöflich ist, ein Kind mit einer gesprungenen Schallplatte zu vergleichen. Die Mutter jedenfalls war beleidigt. Wir geben zu, das mit der Platte hätten wir schöner formulieren können, das Bild ist abgegriffen und veraltet. Wir hätten uns aus Jonathan Franzens Corrections bedienen können, wo es heißt „like a toy piano with one working note“. Das Kind, ungefähr drei Jahre alt, kümmerte das gar nicht, es brüllte beim Warten auf den Bus unter Aufbietung seiner ganzen Stimmkraft: „Hallelujah, schön, dass ihr da seid“. Und wieder und wieder und wieder.

New York, 14. Februar 1968

Mittwoch, 14. Februar 2007

“In Darmstadt, in einem kleinen, schäbigen Raum tagt ein Gericht nunmehr seit vier Monaten wegen der Morde in der Schlucht Babi Jar bei Kiev im Jahr 1941. Die New York Times gibt die Opfer jetzt als über 30 000 Juden und etwa 40 000 andere an. Die 11 Angeklagten, ehemalige Angehörige der S.S., tragen interessierte, gelangweilte, amüsierte, abweisende Mienen zur Schau. Keiner scheint beunruhigt oder bekümmert über die Aussagen. Einer kann sich nicht erinnern, der nächste war nicht zuständig, wieder einer hat nur davon gehört. Als die Wände der Schlucht gesprengt und das Geröll über die Opfer geschaufelt wurden, lebten manche noch. Einem Angeklagten wird durch Zeugenaussage vorgehalten, es sei seine Spezialität gewesen, kleine Kinder an den Beinen hochzuhalten, sie mit einer Pistole zu erschießen und in den vorbereiteten Graben zu werfen. Dieser eine regt sich auf. Da müsse einer den gleichen Namen gehabt haben wir er. Er sei es nicht gewesen. Ein Irrtum. Die New York Times hat die Zuschauer am 13. Februar gezählt. Es waren vier.”
Uwe Johnson, Jahrestage

Imagine Green or Yellow

Mittwoch, 14. Februar 2007


Hamburg, Große Bergstraße, Februar 2007

Berlin - Moskau

Dienstag, 13. Februar 2007

Was mögen wir an fremden Städten? Vielleicht haben wir Freunde in Paris und verbinden mit der Stadt schöne Erinnerungen. An New York bewundern wir die Energie, die in dieser Stadt steckt. Wir können nicht genug davon bekommen, wie höflich die Londoner im öffentlichen Raum miteinander umgehen. In jeder Stadt kennen wir besondere Gebäude, Straßen, Museen, wir haben Lieblingsorte in Dublin und Sydney – Cafes, Kneipen, Parkbänke. In Lissabon ist es eine bestimmte Straßenbahnlinie, in Warschau ein Ausblick. – Der Filmschauspieler Matt Damon, den wir vor allem als Tom Ripley schätzten, wartete jetzt mit einer sehr viel eigenwilligeren Begründung seiner Vorliebe für Berlin auf. Im Zusammenhang mit den Bourne-Filmen sagte er vor zwei Tagen, Berlin sei so toll, weil man es als Berlin wie auch als Moskau benutzen könne. Das ist großartig, das ist originell gedacht, das ist frei von jedem Egoismus und jeder Sentimentalität. Gut gemacht, Mr. Damon!

Brunch und Braten

Montag, 12. Februar 2007


Hamburg, Rentzelstraße, Februar 2007

Heimsieg

Sonntag, 11. Februar 2007

Der Wiesenrautenstieg und die Arena formerly known as Volksparkstadion - das sind normalerweise verschiedene Welten. Gestern schwappte etwas von der einen in die andere. Auf der Straße hielt uns um 17:15 Uhr eine ältere Dame an mit den Worten: “Hören Sie das?” Zu hören waren Fangesänge, lauter als Robbie Williams im Sommer auf der Bahrenfelder Trabrennbahn. “Sie singen oh wie ist das schön”, stellte die Dame fachkundig fest, “kann das sein, dass der HSV heute gewonnen hat?” Wir hielten das für unwahrscheinlich, schalteten zu Hause aber pflichtbewusst das Radio an. HSV - Dortmund 3:0, tatsächlich. Wer hätte das gedacht.

Einkaufslyrik (1)

Sonntag, 11. Februar 2007

Einkaufszettel, gefunden am 10. Februar 2007 im Supermarkt des Elbe-Einkaufszentrums:

Obst und Gemüse
Käse
Milch
Kartoffeln
Saft und Selter
Nuddeln und Sauce
Knöddel und Reis
Maggi Ratatui Tütte
Deo Addidas Roller
Öl zum Abschmincken