Archiv Montag, 5. März 2007

Frau Müller beschwert sich (3)

Montag, 5. März 2007

Gestern abend, „Die Flucht“. In der Wohnung über uns pumpten sie eine Luftmatratze auf oder betätigten irgendein Sportgerät, wir wissen es nicht. Frau Müller unter uns hörte das offenbar auch und beschwerte sich. Diesmal nonverbal: Sie nahm einen schweren metallischen Gegenstand und donnerte den an die Heizung. Das klang ebenso rhythmisch wie das Geräusch von oben, nur sehr viel lauter. Lauter sogar als die diversen Gewehr- und Pistolenschüsse, mit denen die Leute im Film sich selbst und einander umbrachten. Warum gute deutsche Fernsehfilme mit Anspruch und Ehrgeiz immer noch schlechte Filme sind, wissen wir auch nicht. „Die Flucht“ jedenfalls fanden wir abgründig schlecht: Klischeehafte leblose Figuren, Gut und Böse deutlich voneinander zu unterscheiden, handlungsarm und künstlich in die Länge gezogen, kulissenhafte Ausstattung, stereotype Musik. Auf den Satz “solange ich denken kann”, den die bedauernswerte Frau Furtwängler gleich zweimal artikulieren musste, reagieren wir allergisch. Einzig Angela Winkler als Gräfin Gernstorff konnte uns überzeugen. Den zweiten Teil schenken wir uns. Und bei Frau Müller werden wir uns heute beschweren. Wegen abendlicher Ruhestörung.
Frau Müller beschwert sich (2)
Frau Müller beschwert sich (1)