Archiv Mittwoch, 14. März 2007

Aus Büchern lernen

Mittwoch, 14. März 2007

Wir vertreten ja die These, dass man aus Büchern mehr über das Leben lernen kann als aus dem Leben selbst. Zum Beispiel haben wir aus einem Indianer-Abenteuerroman für Jugendliche gelernt, wie man lange Strecken zurücklegt, ohne müde zu werden: 100 Schritte laufen, 100 Schritte gehen. Das kam uns zugute, als wir einmal in Südengland trampen wollten, uns aber niemand mitnahm und wir bei immer dunkler werdender Dunkelheit zehn Kilometer zu Fuß zurücklegen mussten. Durch einen weiteren Jugendroman, deren Titel wir vergessen haben, kamen wir auf die Idee, uns in den Semesterferien als Aushilfe bei der Post zu verdingen – Briefträger war damals noch ein gutbezahlter Job mit Trainingseffekt an der frischen Luft. Auch wüssten wir nicht, wie man die Himmelsrichtung mit Hilfe einer Armbanduhr bestimmt, wenn wir nicht Harry Mulischs Roman Zwei Frauen gelesen hätten: „Der kleine Zeiger muss auf die Sonne weisen; die gedachte Linie, die den Winkel halbiert, den die Linie von der Zwölf zur Mitte und der kleine Zeiger bilden, zeigt nach Süden.“ Ganz einfach eigentlich. Der Rest des Romans ist übrigens auch zu empfehlen.