Das wars gewesen
Sonntag, 15. April 2007Das Plusquamperfekt ist eine Zeitform, die im Alltag eher selten vorkommt – vom Ultra-Perfekt („das hab ich mir fast schon gedacht gehabt“) einmal abgesehen. Die vollendete Vergangenheit interessiert nur mäßig, ist ja vorbei. Viel spannender sind allemal Gegenwart und Futur, das nächste große Ding. Es gibt aber Situationen im Leben, da ist der Gebrauch des Plusquamperfekts unausweichlich, um auszudrücken: Die Sache ist vorbei, die Chance vertan, die Gelegenheit kommt nicht wieder.
Eine solche Situation haben wir mal beim Busfahren in Berlin erlebt. In Berlin-Friedrichshain, wo wir damals wohnten (”keiner ist gemeiner als der Friedrichshainer”), gibt es eine Bushaltestelle mit Namen Wismarplatz. Der Busfahrer war nun nicht ganz bei der Sache und fuhr an dieser Haltestelle vorbei, obwohl eine Frau auf den Knopf gedrückt hatte und aussteigen wollte. Die rief daraufhin nach vorn: „Dit war der Wismarplatz jewesen.“ Das rief sie weder aufgebracht noch vorwurfsvoll, sondern lakonisch-resignativ in dem Wissen: Das mit dem Wismarplatz kann ich vergessen, das ist ein für allemal vorbei.
Dem war aber gar nicht so, denn der Busfahrer reagierte schnell, entschuldigte sich (sehr ungewöhnlich bei Berliner Busfahrern), hielt an und ließ die Frau aussteigen, zwanzig Meter hinter der Haltestelle und gegen alle Vorschriften. Was uns zeigt: Selbst wenn wir glauben, etwas ist unwiderruflich vorbei, kann es noch eine zweite Chance geben.
(Bestechende empirische Beweisführung, aber, ehrlich gesagt, so ganz überzeugt davon sind wir selbst nicht. Wir könnten mehr als eine Situation aufzählen, wo wir die erste Chance vergeigt haben und nie eine zweite bekamen, vor allem in Liebesdingen. Also: Es lebe das Plusquamperfekt!)