Archiv Juli 2007

Gewundert

Dienstag, 31. Juli 2007

1. Wie gestern in den Nachrichten zu hören war, ist in Hamburg im letzten Jahr durchschnittlich jeden zweiten Tag für anderthalb Stunden der Strom ausgefallen. Mehr als 324 000 Haushalte waren davon betroffen, dass insgesamt 180 Mal irgendwo in der Stadt für durchschnittlich 85,6 Minuten die Lichter ausgingen. – Wie ist das bloß möglich, dass wir davon gar nichts mitbekommen haben?

2. Wahrscheinlich weiß das jeder außer uns: Unser Personalausweis gehört gar nicht uns. Was uns im Ordnungsamt ausgehändigt wird, geht zwar in unseren Besitz über, bleibt aber Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Warum? Um Missbrauch vorzubeugen, zum Beispiel der Verpfändung, denn was einem nicht gehört, kann man auch nicht verpfänden. Bleibt die Frage, weshalb der Personalausweis Geld kostet, wenn er Eigentum der Bundesrepublik ist. Auch total logisch: Man kauft nicht das Dokument, sondern eine Serviceleistung, die darin besteht, identifiziert zu werden und sich zukünftig schnell und zuverlässig ausweisen zu können. – Da tragen wir jahrelang ein Stück Plastik herum, wofür wir bezahlt haben, was uns aber nicht mal gehört? Das muss nicht sein. Den nächsten malen wir uns selbst.

3. Wir sind ja filmgeschichtlich nicht so bewandert, aber es ist uns wirklich peinlich zuzugeben, dass wir keine Ahnung hatten, dass Ingmar Bergman bis gestern noch am Leben war. Auch kennen wir nur einen einzigen seiner Filme, Das Schweigen, den haben wir allerdings drei- oder viermal gesehen. Was uns daran gefällt? Eigentlich alles, besonders das Schwarz-Weiß, das Licht und die Skurrilität des Ortes, an dem das spielt. Warum wir nie weitere Bergman-Filme gesehen haben? Ein Rätsel.

Sonne macht albern

Montag, 30. Juli 2007

Gepriesen sei jeder Tag, an dem sie nicht scheint.

Lyrik aus Dosenfleisch

Sonntag, 29. Juli 2007

Spam Poetry oder Spoetry sei die Lyrik des 21. Jahrhunderts, findet Ben Myers im Guardian LitBlog. Spam-Sprache als solche überschreitet ja manchmal schon die Grenze zum Poetischen, aber die Kunst besteht darin, sie so zu verdichten, dass etwas Neues entsteht. Eine neue Situation, ein neuer Zusammenhang, eine neue Geschichte. Mal gucken:

Sent: Sunday, July 22, 2007 12:40 PM
Subject: Registrierung an der Seite der intime Bekanntschaft

Wir bedanken Sie fur die Registrierung an der Seite der intime Bekanntschaft.
Wir bedanken Sie fur die Registrierung an unserer geschlossenen Seite “Suche den Sexpartner”. Unser Fotograf wird innerhald 24 Stunden aufkommen, um ein frechen Foto zu machen. 499 euro wurde abgebucht. Fur die Aktivierung oder das Loschen Ihrer Aufzeichnung und auch die Sichtung des Barschek installieren Sie ein Zertifikat in der Anlage.
Wir wunschen Ihnen viel Erfolg in der Suche der Sexpartner.
Mfg Unterstutzungdienst

Registratur
Innehalten an der Seite der intimen Bekannten.
Die geschlossene Seite der Welt
ist für uns ebenso wenig betretbar
wie für Loschen und Barschek.
Wir sichten den Dienst,
wir aktivieren die Aufzeichnung,
wir installieren ein Zertifikat,
wir machen ein Foto.
Vergebens. Wir kommen nicht auf.
Die intime Bekannte spricht es aus:
In dieser Anlage
brauchen wir Unterstützung.

Mein kleiner grüner Kaktus

Freitag, 27. Juli 2007

Musikinstrumente, definiert der Brockhaus, sind Geräte zum Hervorbringen musikalisch verwertbarer Töne, Klänge und Geräusche. Nun kann man sich darüber streiten, ob Grünpflanzen als Geräte bezeichnet werden können. Fakt ist aber: Es gibt Gewächse, die es darauf anlegen, die Definitionsgrenze in Richtung Musikinstrument zu überschreiten. Zum Beispiel der Kaktus in diesem Film.
Es handelt sich um ein mir persönlich bekanntes Exemplar der Spezies Ferocactus viridescens, das nach Auskunft seines Besitzers für einen Kaktus nicht billig war, für ein Musikinstrument aber schon – der Musikaktus rangiert in ungefähr derselben Preisklasse wie eine Plastikflöte für Schulkinder. Zupft man an seinen Stacheln, bringt er Töne hervor, und zwar nicht irgendwelche, sondern eine komplette H-Dur-Tonleiter.
Was soll man dazu sagen? Dieser Kaktus gehört offensichtlich zur Familie der Zupfinstrumente, ist also – wer hätte das vom bloßen Augenschein vermutet – ein kleiner stacheliger Bruder der Gitarre und der Mandoline. Außerdem stellt er besondere Anforderungen an den Begleitpianisten, denn H-Dur hat fünf Kreuze.
Ungeklärt ist noch, ob diese junge Pflanze in höherem Alter und nach verstärktem Wachstum dereinst ein A-Dur- oder gar ein G-Dur-Kaktus werden wird. Wir werden das beobachten.

Kühe in Halbtrauer

Donnerstag, 26. Juli 2007


Dybbøl, Dänemark, 25. Juli 2007

Bln

Dienstag, 24. Juli 2007



Palast der Lüste




La Maison Hongrie




Die ehem. Rache vom Papst




104 Brixplatz


Limerick (23)

Samstag, 21. Juli 2007

There was a young lady of Ham
who hastily jumped on a tram.
As she swiftly embarked
the conductor remarked:
“Your fare, Miss”. She said: “Yes, I am.”