Archiv Juli 2007

3 unqualifizierte Bemerkungen…

Montag, 9. Juli 2007

…zur Tour de France.
Aus Anlass einer Sportsendung im sonst sehr geschätzten Deutschlandfunk, wo der Studiogast und „erfolgreiche Ex-Radprofi“ Marcel Wüst am Samstag unwidersprochen öffentlich verkünden durfte, die diesjährige Tour de France sei die sauberste aller Zeiten.

1. Von London nach Paris – das ginge auch schneller und weniger umwegig. Wenn man das denn schon unbedingt mit dem Fahrrad machen will.
2. Wer schlau ist, kommt in diesem Jahr als Letzter ins Ziel.
3. Das Wort Peloton ist wirklich sehr schön. Es ist (vulgär-)lateinischen Ursprungs und bedeutet nebenbei auch noch Exekutionskommando.

Schwarz auf weiß

Sonntag, 8. Juli 2007

Sich nicht persönlich, sondern nur schriftlich zu kennen, sei ein Phänomen des Internet-Zeitalters, könnte man meinen.
Stimmt aber nicht. Da fällt uns doch gleich A.S. Byatt ein, Besessen, ein Roman, in dem es (unter anderem) um eine brieflich begonnene Liebesgeschichte zwischen zwei viktorianischen Dichtern geht, Randolph Henry Ash und Christabel LaMotte. Brieflich auch deshalb, weil sie geheim bleiben muss, denn er ist verheiratet und sie lebt zurückgezogen zusammen mit einer Malerfreundin in einem scheinbar keuschen Jungfernhaushalt und fürchtet um ihre Unabhängigkeit. Der Ausgangspunkt ihrer Bekanntschaft ist eine kurze Unterhaltung bei einer Frühstücksgesellschaft, die wahre Annäherung findet in den Briefen statt. Byatt versteht es meisterhaft, die Faszination für die zunehmende schriftliche Vertrautheit sichtbar zu machen, die zwangsläufig auf ein Treffen hinausläuft. Natürlich hat sich jeder zu diesem Zeitpunkt schon eine vollständig ausgestattete und komplett virtuelle Lebensumgebung für den Briefpartner gebastelt, die mitnichten mit der Realität übereinstimmt. Im ersten Brief nach dem Treffen (einem Spaziergang im Park) schreibt Ash über Christabels Hund:

„Wie konnten Sie mich so in die Irre führen? Da stand ich und hielt eifrig Ausschau nach einem kleinen Spaniel oder einem milchweißen Hündchen – und dann kamen Sie, kaum zu erkennen, halb verborgen neben dieser riesenhaften, hageren, grauen Erscheinung, die geradewegs aus einem irischen Märchen oder einer nordischen Saga entsprungen zu sein schien.“

Wir können nicht anders als hier noch mal unsere Bewunderung für Byatts außerordentliche Befähigung für Stilkopien zu bekunden, nicht nur was die Briefe betrifft, sondern auch in Gedichten, Tagebucheinträgen und wissenschaftlicher Prosa verschiedener Figuren. Handwerk, okay, aber das muss auch erstmal beherrscht werden. Als wir das Buch zum ersten Mal lasen, fühlten wir uns bemüßigt nachzugucken, ob es diese Dichter tatsächlich gegeben hat. Die Autorin hat sich das alles ausgedacht – aber diese 19.-Jahrhundert-Brieffreundschaft hätte durchaus so stattfinden können.
Eine ‚wahre’ Geschichte derselben Sorte hat die Journalistin Monika Porrmann jetzt aus einem schwer zugänglichen Buch hervorgekramt: Die 1842 brieflich begonnene Liebesgeschichte zwischen den Autoren Luise von Gall und Levin Schücking. Was als unernstes Rollenspiel beginnt, endet mit der Heirat – wie es dazu kommt, kann man jetzt als Fortsetzungsgeschichte mitlesen, hier ist Teil eins.
Sicher ist es kein Zufall, dass es sich bei allen Beispielen um Autoren handelt. Stellt sich aber trotzdem die Frage: Inwiefern ist das, was er oder sie schreibt, repräsentativ für einen Menschen? Wieviel und was genau bleibt übrig, wenn man das Schriftliche abzieht?

070707

Samstag, 7. Juli 2007

Limerick (21)

Donnerstag, 5. Juli 2007

There was a young man from Peru
whose limericks stopped at line two.

Jammerbloggen: verflossene Wörter

Dienstag, 3. Juli 2007

Eine lohnende Disziplin, denn wie wir wissen, verschwindet in diesem Internetz rein gar nichts, sondern bleibt, ist es einmal drin, bis in alle Ewigkeit in ihm aufbewahrt. Wer über veraltete Wörter schreibt, darf sich also zu Recht mit verdienstvollen Attributen wie „Pate für entseelte Sprache“ oder „Schutzgeist unschuldig bedrohter Vokabeln“ schmücken.
Ein Paradebeispiel ist dieser Beitrag über verschrauben als Infinitiv zu verschroben. Wir können noch erkiesen beisteuern, den Infinitiv von erkoren, den kein Mensch mehr kennt, geschweige denn gebraucht. Und gestern lief uns spreiten über den Weg, fast hätten wir eine Wette abgeschlossen, dass das gar nicht im Duden steht. Die hätten wir verloren: sprei|ten, veraltend für ausbreiten.
Der Zusammenhang war „das spreitende Mandelölbad aus der Schweiz“, das ist vielleicht die Ursache für die unerwartete linguistische Offenbarung. Also die Schweiz jetzt, nicht das Mandelölbad. Wobei – dieses Mandelölbad funktioniert „durch einen auf der Wasseroberfläche verbleibenden feinen Lipidfilm, der beim Verlassen des Bades als dünne Schicht auf die Hautoberfläche aufzieht“. Diesen Vorgang vor Augen, kann man eigentlich nicht anders als bewundernd auszurufen: Sieh, es spreitet!
(Die Angebote des besserwisserischen Männchens aus der Abteilung Rechtschreibprüfung – spreizet, streitet – schlagen wir getrost in den Wind.)

Was die Welt nicht braucht

Montag, 2. Juli 2007

TwitterLit: Zwei Mal pro Tag erste Sätze aus Büchern mit direktem Link zu Amazon. Also würklich.

Happy Birfday

Sonntag, 1. Juli 2007