Archiv August 2007

Mulden des Todes

Freitag, 31. August 2007

Hiermit vermelden wir, dass wir mit vielwöchiger Verspätung jetzt auch den siebenten Band Harry Potter gelesen haben. Unser Exemplar war auf Reisen, allerdings nicht auf unseren. Dafür, dass das übereifrige Pack da draußen schon einen Tag nach Erscheinen nichts Besseres zu tun hatte als das Internetz mit allen Details vollzuschreiben, die einem die Lektüre gründlich verderben, rächen wir uns mit einem winzigen Schnipsel nutzloser Information, die garantiert niemanden interessiert: Es gibt zwei Sätze auf Deutsch im neuen Harry Potter, beide enden mit einem Ausrufezeichen.
1. Er wohnt hier nicht mehr!
2. Das weiß ich nicht!
Nun noch zwei Nachrichten aus der Statistik-Abteilung: 4.650.000 Google-Treffer für „Harry Potter and the Deathly Hallows“, 293.000 für „Harry Potter and the Deathly Hollows“.
So, Harry Potter, das wars gewesen.

Wir auch

Donnerstag, 30. August 2007

Busfahren in Hamburg (5)

Dienstag, 28. August 2007

Sonntag, der Tag des großen Hamburger Straßenradrennens, Profis und Jedermänner. Was eine geübte Busbenutzerin ist, die informiert sich vorher, welche Busse fahren und welche nicht, wenn sie morgens zum Hauptbahnhof will. Haltestellenaushänge und Internetz erklären einstimmig: Schnellbusse fahren nicht bis zur S-Bahn Elbgaustraße, normale Busse fahren. Ist zwar irgendwie seltsam, aber doch wohl nicht unser Problem.
Der 186er kommt zur angekündigten Zeit. Fährt fünf Haltestellen weit und steht dann Rugenbarg vor einer rot-weißen Straßensperre. Davor zwei grimmige Polizistinnen, dahinter bunte Fahrradfahrer im Eiltempo auf schöner leerer Straße. Der Busfahrer bass erstaunt, ebenso die drei Fahrgäste. Einer schlägt vor, rechts abzubiegen, er kenne da einen Schleichweg, am Stadion vorbei. Der Busfahrer erklärt sich einverstanden. Er folgt den Anweisungen des Ortskundigen, biegt einmal verboten ab, zuckelt vorbei an der Arena formerly known als Volksparkstadion und landet erneut vor einer rot-weißen Straßensperre. Davor zwei grimmige Polizisten, dahinter lauter Jedermänner, in einem Affentempo. Der Busfahrer bass erstaunt. Über Funk keine Hilfe zu erwarten, die Zentrale auch bass erstaunt. Der ortskundige Fahrgast bittet darum, aussteigen zu dürfen. Die verbliebene Dame lächelt boshaft, wir sind langsam in Sorge wegen unseres Zuges. Der Busfahrer wendet den Bus. Kein Problem um diese Uhrzeit, die Straße ist leer. Wir haben jetzt die Ortskundigen-Rolle übernommen und besprechen mit dem Fahrer die neue Route.
Obwohl wir eigentlich an andere Dinge denken sollten, können wir nicht umhin zu bemerken, dass es unweit des Stadions eine Straße mit Namen „Luftbadweg“ gibt. Was ist denn bloß ein Luftbad, denken wir verblüfft, obgleich wir wahrlich andere Probleme haben. Ein Bad in Luft? Ist das nicht normal, in Luft zu baden? Wo wir gehen und stehen, sind wir von Luft umhüllt, wir baden quasi ständig in Luft. Ist das Luftbad als solches nicht eine ontologische Daseinsvoraussetzung? Ein Synonym für das menschliche Sein? Nein, für das Sein überhaupt, denn auch Tiere und Pflanzen und sogar unbelebte Gegenstände nehmen ja andauernd Luftbäder. Ist Luftbad eine philosophische Kategorie? Der Ursprung des Daseins? Der Grund für das So-Sein der Welt?
So denken wir, während wir eigentlich über ganz und gar andere Dinge nachdenken sollten. Über die neue Route zum Beispiel oder über die Frage, ob wir unseren Zug noch kriegen und was wir tun, wenn wir ihn verpassen. Der Bus hält an einer roten Ampel. Direkt neben der Bierwirtschaft in der Stadionstraße, auf deren Außenwand eine Dame mit einem Hund abgebildet ist. Wir gucken nach links und sehen die Bushaltestelle der Linie 2. Wir gucken nach rechts und sehen einen herannahenden Bus der Linie 2. Linie 2, Altona, S-Bahn. Kein Radrennen im Weg. Wir bitten den Busfahrer darum, aussteigen zu dürfen.
Was aus diesem verlorenen Bus geworden ist – wir wissen es nicht. Wir stellen uns vor, dass an der fünften rot-weißen Straßensperre, grimmige Polizistinnen, rasende Radfahrer, Busfahrer bass erstaunt, auch die verbliebene Dame darum bittet, aussteigen zu dürfen. Und dass der Busfahrer seinen Kindern abends eine spannende Geschichte erzählt.
Fünf Minuten vor Einfahrt des Zuges stehen wir auf dem Bahnsteig im Hauptbahnhof. Als der Zug über die Elbe fährt, sehen wir sie wieder. Die Jedermänner, wie sie über die gesperrte Freihafenelbbrücke fahren, mit teuren Rennrädern oder schrottigen Krücken, mit Tour-de-France-Outfit oder ganz normalen T-Shirts, dicke und dünne, Frauen und Männer, verbissen in die Pedale tretend oder gemütlich mit dem Nachbarn plaudernd. Nur schnell sind sie nicht. Der Zug ist schneller.

Busfahren in Hamburg, die früheren Folgen: [1] [2] [3] [4]

Rätsel

Montag, 27. August 2007

…natürlich, friedlich, unvermeidlich, wesentlich, gründlich, unbeschreiblich, weiblich, herrlich, uneigentlich, lieblich, unausweichlich, löblich, entzündlich, unglaublich, ortsüblich, kindlich, betrüblich, unvergleichlich, begrifflich, versehentlich, tauglich, niedlich, redlich, handlich, umständlich, stündlich, verbindlich, umweltfreundlich, unentgeltlich, öffentlich, vortrefflich, handgreiflich, behilflich, überschwänglich, zuträglich, übersinnlich, tunlich, unwillkürlich, ordentlich, angelegentlich, deutlich, sinnlich, wissenschaftlich, unermesslich, wirklich, unvergesslich, ungefährlich, willentlich…

Ein Haus

Sonntag, 26. August 2007

Was tun, wenn’s brennt? ist ein deutscher Kinofilm aus dem Jahr 2001 mit Schauspielern wie Martin Feifel, Sebastian Blomberg, Nadja Uhl und Devid Striesow, könnte man in Wikipedia-Manier beginnen. Er wurde in Berlin gedreht, unter anderem im letzten unsanierten Haus am südlichen Ende der Friedrichshainer Neuen Bahnhofstraße, direkt neben dem Bahnhof Ostkreuz. Das war wahrscheinlich so ungefähr im Jahr 2000, es sei denn, es dauert länger als ein Jahr, so einen Film fertigzustellen.

Charlottenburg betrete ich nicht
Die Einheimischen (keiner ist gemeiner als der Friedrichshainer), die da am Set vorbei zum Ostkreuz wanderten und abends wieder zurück, wunderten sich nach ein paar Tagen nicht mehr über die Veränderungen, die die Filmleute am Haus und in der Umgebung vornahmen. Das Haus war schäbig, aber sie setzten alles daran, es noch schäbiger zu machen, indem sie mit Hämmerchen am bröckelnden Putz herumklopften. Der angrenzende Bretterzaun und die umliegenden Laternenmasten waren gepflastert mit Plakaten, sie aber hängten ihre eigenen auf – größer und politischer als die üblichen Konzertankündigungen der Supamolly. Manchmal standen zehn oder mehr Polizeiwannen vor dem Haus und Dutzende Polizisten, denen man auf hundert Meter ansah, dass sie verkleidete Statisten waren. Sie hatten unglaublich viel Technik dabei. Die Verpflegung war in Ordnung, wenn die Größe des Catering-Wagens irgendwas mit der Qualität des Essens zu tun hat. Oft waren sie noch mitten in der Nacht zugange, bedauert von den Friedrichshainern, die ihr Tagwerk schon erledigt hatten und nur noch zum Spaß unterwegs waren.

Ich lass mir nicht ins Hirn pissen
Wenn man einen der patrouillierenden Ordner fragte, was hier eigentlich gedreht werde, bekam man zur Antwort: Ein Film mit Til Schweiger! Boah ey, Til Schweiger, dachte man und erinnerte sich an die New Yorker Freundin, die erzählte, wie sie täglich am Set des neuen Woody-Allen-Films vorbeikam. Auch in den Dahlemer Villen rund um die FU wird ziemlich viel gedreht, wenn auch vor allem TV-Vorabendserien. Am Til-Schweiger-Set jedenfalls bekam man die Schauspieler nie zu Gesicht, und manchmal war die gesamte Neue Bahnhofstraße gesperrt. Dann musste man warten oder woanders langgehen.

Kannst du mal bitte die Gören runterpegeln?
Kurz danach wurde das Haus eingerüstet und saniert, von einem Zehlendorfer Handwerksunternehmen für straffällig gewordene Jugendliche oder so ähnlich. Das hat ewig gedauert, jahrelang. Aber sie haben es wahrscheinlich sehr gründlich gemacht. Heute ist das Haus so grau wie vorher, sieht aber ordentlicher aus. In ihm ist ein Hostel untergebracht, sehr praktisch wegen der Nähe zum Ostkreuz. Das 1st-Floor-Hostel. Warum das so heißt? Weil es erst im ersten Stock beginnt, darunter sind ein Laden und ein Café. Es hat wie manches Berliner Haus die Form eines Tortenstücks, also eine charakteristische spitze Ecke auf der einen Seite.

Brennen lassen
Der Film ist gar nicht so schlecht geworden, er macht sich über alle Beteiligten lustig und verhandelt doch ein ernstes Thema, das Erwachsenwerden, wenn man es sehr allgemein formulieren will. Til Schweiger könnte fehlen. Aber das Haus ist klasse. Es spielt ein besetztes Haus in SO 36 in den achtziger Jahren. Zwar sieht es total künstlich aus, wie für einen Film hergerichtet, aber wenn man weiß, dass es echt ist, nimmt man ihm die Rolle ab.
(Auch sehr nützlich sind ein paar coole Sprüche, die man sich mal für bestimmte Gelegenheiten merken kann.)

Limerick (26)

Samstag, 25. August 2007

Einen Missionaren aus Nice
den brieten die Wilden am Spice.
Er sang gottergeben:
„Mitten im Leben…“
Worauf ihn dasselbe verlice.

Herzlichen Gl ckwunsch zum Geburtstag!

Freitag, 24. August 2007




Ich kaufe ein O.

















© Ian Falconer