Ein Haus

Was tun, wenn’s brennt? ist ein deutscher Kinofilm aus dem Jahr 2001 mit Schauspielern wie Martin Feifel, Sebastian Blomberg, Nadja Uhl und Devid Striesow, könnte man in Wikipedia-Manier beginnen. Er wurde in Berlin gedreht, unter anderem im letzten unsanierten Haus am südlichen Ende der Friedrichshainer Neuen Bahnhofstraße, direkt neben dem Bahnhof Ostkreuz. Das war wahrscheinlich so ungefähr im Jahr 2000, es sei denn, es dauert länger als ein Jahr, so einen Film fertigzustellen.

Charlottenburg betrete ich nicht
Die Einheimischen (keiner ist gemeiner als der Friedrichshainer), die da am Set vorbei zum Ostkreuz wanderten und abends wieder zurück, wunderten sich nach ein paar Tagen nicht mehr über die Veränderungen, die die Filmleute am Haus und in der Umgebung vornahmen. Das Haus war schäbig, aber sie setzten alles daran, es noch schäbiger zu machen, indem sie mit Hämmerchen am bröckelnden Putz herumklopften. Der angrenzende Bretterzaun und die umliegenden Laternenmasten waren gepflastert mit Plakaten, sie aber hängten ihre eigenen auf – größer und politischer als die üblichen Konzertankündigungen der Supamolly. Manchmal standen zehn oder mehr Polizeiwannen vor dem Haus und Dutzende Polizisten, denen man auf hundert Meter ansah, dass sie verkleidete Statisten waren. Sie hatten unglaublich viel Technik dabei. Die Verpflegung war in Ordnung, wenn die Größe des Catering-Wagens irgendwas mit der Qualität des Essens zu tun hat. Oft waren sie noch mitten in der Nacht zugange, bedauert von den Friedrichshainern, die ihr Tagwerk schon erledigt hatten und nur noch zum Spaß unterwegs waren.

Ich lass mir nicht ins Hirn pissen
Wenn man einen der patrouillierenden Ordner fragte, was hier eigentlich gedreht werde, bekam man zur Antwort: Ein Film mit Til Schweiger! Boah ey, Til Schweiger, dachte man und erinnerte sich an die New Yorker Freundin, die erzählte, wie sie täglich am Set des neuen Woody-Allen-Films vorbeikam. Auch in den Dahlemer Villen rund um die FU wird ziemlich viel gedreht, wenn auch vor allem TV-Vorabendserien. Am Til-Schweiger-Set jedenfalls bekam man die Schauspieler nie zu Gesicht, und manchmal war die gesamte Neue Bahnhofstraße gesperrt. Dann musste man warten oder woanders langgehen.

Kannst du mal bitte die Gören runterpegeln?
Kurz danach wurde das Haus eingerüstet und saniert, von einem Zehlendorfer Handwerksunternehmen für straffällig gewordene Jugendliche oder so ähnlich. Das hat ewig gedauert, jahrelang. Aber sie haben es wahrscheinlich sehr gründlich gemacht. Heute ist das Haus so grau wie vorher, sieht aber ordentlicher aus. In ihm ist ein Hostel untergebracht, sehr praktisch wegen der Nähe zum Ostkreuz. Das 1st-Floor-Hostel. Warum das so heißt? Weil es erst im ersten Stock beginnt, darunter sind ein Laden und ein Café. Es hat wie manches Berliner Haus die Form eines Tortenstücks, also eine charakteristische spitze Ecke auf der einen Seite.

Brennen lassen
Der Film ist gar nicht so schlecht geworden, er macht sich über alle Beteiligten lustig und verhandelt doch ein ernstes Thema, das Erwachsenwerden, wenn man es sehr allgemein formulieren will. Til Schweiger könnte fehlen. Aber das Haus ist klasse. Es spielt ein besetztes Haus in SO 36 in den achtziger Jahren. Zwar sieht es total künstlich aus, wie für einen Film hergerichtet, aber wenn man weiß, dass es echt ist, nimmt man ihm die Rolle ab.
(Auch sehr nützlich sind ein paar coole Sprüche, die man sich mal für bestimmte Gelegenheiten merken kann.)

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