Archiv August 2007

Was tun Sie, wenn Ihnen eine unbekannte und verdächtige Person begegnet?

Freitag, 10. August 2007

1. Maßnahme
Ich alarmiere die Wache und halte den Angehaltenen bis zum Eintreffen der Wache fest, wenn
– mir die Überprüfung zu gefährlich ist oder
– ich aus anderen Gründen Personalien oder Aufenthaltsberechtigungen nicht sofort feststellen kann oder
– ich dringenden Tatverdacht für gegeben halte
2. Maßnahme
Ich befehle dem Festgehaltenen: „HÄNDE HOCH! UMDREHEN!“
3. Maßnahme
Ich drohe dem Festgehaltenen mit den Worten: „BEI FLUCHTVERSUCH SCHIESSE ICH!“, wenn die Flucht nur durch gezielten Schuss verhindert werden kann. Ich schieße (gezielt), wenn der Festgehaltene trotz Androhung des Schusswaffengebrauchs zu fliehen versucht.

Diese Vorschläge entstammen einem Buch mit dem Titel Der Reibert. Handbuch für den deutschen Soldaten. Heer, Marine, Luftwaffe (Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch: Der Klappspaten, Bd. 1), einem absoluten Lieblingsbuch. Wir entdeckten es vor ein paar Jahren zufällig in einer Berliner Buchhandlung, blätterten ein bisschen und erwarben es umgehend. Seitdem lesen wir jeden Tag darin. Auf dem Umschlag erklärt uns die Österreichische Militärische Zeitschrift, warum dieses Handbuch so ideal ist:

„Der Reibert ist bereits seit 1929 (mit Unterbrechung von 1946 bis 1958) das jährlich neu erarbeitete Handbuch des deutschen Soldaten. Die handliche Form ist als ideale und anerkannte Ausbildungshilfe zu bezeichnen. Insgesamt ein ideales Handbuch für alle Zwecke der Ausbildung sowie für Reservisten der deutschen Bundeswehr.“

Da wir weder eine Ausbildung bei der Bundeswehr absolviert haben noch den Reservistinnen-Status anstreben, können wir präziser und mit einem Wort benennen, was dieses Buch für uns bedeutet: Realsatire.
Das ist sicher nicht sehr nett gegenüber dem deutschen Soldaten – aber wir können wirklich nichts dafür. Man kann es nicht oft genug sagen: Es ist eine der letzten gesetzlich geregelten himmelschreienden sexistischen Ungerechtigkeiten, dass Männer einen Dienst für das Vaterland leisten müssen und Frauen nicht. Darüber hinaus war Frauen in der Bundesrepublik bis zum Jahr 2000 die militärische Laufbahn ganz und gar verwehrt. Und jetzt ist es zu spät für uns.
Anstatt alles über das Entfalten und Einsickern des Schützenrudels, die Pirschhaltung oder das Überwinden von Hindernissen bei eingeschränkter Sicht nachzulesen, hätten wir das nämlich auch gerne mal in der Praxis erprobt. So müssen wir zu Hause in der Wohnung umherwandern, um die korrekte Ausführung des Grüßens im Gehen zu üben:

– Der Gruß beginnt 3 Schritte vor dem zu Grüßenden und endet, wenn dieser ihn erwidert hat oder unmittelbar nach dem Vorbeigehen.
– Während des Grußes ist der normale Schritt beizubehalten.
– Der linke Arm wird mit natürlich geöffneter Hand zwanglos weiter bewegt.

„Zwanglos“, „normal“, „natürlich“… Reibert, wir lieben dich! Das wollten wir doch mal gesagt haben. – Sie denken jetzt darüber nach, diese Seite zu verlassen? Überlegen Sie sich das gut: BEI FLUCHTVERSUCH SCHIESSE ICH!

Kurzkritik

Donnerstag, 9. August 2007

Blog als Buch funktioniert gut, auch wenn das Blog viel verlinkt und zum Teil von den Kommentaren lebt, Fernsehen als Buch funktioniert eher nicht. Das Riesenmaschine-Buch ist also empfehlenswert, das Ehrensenf-Buch nicht so. Fehlt einfach die Moderation.

One of the most difficult languages to speak well

Mittwoch, 8. August 2007

If the English language made any sense, a catastrophe would be an apostrophe with fur.
Doug Larson

„Wo in den anderen Büros die Familienfotos und die Blumentöpfe stehen, hat sie einen schmalen Papierstreifen angebracht. Darauf steht: THE CUSTARD APPLE IS THE FRUIT OF THE SWEET-SOP. Er heißt nicht mehr als DIE FLASCHENBAUMFRUCHT IST DIE FRUCHT DES FLASCHENBAUMS, aber sie versteht ihn nicht. Denn CUSTARD auf dem Schild, das sie zweimal sieht an jedem Arbeitstag auf dem UBahnhof Times Square, es hat mit Flaschenbäumen nichts zu schaffen, custard ist Eierpudding. Allerdings sind die Früchte des amerikanischen Flaschenbaums geformt wie ein Ei. Der Eierschnee jedoch hat seinen Namen von einem französischen Wort für Pastete. Der Flaschenbaum, so genannt wegen seiner Stammbildung, heißt allerdings der Süße Eingeweichte, sweet-sop, und ein anderes Wort für seine Frucht ist sugar apple, der Zuckerapfel. Sie begreift nicht, was diese Worte von einander wissen, und der leichte abkippende Schwindel beim Anblick dieses Satzes warnt sie vor der Einbildung, sie könnte jemals auf der englischen Seite der Sprache leben.“

Uwe Johnson, Jahrestage

Wie krank ist das eigentlich…

Dienstag, 7. August 2007

…wenn man beim Lesen in einem Briefwechsel, einem gebundenen Buch wohlgemerkt, in dem die Briefpartnerinnen einzelne Wörter zwecks Betonung unterstrichen haben, das fortwährende und unstillbare Bedürfnis verspürt, da DRAUFZUKLICKEN…

In Staub mit allen Feinden Dänemarks!

Montag, 6. August 2007


Dänischer Soldat, ca. 1864

Text oder Bild

Samstag, 4. August 2007

London, 1862. Zwei Männer unterhalten sich über die Unterschiede zwischen Text und Fotografie. Dokumentarisch sei die Fotografie, sagt der eine, sie bringe bleibende Bilder vom Leben hervor, während das Leben selbst vergeht. Bücher seien doch auch beständig, wendet der andere ein. Aber Fotografien, argumentiert der Erste, reichten über die Wörter hinaus und über die Münder, die die Wörter aussprechen. Sie wirkten über Sprachgrenzen hinweg und auch über Epochengrenzen. Sie seien zeitlos. Unsinn, entgegnet der andere, die Fotografie sei viel zeitgebundener als Text: „Zeigen Sie Ihrem Enkel Fotografien, die heute modern sind, und er wird sie kurios finden. Er wird über die Wachsspitzen an Ihrem Schnurrbart lachen. Wörter hingegen verführen uns im Dunkeln, unser Geist stattet sie nach seinen eigenen Moden aus.“
Die Diskussion endet damit, dass der Befürworter der Sprache sich der Unterstützung eines Dritten versichert und sich so den Sieg sichert. Er muss aus beruflichen Gründen für das geschriebene Wort argumentieren, er steckt nämlich schon seit Jahren seine Schaffenskraft in eine riesige Bibliografie, ein Verzeichnis aller Schriften auf seinem Gebiet. Und er ist nicht gewillt, diese neumodischen Daguerrotypien auch noch mit aufzunehmen.
Die Herren, das sollte man vielleicht noch hinzufügen, unterhalten sich über Pornografie. Das Werk des Bibliografen trägt den Titel Index Librorum Prohibitorum: being Notes Bio- Biblio- Icono- graphical and Critical, on Curious and Uncommon Books. Seine Auffassung ist inzwischen überholt – hundertfünfzig Jahre später lebt die Pornografie von Bildern, vor allem von bewegten. Aber für andere Gebiete, für die Bloggerei zum Beispiel, ist die Diskussion durchaus noch relevant.

(Sarah Walters, Fingersmith, London 2002, p. 245)

Limerick (24)

Freitag, 3. August 2007

There was a young woman named Bright
whose speed was much faster than light.
She set out one day
in a relative way
and returned on the previous night.