Lieber unbekannter Googler

ob Sie einen Brief schreiben sollen, um Ihre Frau zurück zu gewinnen, wollten Sie gestern von uns wissen. Wir halten das für eine gute Idee. Die Macht der Worte entfaltet sich schriftlich doch sehr viel erfolgversprechender als mündlich – Briefe stottern nicht rum, werden nicht rot und vergessen nicht, was sie sagen wollten. Freundlicherweise haben wir Ihnen schon mal einen Entwurf verfertigt, Sie müssen nur noch das Nichtzutreffende streichen.

Liebe Brigitte / Gabriele / Babsi,
nach reiflicher Überlegung / nachdem ich gestern eine Münze geworfen habe / nach Konsultation einiger anerkannter Expertinnen im Internet bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass auch ich einen großen / einen riesengroßen und sehr idiotischen / einen kleinen Fehler gemacht habe. Ich hatte dir ja schon gesagt, dass ich es saublöd / extremst beknackt / nicht besonders toll von dir fand, wie du dich neulich bei Aggis und Mannis Hochzeitsfeier / beim Besuch von Tante Lisbeth / beim Aldi sehr blamiert / zum Affen gemacht / etwas verkehrt benommen hast. Und jetzt wollte ich noch sagen, dass meine Reaktion auf die diesbezüglichen mitleidigen Blicke / fiesen Kommentare / Erpresserbriefe vielleicht doch total daneben / ein bisschen überzogen / nicht ganz angebracht war. Anstatt mit der Hochzeitstorte zu werfen / dir den Kinnhaken zu verpassen / mit dem Schaufelbagger zu der Amokfahrt aufzubrechen, hätte ich doch eher meinen Rechtsanwalt aufsuchen / zum Fußball gehen / das Gespräch mit dir suchen sollen. Es tut mir unendlich / unbeschreiblich / tatsächlich Leid. Es ist alles / fast alles / auch ein bisschen meine Schuld. Bitte überlege dir noch einmal, ob du nicht doch zurückkommen willst / bitte erwäge doch, wieder bei mir einzuziehen, es wäre auch billiger / bitte komm zurück. Ich liebe / mag / brauche nur dich.

So, das sollte genügen. Nicht einfach ausdrucken, sondern mit der Hand abschreiben und Unterschrift nicht vergessen. Nichts zu danken. Masel tov.

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