Archiv Oktober 2007

Limerick (32)

Mittwoch, 31. Oktober 2007

A cat in despondency sighed
and resolved to commit suicide.
She passed under the wheels
of eight automobiles
and after the ninth one she died.

Auf dem Weg zur Abstraktion

Dienstag, 30. Oktober 2007

Lechts oder Rinks?

Sonntag, 28. Oktober 2007

Aus der Abteilung „Literatur, nacherlebt“: Erinnern Sie sich an Otfried Preußlers Krabat? Mal abgesehen davon, dass das ein sehr gutes Jugendbuch ist, gibt es darin eine Willenstrainings- Szene, in der sich Krabat mental auf den Zweikampf mit dem Meister vorbereitet. Um in der Lage zu sein, sich dessen Willen zu widersetzen, muss er üben, genau das Gegenteil von dem zu tun, was ihm jemand befiehlt, in diesem Fall sein Freund Juro. Die Szene geht so:

Juro deutete auf den Kerzenleuchter, der zwischen ihnen stand. „Nimm ihn“, gebot er, „und rücke ihn näher zu dir heran!“ Krabat streckte die Hand nach dem Leuchter aus, in der festen Absicht, ihn von sich wegzuschieben, auf Juro zu – doch da stieß er auf Widerstand. Eine Kraft, die der Kraft seines eigenen Willens entgegenwirkte, griff nach ihm aus, und er war einen Augenblick wie gelähmt davon. Dann entbrannte ein stummer Zweikampf. Hier Juros Befehl – und da Krabat, der sich ihm widersetzen wollte, auf Biegen und Brechen. Noch war er entschlossen, den Leuchter wegzuschieben. „Weg von mir!“ dachte er. „Weg damit, weg damit!“ Doch er merkte, wie Juros Wille allmählich von seinem Willen Besitz ergriff, wie er ihn langsam auslöschte. „Wie du – befiehlst“, hörte Krabat sich schließlich sagen. Dann zog er den Leuchter gehorsam zu sich heran. Wie ausgehöhlt kam er sich vor. Wenn ihm jemand gesagt hätte, dass er jetzt tot sei, er hätte es ihm geglaubt.

So ähnlich funktioniert die kreiselnde Figur da oben. Können Sie willentlich und nach Belieben die Drehrichtung wechseln? Wenn ja, sind Sie gut vorbereitet auf den Kampf mit dem Teufel.

[Quelle und Erklärung]

Hrbsttg

Freitag, 26. Oktober 2007

Für Frau Isabo, die sich bitterlich beklagt hat, dieses Gedicht in diesem Herbst noch in keinem Blog gelesen zu haben.

Mein Gott, jetzt reichts. Der Sommer war beschissen.
Bald stellen wir die Uhren auf Winterzeit,
und die fiesen Herbststürme künden erneut vom Klimawandel.
Die letzten Eicheln und Kastanien fallen uns auf die Köpfe;
zwei oder drei Sonnentage wird es vielleicht noch geben, sogar in Hamburg.
Das Obst ist längst vor Nässe auf dem Baum verfault,
und die Weinlese hat dieses Jahr schon im August begonnen.
Die Obdachlosen leiden am meisten unter der frühen Kälte.
Jetzt noch jemanden zu finden zum Doppelkopfspielen an langen Winterabenden – aussichtslos.
Bleibt also nichts als ziellos im Internetz zu surfen
und ab und zu shoppen zu gehen
oder spazieren, wenn die Blätter treiben (scheiß Laubbläser).

Man ist gerne Geistermann

Donnerstag, 25. Oktober 2007

germanisten
nistenmager
manistgerne
nistgermane
sagterminne
meintersang
sternmagien
stangenreim
rastimengen
arminsegnet
amensingter
geistermann
samegerinnt
imargennest
nagermisten
greinenmast
grastmeinen
magernstein

Kurt Mautz

Busfahren in Hamburg (6)

Dienstag, 23. Oktober 2007

Neben großen Schiffen, der Alster und solchen Sachen gibt es noch etwas, was Hamburg hat und Berlin nicht: den Doppelschlenki. Ein Doppelschlenki ist ein Bus mit zwei Ziehharmonikagelenken – sehr lang und deshalb gut geeignet zur Illustration einer eisernen Regel des Busfahrens, die zugegebenermaßen auch außerhalb Hamburgs gilt. Wir alle sollten sie auswendig lernen, für den Fall, dass wir einmal sehr alt werden: Je klappriger auf den Beinen wir sind, desto weitere Wege legen wir im schwankenden Bus zurück.
Das geht so: Besagten Doppelschlenki betreten wir durch die hintere Tür. Wir warten ab, bis der Fahrer abgewartet hat, ob wir uns setzen wollen. Wollen wir nicht, jedenfalls nicht da hinten. Sobald der Bus anrollt, beginnt unsere schlingernde Reise. Unser Ziel ist der vorderste Sitz, direkt hinter dem Fahrer. Wegen der Gehhilfe in der einen und der Einkaufstasche in der anderen Hand können wir uns nur unzureichend festhalten. Macht aber nichts. Helfende Hände schließen sich rechts und links um unsere Oberarme, gelegentlich kippen wir fremden Leuten auf den Schoß. Unbeirrt setzen wir unsere trunkene Wanderung fort, taumeln vorbei an Kinderwagen, stolpern über kleine Hunde, immer knapp am Rand des Niedergangs, bis wir unser Ziel erreicht haben. Besetzt. Macht aber nichts. Die meisten Leute sind doch nach wie vor auffallend höflich und geben ihren Sitzplatz anstandslos für uns auf. Ist ja auch nur noch für eine halbe Station.
Das wollen wir uns gut merken und später genauso machen.

Busfahren in Hamburg - die früheren Folgen

Apropos Stein

Montag, 22. Oktober 2007

Paris was a woman, das wissen wir. Und wer kennt nicht den größten Teil des berühmten Gedichts A ROSE IS A ROSE IS (das Nähere regelt die Gewerkschaft Gartenbau in Kassel, im Verein mit der Gelehrtenrepublik). Die letzte Zeile lautet aber: She is my rose, und das macht das Ganze doch sehr viel weniger selbstreferenziell.
Gertrude Stein war die erste, die Picasso Bilder abkaufte, als noch niemand anders sie haben wollte. Sie behauptete, die Familie Stein sei zwischen 1906 und 1909 Alleinbesitzerin von Picassos Werken gewesen. Zwanzig Jahre später kam ihr das zugute, als niemand ihre eigenen Werke drucken wollte und sie sich mit dem Verkauf von (inzwischen sehr gefragten) Picassos über Wasser halten konnte.
Stein und Picasso waren mehr als vier Jahrzehnte lang befreundet. In achtzig oder neunzig Sitzungen malte er ihr Porträt, in dem keiner ihrer Freunde auch nur die geringste Ähnlichkeit entdecken konnte. Was macht das schon, sagte da Picasso, irgendwann wird es ihr gelingen auszusehen wie auf dem Bild.
Zusammen mit Alice B. Toklas fuhr Gertrude Stein in einem alten Ford namens Godiva umher, in Paris und auch auf dem Land. Die Besatzungszeit verbrachten sie in ihrem Sommerhaus in Südfrankreich, Amerikanerinnen zwar, aber auch Jüdinnen. Berühmte letzte Worte: Wie lautet die Antwort, fragte Gertrude Stein, und als keine kam: In dem Fall – wie lautet die Frage?
Hätten wir eine Katze, sie hieße Toklas.