Letzte Grüße
Samstag, 6. Oktober 2007Was die Elterngeneration empfiehlt, das genau machen wir gerade nicht – blöd, aber so sind wir. Aus diesem Grund begann die Geschichte unserer Kempowski-Rezeption erst Anfang dieses Jahres. Nicht mit Tadellöser & Wolff oder Uns geht’s ja noch gold, beides jahrelang beharrlich gemieden, sondern mit den Tagebüchern und dem letzten Band Echolot; letzteren mit größter Bewunderung. In den Tagebüchern inszeniert sich Walter Kempowski in einer Mischung aus Eitelkeit und Selbstironie, die uns gut gefällt. Er jammert darin ziemlich viel über die Literaturwissenschaft, die ihn missachtet, die Literaturkritik, die ihn ausschließlich als Unterhaltungsschriftsteller wahrnimmt, und die Leser, die nicht genügend seiner Bücher kaufen (oder wenn, dann nur die Taschenbuchausgaben, an denen er weniger verdient), immer dieselben Fragen stellen, die Bücher nicht wirklich gelesen haben und so weiter.
Weil wir den Eindruck hatten, dem sind seine Leser nicht egal, aus Scham, diese Literatur aus niederen Beweggründen bislang links liegen gelassen zu haben, und weil seine Krankheit schon bekannt war, schrieben wir ihm, ganz entgegen sonstigen Gepflogenheiten, einen Leserinnenbrief, u.a. mit dieser Besprechung und guten Wünschen. Das war im April, bevor das deutsche Feuilleton das Subgenre Reportage über Abschiedsbesuch bei Walter Kempowski erfand.

wirkmächtig ist das Wort, das man schwer entziffern kann
Andere haben da viel unmittelbarere Erfahrungen, zum Beispiel Frau Sopran.