Letzte Grüße
Was die Elterngeneration empfiehlt, das genau machen wir gerade nicht – blöd, aber so sind wir. Aus diesem Grund begann die Geschichte unserer Kempowski-Rezeption erst Anfang dieses Jahres. Nicht mit Tadellöser & Wolff oder Uns geht’s ja noch gold, beides jahrelang beharrlich gemieden, sondern mit den Tagebüchern und dem letzten Band Echolot; letzteren mit größter Bewunderung. In den Tagebüchern inszeniert sich Walter Kempowski in einer Mischung aus Eitelkeit und Selbstironie, die uns gut gefällt. Er jammert darin ziemlich viel über die Literaturwissenschaft, die ihn missachtet, die Literaturkritik, die ihn ausschließlich als Unterhaltungsschriftsteller wahrnimmt, und die Leser, die nicht genügend seiner Bücher kaufen (oder wenn, dann nur die Taschenbuchausgaben, an denen er weniger verdient), immer dieselben Fragen stellen, die Bücher nicht wirklich gelesen haben und so weiter.
Weil wir den Eindruck hatten, dem sind seine Leser nicht egal, aus Scham, diese Literatur aus niederen Beweggründen bislang links liegen gelassen zu haben, und weil seine Krankheit schon bekannt war, schrieben wir ihm, ganz entgegen sonstigen Gepflogenheiten, einen Leserinnenbrief, u.a. mit dieser Besprechung und guten Wünschen. Das war im April, bevor das deutsche Feuilleton das Subgenre Reportage über Abschiedsbesuch bei Walter Kempowski erfand.

wirkmächtig ist das Wort, das man schwer entziffern kann
Andere haben da viel unmittelbarere Erfahrungen, zum Beispiel Frau Sopran.
Danke für das “Subgenre…”. Sie haben da eine schöne freundliche Würdigung geschrieben. Die “Chronik” ist ein Meisterwerk. Ich habe letzte Nacht meine Briefe von Kempowski gesucht, empfangen mit 14, 1982. Leider nicht gefunden. Heute Nacht werde ich weitersuchen.
Sonntag, 7. Oktober 2007, 21:53 Uhr von sopranTun Sie das. Wenn Sie sie gefunden haben, können wir gemeinsam dem Subgenre “Bloggen über Kempowski-Briefe” frönen. Oder auch dem Subgenre “Mercier schmähen”.
Montag, 8. Oktober 2007, 6:23 Uhr von Nic[…] 1. Zuerst schlage ich das Interview mit Kempowski auf. Gestern las ich in einem Blog von dem “Subgenre Reportage über Abschiedsbesuch bei Walter Kempowski“. Ich finde Kempowski ganz normal. Er war ein nörgeliger Mensch, und das mit Recht. Ewig eingeschnappt, und das mit Recht. Grass und Walser schimpft er “die letzten Nieten”, und das. Die Fragen von Nahuel Lopez sind doof. Im Herbst 2006 haben Sie die Diagnose Darmkrebs bekommen. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen? … Es hat mich eigentlich nicht schockiert. … Haben Sie sich gleich mit ihrer Krankheit abgefunden? Ja, das müssen Sie ja nun mal. Lehnt man sich nicht im ersten Moment dagegen auf? Nein, das können Sie mir glauben. Das war so, und das habe ich so akzeptiert. Punkt. […]
Samstag, 16. Februar 2008, 21:27 Uhr von Sopran » Blog Archiv » FAS I - Sendung mit der Maus für Erwachsene