Archiv Freitag, 2. November 2007

Wanderlust

Freitag, 2. November 2007

Draußen schlurft die Doppelgängerin von Patricia Highsmith vorbei, Kinder kommen mit ernsten Mienen von ihrer täglichen Arbeit im Kindergarten zurück, die nölende Nachbarin ist im Urlaub. Jugendliche rauchen emsig auf dem Spielplatz. Alles ruhig äußerlich, alles wohlgeordnet. Mit den letzten Blättern allerdings müssen Entscheidungen fallen, so will es die Behörde.
Also packen wir unseren Rucksack und ziehen für drei Monate in die niedersächsische Provinz, weil dort eine Fabrik steht, in der wir arbeiten gehen können. Tapfer tauschen wir Elbe, Hafen, Jungfernstieg gegen Rübenfelder, Dorfkinder und Orte mit Namen wie Bollersen oder Backebergs Mühle. Statt mit Webzwonull befassen wir uns mit Texten wie diesem:


Glaub mir, nicht umsonst
Ist meines Kerkers Tor geöffnet worden.
Die kleine Gunst ist mir des größern Glücks
Verkünderin. Ich irre nicht.

Da sind wir allerdings nicht so sicher.
Wenn jemand fragt, warum müssen wir sowas lesen, dann sagen wir: Weil das Gesetz es so vorschreibt. Endlich mal klare Antworten in diesem Leben.
Das Village of Os werden wir nicht vermissen, höchstens ein paar einzelne Leute darin, zum Beispiel die Doppelgängerin von Patricia Highsmith. Wir werden den Untertitel des Blogs ändern müssen in News from the cultural backwater oder Things you always wanted to know about rural Lower Saxony. Wenn hier länger als zwei Wochen nichts mehr kommt, dann schreiben Sie bitte erquickliche E-Mails. Wenn nur noch Limericks erscheinen, kommentieren Sie bitte ausgiebig und recht lustig. Im besten Fall werden Sie etwas erfahren über die Freizeitgestaltung in einem Ort, von dem aus man mit dem Fahrrad eine Stunde bis zum nächsten Bahnhof braucht. Wo andere Leute Urlaub machen, da lasst mich arbeiten.
Der Blick aus dem Fenster dort sieht so aus:


Die Laterne verlischt pünktlich um Mitternacht, und falls man nicht zufällig eine Taschenlampe bei sich trägt, sieht man auf der Straße nichts mehr. Gar nichts.