Archiv Montag, 12. November 2007

Martini

Montag, 12. November 2007

Frömmigkeit wird hierzulande weithin sichtbar kundgetan, über jeder zweiten Haustür steht so ein Spruch. Das ist so normal, dass man uns komisch anguckt, wenn wir das fotografieren. Da wir aber zumindest als halbe Touristen gelten, dürfen wir das.
Hier gibt es auch kein Halloween, pah, hier gibt es noch echtes St.-Martins-Singen. Das funktioniert, anders als anderswo, keineswegs nach dem Gierigkeits-Prinzip, sondern nach einem ausgeklügelten System, das Unkundigen bereitwillig dargelegt wird: Die zahlreichen Gemeinden haben sämtliche Straßen des Ortes gerecht unter sich aufgeteilt, so dass man nicht in die Verlegenheit kommt, mehr als einmal behelligt zu werden. Diese Regelung wurde speziell im Hinblick auf die älteren Mitbürger ersonnen, die sich somit an dem betreffenden Abend nicht zehnmal aus ihren Sesseln stemmen und zur Tür schlurfen müssen.
Außerdem singt man keinesfalls Matten matten meeren und auch nicht Sankt Maaatin Sankt Maaatin, sondern etwas anderes, Komplizierteres. Davon aber drei Strophen, auswendig. Da kann man schon mal großzügig sein mit der Schokolade.

Mein gutes Volk liebt mich zu sehr. Unmäßig,
abgöttisch sind die Zeichen seiner Freude,
So ehrt man einen Gott, nicht einen Menschen.

Das bepaddelbare Flüsschen ist inzwischen über die Ufer getreten, so viel regnet es hier. Die Enten freut’s, die Anwohner weniger. Die zweite Woche bricht an. Dreißig mal vier sind hundertzwanzig.