Martini

Frömmigkeit wird hierzulande weithin sichtbar kundgetan, über jeder zweiten Haustür steht so ein Spruch. Das ist so normal, dass man uns komisch anguckt, wenn wir das fotografieren. Da wir aber zumindest als halbe Touristen gelten, dürfen wir das.
Hier gibt es auch kein Halloween, pah, hier gibt es noch echtes St.-Martins-Singen. Das funktioniert, anders als anderswo, keineswegs nach dem Gierigkeits-Prinzip, sondern nach einem ausgeklügelten System, das Unkundigen bereitwillig dargelegt wird: Die zahlreichen Gemeinden haben sämtliche Straßen des Ortes gerecht unter sich aufgeteilt, so dass man nicht in die Verlegenheit kommt, mehr als einmal behelligt zu werden. Diese Regelung wurde speziell im Hinblick auf die älteren Mitbürger ersonnen, die sich somit an dem betreffenden Abend nicht zehnmal aus ihren Sesseln stemmen und zur Tür schlurfen müssen.
Außerdem singt man keinesfalls Matten matten meeren und auch nicht Sankt Maaatin Sankt Maaatin, sondern etwas anderes, Komplizierteres. Davon aber drei Strophen, auswendig. Da kann man schon mal großzügig sein mit der Schokolade.

Mein gutes Volk liebt mich zu sehr. Unmäßig,
abgöttisch sind die Zeichen seiner Freude,
So ehrt man einen Gott, nicht einen Menschen.

Das bepaddelbare Flüsschen ist inzwischen über die Ufer getreten, so viel regnet es hier. Die Enten freut’s, die Anwohner weniger. Die zweite Woche bricht an. Dreißig mal vier sind hundertzwanzig.


  1. Paddeln Sie denn auch? Wo ist dieses durchpaddelbare Dorf? Ich käme dann mal vorbei.

    Montag, 12. November 2007, 16:18 Uhr von sopran

  2. Südliche Lüneburger Heide.
    Nach Ihren Paddelbildern zu urteilen, ist Ihnen das Flüsschen aber nicht aufregend genug (für meine bescheidenen Paddelkünste ist es gerade richtig).
    Wenn Sie doch mal vorbeikämen, würde ich aber bereitwillig auf einer Brücke stehen und Ihnen einen Eimer Wasser über den Kopf kippen, wie es hier üblich ist. Natürlich würde ich Ihnen danach ein Handtuch reichen.

    Montag, 12. November 2007, 18:51 Uhr von Nic

  3. Soso, die feine Frau Sopran, seit Jah-ren-den lade ich die Dame nach Hamburg ein und nix is. Es geht Ihnen also nur ums Paddeln, Madame, das merk ich mir!

    Montag, 12. November 2007, 20:34 Uhr von isabo

  4. Ich glaube, die feine Frau Sopran muss mal einen Ausflug in den Norden machen. Bekäme ich denn in Hamburg auch einen Eimer Wasser über den Kopf? Ich bin äußerst wasserscheu.

    Montag, 12. November 2007, 21:03 Uhr von sopran

  5. Übern Kopf bekämen Madame ein Dach, natürlich, und Wasser fällt hier gelegentlich einfach so vom Himmel, da brauchen wir gar keine Eimer für.

    Dienstag, 13. November 2007, 1:02 Uhr von isabo

  6. Und wenn es nur ums Paddeln geht - das kann man auf Elbe und Alster auch. Vollendete Eskimorollen vor versammeltem Sonntagsspaziergangspublikum kämen sicher besonders gut.

    Dienstag, 13. November 2007, 11:52 Uhr von Nic

  7. Alsterschmalster - fließen muss es schon.

    Mittwoch, 14. November 2007, 14:14 Uhr von sopran

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