Soldaten, Wild

Die Heide ist ja nicht nur Heide, sondern auch eines der am dünnsten besiedelten Gebiete in ganz Deutschland und darum ideal für das Militär. Hier gibt es den einen oder anderen Trübpl, Truppenübungsplatz, die Bundeswehr hat einen, die NATO hat einen, und es kann passieren, dass man mitten auf der Landstraße von einem grimmigen Olivgrünen gestoppt wird, den Motor ausstellen muss und eine Viertelstunde lang zugucken darf, wie eine ganze Karawane gepanzerter Militärfahrzeuge die Straße überquert. Wildwechsel. Nee, eher Krötenwanderung, zur falschen Jahreszeit allerdings.
Vor den Geschäften stehen derzeit Soldaten in hübsch gemusterter Tarnkleidung und bitten zackig um eine Spende, „für den Frieden auf dieser Welt“. (Das erinnert uns an diesen Film, von dem wir nie wissen, wie er auf Deutsch heißt, weil wir ihn mal im Urlaub auf Französisch gesehen haben, Le Jour de la Marmotte. Worauf trinken wir? Auf den Weltfrieden.) Unseren gehegten Lissabonner Einkaufseuro kriegt ihr jedenfalls nicht, da könnt ihr noch so zackig bitten.
Apropos Wildwechsel. So richtig einheimisch darf sich hier erst nennen, wer eine selbst erlebte Geschichte von einem Unfall mit Wild erzählen kann. Eine Kollegin aus der Fabrik zum Beispiel kollidierte neulich mit einer wilden Sau und verdiente sich dadurch einen kompletten neuen Kotflügel für ihr Auto. (Wer zaghaft nach dem Schicksal des bedauernswerten Tieres fragt, outet sich hingegen als so was von überhaupt nicht einheimisch, der kann eigentlich auch gleich polnisch reden.) Die Geschichte einer anderen Kollegin wurde uns inzwischen schon dreimal erzählt, sie ist äußerst dramatisch. Der Satz „und dann musste sie aus dem Auto geschnitten werden“ spielt darin eine entscheidende Rolle.
Fehlt noch die Synthese: Schade, dass wir nicht im Panzer umherfahren, dem könnte selbst das fetteste Wildschwein nichts anhaben.

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