Wo immer du hingehst…

…da bist du dann eben.
Es ist kalt, es dämmert, die wilden Tiere versammeln sich an den Straßenrändern, um in der Nacht tollkühne Mutproben auf Landstraßen zu verüben. Das Leben ist eine Baustelle, das Skelett eines niedersächsischen Fachwerkhauses besteht aus Backsteinen, Holz, Lehm und Stroh. Mit Stroh baut heutzutage kein Mensch mehr, und der Anblick, wie es aus den durchbrochenen Fußböden herausguckt, hat etwas verblüffend Anachronistisches. Wir mögen in postmodernen Zeiten leben, aber das Gemäuer um uns herum ist allenfalls vormodern. Durch die neuen Fenster sind natürlich ganz andere Dinge zu sehen als durch die alten.
Wir befinden uns in der vierten Woche, im zweiten Akt sozusagen.

Zu Woodstock war’s und in des Towers Nacht,
Wo dich der gnäd’ge Vater dieses Landes
Zur ersten Pflicht durch Trübsal auferzog,
Dort suchte dich der Schmeichler nicht. Früh lernte,
Vom eitlen Weltgeräusche nicht zerstreut,
Dein Geist sich sammeln, denkend in sich gehen
Und dieses Lebens wahre Güter schätzen.

Zu Woodstock also, wer hätte das gedacht. Was dieses Lebens wahre Güter sind, das wissen wir allerdings nicht. Wer sich dennoch vom eitlen Weltgeräusch eines funktionierenden Unternehmens zerstreuen lässt, vom Laster schwerer Arbeit und von der Trunkenheit der guten Bezahlung, der wird womöglich feststellen, dass der Wahrheit ernste Stimme sich nur dann zu sprechen anschickt, wenn die Bauarbeiter aus dem Haus sind – in der Ruhe des Wochenendes. Der Sonntag ist komplett arbeitsfrei in dieser frommen Gegend, man besucht den Gottesdienst und macht einen Spaziergang. Sogar das Internetz schalten sie hier am Wochenende ab, allerdings aus Gründen der Stromersparnis. Der Schmeichler mag uns jetzt suchen, aber finden wird er uns nicht. Alas.

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