Gottvertrauen
Donnerstag, 8. November 2007Auch wenn man hier Gott mehr vertraut als den Menschen, man sagt doch nicht Grüß Gott, wenn man den Supermarkt betritt. Man sagt Guten Tag und wird in der Kassenschlange prompt gefragt, ob man Rückkehrerin oder Neubürgerin sei. Nach dem Studium zurückgekehrt, um die Arbeitskraft dem Heimatort zu widmen, ein Haus zu bauen und die Annehmlichkeiten des Wohlbekannten zu genießen? Nein, das nun doch nicht. Wir sind abgeordnet worden, sagen wir förmlich, in der Manier der Feuerwehr. Tatütata. Das war die falsche Antwort, denn sie passt nicht recht ins viereckige Schema Alteingesessene – Rückkehrer – Neubürger – Touristen. Fürderhin gelten wir als eine Art Arbeitstouristin und damit als Paradoxon.
Da kommt sie selbst! Den Christus in der Hand,
Die Hoffart und die Weltlust in dem Herzen.
So eingeführt, widmen wir uns vertrauensvoll unserer Aufgabe. Zum Arbeitsgerät gehören nicht nur Feder und Papier, sondern auch eine Peitsche und ein rotes Notizbuch. Es geht um Geltung, um Autorität qua Rang, das ist mal was ganz Neues.
Mäßigung! Ich habe
Ertragen, was ein Mensch ertragen kann.
Fahr hin, lammherzige Gelassenheit,
Zum Himmel fliehe, leidende Geduld,
Spreng endlich deine Bande, tritt hervor
aus deiner Höhle, langverhaltner Groll –
Das ist natürlich maßlos übertrieben, von Groll kann keine Rede sein. Höchstens von schrillem Getöse, Unbilligkeit gegenüber denen mit den leisen Stimmen und der Notwendigkeit disziplinierten Zusammenarbeitens. Mein Gott, das klingt wie… früher.
Durch den Ort fließt ein bepaddelbares Flüsschen, auf dem im Moment allerdings niemand paddelt. Zu kalt. Im Sommer stehen auf den Brücken Kinder mit Wassereimern, die sie auf die Durchreisenden entleeren. Im Moment hingegen entleert sich bloß der Himmel auf die Arbeitstouristen. Typisch Hamburg, würden wir sagen, wären wir in Hamburg. Sind wir aber nicht.