Archiv Dezember 2007

Gabriele und Babsi, bitte meldet euch!

Montag, 31. Dezember 2007

Wo zum Teufel habt ihr euch versteckt, dass die Leute in den letzten Tagen wie wild nach euch suchen?
(Hier jedenfalls nicht.)

Wortschatz erweitern

Sonntag, 30. Dezember 2007

Aus Gründen exzessiv im Duden geblättert und dabei wundersamen und absonderlichen Wörtern begegnet:

Staps
besömmern
Nagelfluh
Hetschepetsch
karjuckeln
Söldling
Speik
Zwilch
Trilobit
Affodill

Sie wollen wissen, was die bedeuten? Mein Gott, dann gucken Sie doch einfach nach.

Was nützt die Liebe in Gedanken

Freitag, 28. Dezember 2007

Dies Buch trägt die Ergüsse deiner Seele.
Mein Sohn, du bist poetisch angehaucht.
Zwar sind die Reime ohne Fehle,
doch die Gedanken sind in Finsternis getaucht.

Auch scheint es mir, da du noch jung an Jahren,
dass dein Erleben in der Liebe nur erträumt.
Ich fürcht’, du bist darin noch reichlich unerfahren.
Beeile dich. Du hast schon viel versäumt.

Ein Mädel wird sich schön bedanken,
wenn deine Glut nur aus Gedichten spricht.
Was nützt die Liebe in Gedanken?
Kommt die Gelegenheit, dann kannst du’s nicht.

Doch ist das noch kein Grund, sich zu erschießen.
Die Kugel spare dir zu anderm Zweck.
Auch mögen viele Tränen fließen –
das lohnt sich nicht für solchen Dreck.

Hilde Scheller, 1927

Zwischen den Jahren

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Ein schöner Ausdruck, zwischen den Jahren, genau wie die kleinen Stunden, the small hours. Besondere Zeit in beiden Fällen, Ausnahmezustand jenseits der chronometrischen Messbarkeit. Man zieht Bilanz zwischen den Jahren, man guckt zurück und nach vorne, man überlegt sich: Was wird vom vergangenen Jahr übrig bleiben und was wollen wir mal lieber ganz schnell vergessen? Was gab es zu betrauern, worüber lässt sich kultiviert jammern, gab es überhaupt irgendeinen Grund zur Freude?
Um das Jahr in den Griff zu bekommen, zerlegen wir es uns in handliche Kästchen und Schublädchen – und dann mal los.

Neue Leute

  • Ein paar Hamburger Blogger und mit ihnen die merkwürdige Erfahrung, jemanden gleichzeitig ganz gut und überhaupt gar nicht zu kennen.
  • Onkel Arnold – eine wertvolle Bekanntschaft, auch abseits seiner Funktion als Lieferant von Geschichten in einem Landstrich, wo sonst nichts los ist.
  • Und S.
  • Neue Orte

  • Die Heide. Wenn sie blüht sowieso, aber auch erstarrt in Winterkälte. Man müsste mal eine mehrtägige Heidewanderung machen, im Frühling vielleicht. Wer kommt mit?
  • Das Lehrerzimmer. Sehr seltsamer Ort, darüber schreibe ich demnächst mal was.
  • Todesfälle

  • Ein Onkel, dem ich nicht besonders nahe stand, der aber auf Familienfeiern jetzt trotzdem irgendwie fehlt.
  • Die Mutter der ehemals besten Schulfreundin.
  • Jede Menge Musiker dieses Jahr: Rostropowitsch, Joe Zawinul, Oscar Petersen.
  • Und noch viele andere.
  • Verschüttete Erinnerung, wieder aufgetaucht

  • M.s Mutter hat das behalten: Offensichtlich hatten M. und ich in der elften Klasse ein System zur Verbesserung der mündlichen Noten im Fache Religion. Wer sich in einer Stunde zweimal weniger meldete als die andere, musste fünfzig Pfennig in eine Kasse einbezahlen. Von dem Geld konnten wir am Ende des Halbjahres üppig essen gehen – eigentlich eine gute Idee, der Haken dabei war nur, dass fast das gesamte Geld von mir stammte. (Ich weiß jetzt, wie nervig Schüler sind, die sich nur dann beteiligen, wenn sie etwas interessiert.)
  • Wichtige Erkenntnisse

  • Bloggen und Tagebuch schreiben, das passt nicht zusammen, jedenfalls nicht bei mir – wenn ich viel blogge, schreibe ich nicht Tagebuch, wenn ich wenig Zeit zum Bloggen habe, verspüre ich abends das dringende Bedürfnis, die Ereignisse des Tages zu notieren (übrigens gehöre ich zu den Leuten, die Tagebuch in der dritten Person schreiben). Jedenfalls ist das schade, weil das zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe sind, und weil im Tagebuch Dinge stehen, die ich niemals ins Blog schreiben würde und umgekehrt. Irgendwas bleibt da immer auf der Strecke.
  • Hamburg ist nicht recht meins, und schon gar nicht dieses verfluchte Osdorf. Die Nachbarin, die in Wirklichkeit nicht Frau Müller heißt, nervt mich inzwischen so, dass ich sie nicht mal mehr komisch finden kann. (Am zweiten Weihnachtstag zum Beispiel beschwerte sie sich lautstark bei der Familie mit den beiden Kindern – über die Kinder, weil sie Kinder sind und machen, was Kinder eben so machen.)
  • Mit Arbeit so viel Geld zu verdienen, dass man davon gut leben kann, ist mal ganz was Neues.
  • Das meiste, was man so macht, ist Rollenspiel: Ich tu jetzt mal so als sei ich dies oder jenes. Wenn man das überzeugend genug rüberbringt, glaubt es jeder. Das ist okay.
  • Vorsätze für das nächste Jahr

  • Hart trainieren und diesmal die Offene Hamburger Bloggermeisterschaft im Minigolf gewinnen – der Wanderpokal ist einzigartig und eine Zierde für jede Wohnung.
  • Eine mehrtägige Heidewanderung, siehe oben.
  • Die Listen namens WIL und WIS nicht wieder vernachlässigen (was ich lese und was ich sehe, Bücher und Filme). Meiner total unvollständigen WIL-Liste von 2007 entnehme ich, dass ich im Januar Zadie Smith gelesen habe, On Beauty, und im Juni Karl Philipp Moritz, Reisen eines Deutschen in England. Die große literarische Entdeckung des Jahres, Ali Smith, taucht auf der Liste überhaupt nicht auf – da muss zukünftig mehr Sorgfalt walten. Den Preis für den besten Film 2007 gewinnt ein britischer Low-Budget-Dogma-Film namens Gypo – zufällig aus der Bibliothek entliehen, sehr beeindruckt gewesen, viel über Film gelernt.
  • Umziehen. Wenn möglich zurück nach Berlin.
  • Na ja, und alles ändern, was mir an mir nicht gefällt. Wie jedes Jahr halt.
  • FSM

    Dienstag, 25. Dezember 2007

    Weihnachten - hohe Zeit, kurz mal wieder an das Fliegende Spaghettimonster zu erinnern.
    Außerdem ist vorgestern der grandiose Jazzpianist Oscar Peterson gestorben, hier im ungewöhnlichen Trio mit Doppelbass. You look good to me.

    Wir aßen Würmer

    Montag, 24. Dezember 2007

    Der folgende Text, Verfasser unbekannt, kursierte vor ungefähr zweieinhalb Jahren im Internetz. Er hat etwas Angeberisch- Verlogenes, enthält einen kapitalen Denkfehler, und der letzte Absatz ist unerträglich pathetisch. Er ist aber gleichzeitig auch wahr genug, ihn noch einmal zu veröffentlichen.

    Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun … verschwinde! Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass du so lange überleben konntest. Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso die Flasche mit Bleichmittel. Auf dem Fahrrad trugen wir niemals einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren, und wir hatten nicht mal ein Handy dabei.
    Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne, und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer uns selbst. Keiner fragte nach Aufsichtspflicht. Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht. Wir aßen Kekse, Brot mit Butter dick, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround-Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms. Wir hatten Freunde. Wir gingen raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht zu klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur möglich?
    Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöckchen und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter, und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung. Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei!
    Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen. Und du gehörst auch dazu. Herzlichen Glückwunsch!

    Limerick (34)

    Sonntag, 23. Dezember 2007

    An exceedingly fat friend of mine,
    when asked at what hour he’d dine,
    replied: „At eleven,
    At three, five, and seven,
    And eight and a quarter past nine.”