Zwischen den Jahren

Ein schöner Ausdruck, zwischen den Jahren, genau wie die kleinen Stunden, the small hours. Besondere Zeit in beiden Fällen, Ausnahmezustand jenseits der chronometrischen Messbarkeit. Man zieht Bilanz zwischen den Jahren, man guckt zurück und nach vorne, man überlegt sich: Was wird vom vergangenen Jahr übrig bleiben und was wollen wir mal lieber ganz schnell vergessen? Was gab es zu betrauern, worüber lässt sich kultiviert jammern, gab es überhaupt irgendeinen Grund zur Freude?
Um das Jahr in den Griff zu bekommen, zerlegen wir es uns in handliche Kästchen und Schublädchen – und dann mal los.

Neue Leute

  • Ein paar Hamburger Blogger und mit ihnen die merkwürdige Erfahrung, jemanden gleichzeitig ganz gut und überhaupt gar nicht zu kennen.
  • Onkel Arnold – eine wertvolle Bekanntschaft, auch abseits seiner Funktion als Lieferant von Geschichten in einem Landstrich, wo sonst nichts los ist.
  • Und S.
  • Neue Orte

  • Die Heide. Wenn sie blüht sowieso, aber auch erstarrt in Winterkälte. Man müsste mal eine mehrtägige Heidewanderung machen, im Frühling vielleicht. Wer kommt mit?
  • Das Lehrerzimmer. Sehr seltsamer Ort, darüber schreibe ich demnächst mal was.
  • Todesfälle

  • Ein Onkel, dem ich nicht besonders nahe stand, der aber auf Familienfeiern jetzt trotzdem irgendwie fehlt.
  • Die Mutter der ehemals besten Schulfreundin.
  • Jede Menge Musiker dieses Jahr: Rostropowitsch, Joe Zawinul, Oscar Petersen.
  • Und noch viele andere.
  • Verschüttete Erinnerung, wieder aufgetaucht

  • M.s Mutter hat das behalten: Offensichtlich hatten M. und ich in der elften Klasse ein System zur Verbesserung der mündlichen Noten im Fache Religion. Wer sich in einer Stunde zweimal weniger meldete als die andere, musste fünfzig Pfennig in eine Kasse einbezahlen. Von dem Geld konnten wir am Ende des Halbjahres üppig essen gehen – eigentlich eine gute Idee, der Haken dabei war nur, dass fast das gesamte Geld von mir stammte. (Ich weiß jetzt, wie nervig Schüler sind, die sich nur dann beteiligen, wenn sie etwas interessiert.)
  • Wichtige Erkenntnisse

  • Bloggen und Tagebuch schreiben, das passt nicht zusammen, jedenfalls nicht bei mir – wenn ich viel blogge, schreibe ich nicht Tagebuch, wenn ich wenig Zeit zum Bloggen habe, verspüre ich abends das dringende Bedürfnis, die Ereignisse des Tages zu notieren (übrigens gehöre ich zu den Leuten, die Tagebuch in der dritten Person schreiben). Jedenfalls ist das schade, weil das zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe sind, und weil im Tagebuch Dinge stehen, die ich niemals ins Blog schreiben würde und umgekehrt. Irgendwas bleibt da immer auf der Strecke.
  • Hamburg ist nicht recht meins, und schon gar nicht dieses verfluchte Osdorf. Die Nachbarin, die in Wirklichkeit nicht Frau Müller heißt, nervt mich inzwischen so, dass ich sie nicht mal mehr komisch finden kann. (Am zweiten Weihnachtstag zum Beispiel beschwerte sie sich lautstark bei der Familie mit den beiden Kindern – über die Kinder, weil sie Kinder sind und machen, was Kinder eben so machen.)
  • Mit Arbeit so viel Geld zu verdienen, dass man davon gut leben kann, ist mal ganz was Neues.
  • Das meiste, was man so macht, ist Rollenspiel: Ich tu jetzt mal so als sei ich dies oder jenes. Wenn man das überzeugend genug rüberbringt, glaubt es jeder. Das ist okay.
  • Vorsätze für das nächste Jahr

  • Hart trainieren und diesmal die Offene Hamburger Bloggermeisterschaft im Minigolf gewinnen – der Wanderpokal ist einzigartig und eine Zierde für jede Wohnung.
  • Eine mehrtägige Heidewanderung, siehe oben.
  • Die Listen namens WIL und WIS nicht wieder vernachlässigen (was ich lese und was ich sehe, Bücher und Filme). Meiner total unvollständigen WIL-Liste von 2007 entnehme ich, dass ich im Januar Zadie Smith gelesen habe, On Beauty, und im Juni Karl Philipp Moritz, Reisen eines Deutschen in England. Die große literarische Entdeckung des Jahres, Ali Smith, taucht auf der Liste überhaupt nicht auf – da muss zukünftig mehr Sorgfalt walten. Den Preis für den besten Film 2007 gewinnt ein britischer Low-Budget-Dogma-Film namens Gypo – zufällig aus der Bibliothek entliehen, sehr beeindruckt gewesen, viel über Film gelernt.
  • Umziehen. Wenn möglich zurück nach Berlin.
  • Na ja, und alles ändern, was mir an mir nicht gefällt. Wie jedes Jahr halt.

    1. Nach Berlin ziehen und trotzdem die Offene Hamburger Bloggermeisterschaft im Minigolf gewinnen? Ob wir das durchgehen lassen können?

      Sonntag, 30. Dezember 2007, 12:01 Uhr von Lady Grey

    2. Aber ja: als Gast. Deshalb offene, so wie in French Open. Der OHBM-Pokal ist so attraktiv und begehrenswert, dass ich doch glatt für einen Tag nach Hamburg reisen würde, um ihn zu erringen.

      Montag, 31. Dezember 2007, 8:10 Uhr von Nicwest

    3. Na dann viel Glück! Ich mach eh wieder den letzten Platz, an mir soll’s also nicht scheitern …

      Montag, 31. Dezember 2007, 17:47 Uhr von Lady Grey

    4. Dafür kannst du besser rechnen.

      Freitag, 4. Januar 2008, 22:21 Uhr von Nicwest

    5. Nachdem ich den Titel nicht erfolgreich verteidigen konnte, werde ich jedenfalls heimlich üben.

      Sonntag, 6. Januar 2008, 1:50 Uhr von kid37

    6. Geheimtraining! Ich weiß nicht, ob das nicht womöglich ein unlauteres Mittel ist.

      Montag, 7. Januar 2008, 14:45 Uhr von Nicwest

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