Archiv 2007

Richtig eklich

Sonntag, 16. Dezember 2007

Mit Onkel Arnold schimpft man nicht

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Die Geschichte von Onkel Arnold ist, wie es scheint, eine mit Fortsetzungen. In der letzten Woche erschienen Mitglieder seiner umfangreichen Familie im Dutzend – alle auf der Suche nach ihm. Dann kamen wir auf die Idee, uns die Telefonnummern der engsten Verwandten zu besorgen, um schnell Bescheid sagen zu können, wenn er auftaucht. Als die stattliche Liste einen halben Tag lang am Flurspiegel gehangen hatte, klingelte es abends um sechs und draußen stand Onkel Arnold.
Er sah etwas verfroren aus und ein bisschen weiß um die Nase, grüßte aber freundlich wie stets und begründete seinen Besuch damit, dass er mal nach dem Fortschritt der Bauarbeiten habe schauen wollen. Also baten wir ihn herein, zeigten ihm den Fortschritt der Bauarbeiten, für den er uns, obwohl mitnichten unser Verdienst, höchstes Lob zollte, und schlugen vor, er könne sich etwas aufwärmen. Zielsicher steuerte er auf den Sessel zu, in dem er schon einmal bequem gesessen hatte, und verlangte nach einem Glas Saft: „Wenn Sie wohl ein bisschen Most für mich hätten…“ Hatten wir, diesmal auch in der richtigen Temperatur. Während Onkel Arnold am Most nippte, telefonierten wir die Liste durch, bis wir jemanden erreichten, der ihn abholen konnte. Dann ging es wieder darum, ihn bei Laune zu halten und seine Gummistiefel im Blick.
Onkel Arnold war an diesem Abend melancholisch aufgelegt, vielleicht war es auch die Erleichterung, nicht mehr draußen in der Kälte herumstapfen zu müssen, jedenfalls erzählte er von Russland und dass seine Frau sieben Jahre auf ihn gewartet habe und wie dankbar er ihr dafür sei. Und wie dankbar er uns sei, dass wir ihn aufgenommen hätten. Und wie wenig Freundlichkeit es doch heutzutage noch gebe. Und während wir hilflos zusahen, wie die Tränen ins Mostglas tropften, klingelte sein Schwiegersohn an der Tür. Der seufzte, murmelte etwas von „bald ins Heim, wenn das so weiter geht“ und machte sich daran, Onkel Arnold aus seinem Lieblingssessel loszueisen.
Leider bewies er dabei viel weniger pädagogisches Geschick als letztes Mal der Sohn und gebrauchte wohl auch harsche Worte. Jedenfalls warf Onkel Arnold flugs seine wehmütige Stimmung über Bord, verschränkte trotzig die Arme und verkündete, wenn mit ihm geschimpft werde, sei er zum Mitkommen keinesfalls bereit. Er bleibe dann eben einfach in diesem schönen Sessel sitzen, bis man wieder nett zu ihm sei. Erst als wir ihm klarmachten, dass er in diesem Fall ganz alleine hier sitzen müsse, weil wir jetzt auch dringend weg müssten, ließ er sich umstimmen. „Vielen Dank, dass Sie mich aufgenommen haben“, sagte er noch einmal zum Abschied und tappte die Treppe hinunter, während der Schwiegersohn erzählte, Onkel Arnold sei neulich mal über Nacht weggeblieben und nur deshalb nicht erfroren, weil er die ganze Zeit umhergewandert sei.
Ach, Onkel Arnold. Wir stellen schon mal den Most warm, fürs nächste Mal.

Übungsdiktate zu verkaufen

Dienstag, 11. Dezember 2007

Dieses hier zum Beispiel ist geeignet für die 6. Klasse Gymnasium. Es enthält eine Reihe von Schwierigkeiten aus den Bereichen lange Vokale, z – tz, ä – e bzw. eu – äu, chs – x – cks – ks – gs und besticht außerdem durch fantasievolle Handlung, lebensnahe Dialoge und einen aparten letzten Satz.

Zwei winzige Mäuse und zwei riesige Braunbären machten einmal zusammen eine Reise. Sie bestellten sich ein Taxi, das von einer tätowierten Eule chauffiert wurde, und fuhren damit nach Berlin. Während der Fahrt aßen sie Schokoladenkekse und machten Kleckse auf die Sitze. Das ärgerte die Eule, die wütend an den rechten Straßenrand fuhr, sich umdrehte und brüllte: „Ihr Schweine! Wenn ihr nicht sofort aufhört, mein Taxi zu beschmutzen, muss ich meine Keule aus dem Kofferraum holen!“ Kleinlaut unterbrachen die Reisenden ihr Mahl und aßen jetzt nur noch ganz vorsichtig gebratene Paprika. Zur gleichen Zeit feierten in China neun Nixen und acht Hexen Pfingsten.

102 Wörter. Na, wie wär’s? Übungsdiktate kann man doch eigentlich immer gebrauchen.

Limerick (33)

Sonntag, 9. Dezember 2007

There was an old man in Peru
who dreamed he was eating his shoe.
He woke up with a fright
in the middle of night
and found it was actually true.

Zum Fürchten

Samstag, 8. Dezember 2007

Mein Gott, da hat man mal ein paar Wochen lang das Village of Os nicht betreten, und schon treibt hier ein entsetzlicher Serienmörder sein Wesen.

Anti-Weihnachts-Stöckchen

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Stöckchen ausdenken macht viel mehr Spaß als Stöckchen beantworten, ist das schon mal jemandem aufgefallen?

1. „Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens – dass ich nicht lache.“ Belegen Sie dieses berühmte Zitat mit adäquaten Argumenten.

2. An welchen Stellen in der Bibel kommen die folgenden weihnachtlichen Figuren vor?
a) Rudolf das rotbenaste Rentier
b) der Weihnachtsmann
c) der Rauschgoldengel mit der Blockflöte

3. Es ist viel sinnvoller, sich zu Silvester Geschenke zu machen und nicht zu Weihnachten. Erörtern Sie.

4. Haben Sie auch schon einmal daran gedacht, den unablässig nadelnden Tannenbaum einfach abzufackeln und damit dem Ganzen ein Ende zu bereiten?

5. Warum beginnen Sie schon gleich während der Feiertage damit, das Absingen von ‚Oh du fröhliche’ unterm Weihnachtsbaum im nächsten Jahr zu fürchten?

6. Haben Sie schon einmal überlegt, was Ihre muslimischen Nachbarn eigentlich Weihnachten machen?

7. Sie wollen doch wohl nicht behaupten, Sie hätten keine Tante Lisbeth, die Ihnen zu Weihnachten Dinge schenkt, über deren Verwendungszweck Sie jahrelang rätseln, die sie aber trotzdem aufheben müssen, für den Fall, dass Tante Lisbeth einmal zu Besuch kommt.

8. Vorweihnachtsstress und Familienstreit, das passt zusammen wie…
a) Topf und Deckel
b) Auge und Faust
c) Zahn und Zahn bzw. Auge und Auge

9. Würden Sie nicht auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen am liebsten in Ruhe Ihre Einkäufe erledigen und ärgern sich jedes Jahr, dass ausgerechnet dann alle Geschäfte geschlossen sind?

10. Nennen Sie zum Schluss bitte noch mindestens drei Gründe, warum Weihnachten das hassenswerteste Fest im Jahr ist.

Fast alles

Montag, 3. Dezember 2007

Qualität schreibt man hier mit Kuh, und der Name Erb Heins, nicht selten in diesen Breiten, klingt wie aus einer Storm-Novelle. Was indes Freinsheimer Musikantenbuckel heißt, kommt aus einer ganz anderen Gegend und ist bloß die Entschädigung für die Mühe mit Onkel Arnold. War ja gar keine Mühe, sondern eher ein Spaßvergnügen. Noch dazu blogbar.
Woche fünf ist angebrochen, der dritte Akt steht unmittelbar bevor, der Höhepunkt, die Konfrontation, die direkte Auseinandersetzung. Leitschester ist, wie Wortschester, definitiv eine falsche Aussprache, aber egal. Wir sind abgehärtet inzwischen und kaufen fast alles.

Regierte Recht, so läget ihr vor mir
Im Staube jetzt, denn
ich bin Euer König.

Eure Königin müsste es eigentlich heißen, aber egal. Die Lords, unter anderem Leicester, sind höchst bestürzt, wir nicht so und die lieben Kinder eher gar nicht. Egal. Didaktische Reduktion, das ist das Stichwort. Was muss man behalten von dem ganzen Ding? Zickenkrieg? Zickenkrieg. Nun ja, das ist nicht gerade viel. Die Ansprüche sinken, die Leistungen werden schlechter, das Niveau ist längst nicht mehr so wie früher.
Egal. Wir kaufen fast alles.