Sturm im Wasserglas
Montag, 3. März 2008Eine Orkanin namens Emma brauste am vergangenen Wochenende übers Land, zerrte an den Zweigen der Birke auf der anderen Straßenseite und ließ die Straßenlaterne vor dem Fenster beharrlich mit dem Kopf schütteln: nein nein nein. Onkel Arnold wurde gesichtet, wie er auf seinem Fahrrad unerschrocken dem Sturm trotzte – das wäre ja gelacht, sich von dem bisschen Wind unterkriegen zu lassen, mag er sich gedacht haben. Später heulten auf der Hauptstraße minutenlang Polizeisirenen; wir wollen hoffen, das hatte mit Onkel Arnold nichts zu tun.
Emma war womöglich auch der Grund dafür, dass die Vermietersfamilie inklusive sämtlicher ununterscheidbarer Söhne erst gegen Mittag zur sonnabendlichen Hausrenovierung antrat anstatt wie sonst um halb zehn morgens. Und dass sie bis abends nichts gefunden hatte, was sich in ordentlicher Lautstärke beklopfen ließ, so dass wir lediglich dezentem Bohren und Schleifen zuhörten. Ein friedlicher Sonnabend, der uns jäh ins nachmittägliche Pädagogenkoma fallen ließ, obwohl es dafür am Wochenende ja nun wahrlich keinen Grund gibt.
Nachts beschlossen wir, das Haus ab sofort nur noch in gelber Warnweste zu verlassen, um von einer vom rechten Weg abgekommenen und unerwartet mit hoher Geschwindigkeit sich nähernden U-Bahn rechtzeitig bemerkt zu werden. Der Traum wurde uns ausgelegt als Verlangen nach einer Großstadt mit unterirdischem Verkehrssystem. Daran mag etwas Wahres sein. In der U-Bahn nämlich wäre so eine Emma allenfalls ein Sturm im Wasserglas gewesen.