Was uns der Glückskeks sagt

Das Essen von Glückskeksen zählt zu unseren liebsten Beschäftigungen, seit für einen Anlass zwei Packungen Glückskekse erworben, im Schrank vergessen und nun überraschend wiederentdeckt wurden. Laut Gesetz zur Regelung des Glückskeksessens darf pro Tag nur ein Keks verzehrt werden, weshalb sich die Spannung bis zum nächsten Keks tagtäglich ins Unermessliche steigert. Freilich ist es nicht der Keks selbst, der unser Begehren derart befeuert, sondern das ihm innewohnende Orakel, der abgründige Sinnspruch auf einem Fetzen backfesten Papiers. „Sie können Ihrem Traum begegnen“, war da vor zwei Tagen zu lesen. Das lässt uns seither keine Ruhe. Werden wir es merken, wenn wir unserem Traum begegnen? Welche Form wird unser Traum annehmen – ist er ein Mensch, eine Idee, ein Haufen Geld? Kann es auch ein Alptraum sein? Ist damit nur unsere generelle Traumbegegnungsbefähigung gemeint oder liegt es in unserer Hand, ob uns unser Traum begegnet? Wenn ja, was können wir tun, damit wir ihn treffen? Was werden wir mit unserem Traum machen, wenn wir ihm begegnen? Hallo sagen und weitergehen? Ihn ergreifen und nicht mehr loslassen? Aber wird er dann noch unser Traum sein? Fragen über Fragen. Jedoch rechnen wir fest damit, dass die Begegnung in den nächsten Tagen stattfinden wird und werden dann berichten. Derweil frönen wir weiterhin unserer täglichen Leidenschaft.

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