Archiv Mai 2008

La vie…

Freitag, 30. Mai 2008

…est une longue fleuve tranquille.
Leider stimmt das nicht, sonst wäre alles einfach.

Seltsame Frisörnamen

Mittwoch, 28. Mai 2008

Wer nach schlechten Wortspielen auf Frisörschildern sucht – hier sind noch viel mehr. (Und in Celle gibt es einen, der heißt Cuts & Maus. Übelst komisch.)

Village of Os

Montag, 26. Mai 2008

So, das wars gewesen mit uns. Wir konnten dich nie leiden, nicht einen Moment in den zwei Jahren, die wir dich, halb freiwillig nur, bewohnten. Hamburg ist ohnehin nicht unsere allerliebste Lieblingsstadt, aber anstelle eines Basislagers in Hamburg-Osdorf errichten wir jetzt doch lieber eine fragwürdige Großstadtmenschen-Existenz in einem Heidedorf. Immerhin hast du uns Stoff genug geliefert, um das Internetz über dich vollzuschreiben – oft mit zynischer Begeisterung, zugegeben.
Ein letztes Mal noch hast du dich am vergangenen Wochenende von deiner ersprießlichsten Seite gezeigt und uns ein ultimatives Treffen mit Frau Müller im Treppenhaus gewährt. Die Lüneburger Heide, rief die aus, die kenne sie gut, das sei ja eine so schöne Landschaft. Hier dagegen, im Village of Os, werde alles immer schlimmer und schlimmer. Sie wohne jetzt seit 31 Jahren hier – bewundernder Blick unsererseits – und früher habe man seine Einkäufe problemlos von mittags bis abends bei geöffneter Tür im Hausflur stehen lassen können – warum sollte das denn bloß nötig gewesen sein, denken wir erstaunt – während man ihr erst kürzlich zwei Pflanzen mit Übertöpfen von ihrem Treppenabsatz gestohlen habe – um die war es nicht schade, denken wir gehässig – und überhaupt, diese Leute. Was in diesem Haus schon ein- und ausgezogen wurde, sie selbst wohne schon seit 31 Jahren hier – das ist richtig, denken wir lehrerhaft, als wir einzogen, waren es 29 – und der nächste sei der Herr im dritten Stock rechts mit 25 Jahren – oh Gott, 25 Jahre mit Frau Müller im selben Haus, denken wir erschüttert –, und sie habe ja nichts dagegen, wenn man mal Musik höre, aber was die Leute im ersten Stock sich im Moment leisteten – oh nein, nicht das schon wieder, denken wir gereizt – das gehe ja gar nicht, auch den kleinsten Kindern könne man Benehmen beibringen, das wisse sie aus eigener Erfahrung, und irgendwann müssten sie ja sowieso lernen, dass sie nicht einfach so rumschreien könnten. Und dann hätten da ja mal diese Türken (Türken!) gewohnt, die immer so komischen Kaffee getrunken hätten – Kaffee türkisch, das wärs jetzt, denken wir zerstreut, heiß, stark und schön süß, obschon wir gar keinen süßen Kaffee mögen – und mit dem Kaffeesatz immer durchs gesamte Treppenhaus zur Mülltonne, tropf tropf tropf, nein, es war furchtbar – furchtbar, pflichten wir mitfühlend bei.
Das geht noch eine Weile so weiter und gipfelt in dem Fazit: Ich, Frau Müller, bin die letzte, die sich beschwert, aber was genug ist, ist genug – Genug ist nie genug heißt ein geschätztes Lied von Konstantin Wecker, denken wir unvermittelt. Wir sind zu feige, Frau Müller an dieser Stelle zu widersprechen, und begnügen uns damit, dieses Fazit mitzunehmen als letzten Gruß aus dem Village of Os. Wie froh wir sind, denken wir befreit, mit all diesem Zeug nichts mehr zu tun haben zu müssen. Dass die gesamte Existenzgrundlage dieses Blogs wegfällt, dass es zumindest umbenannt und seine Gründungsgeschichte ergänzt werden müsste – damit beschäftigen wir uns in den großen Ferien. Arbeitshypothese bis dahin: Blogs leben von den Personen, die sie befüllen, nicht so sehr von den Orten, über die sie handeln.
Beim Kistentragen hören wir im Rhythmus der Schritte auf den Treppenstufen ungebeten und quälend eindrücklich Billy Joels For the longest Time immer und immer wieder – Schachspieler kennen das Phänomen – und fragen uns, wie wir eigentlich die Textzeile …it’s more than I hoped for… interpretieren sollen.
Leb wohl, Village of Os. Auf Nimmerwiedersehen.

Reklame

Montag, 19. Mai 2008

Ganz großartig.

Sackkalt

Samstag, 17. Mai 2008

Der Vermieter, seine Frau und die drei ununterscheidbaren Söhne sind wieder zur Wochenendarbeit angetreten. Samstagsarbeit sollte man sagen, denn der Sonntag ist heilig, da wird nicht gearbeitet. Dafür isst man am Sonnabend keinen Spargel – Sonntagsessen.
Wir freilich machen das genau umgekehrt. Während wir zuhören, wie die anstellige Familie das Haus beklopft, tun wir uns an großen Mengen frischen Spargels gütlich und genießen die Vorstellung, erst morgen wieder an die Arbeit denken zu müssen.
Uneinigkeit herrscht in der Frage, ob Dauerregen im Frühling leichter zu ertragen sei als im Winter oder im Herbst. Dasselbe Grün sieht ganz anders aus, wenn die Sonne nicht scheint. Und sackkalt ist das Wort, das die Temperatur am besten beschreibt.
Nächste Woche: mutig sein.

Die Verwandten aus Amerika

Donnerstag, 15. Mai 2008

© M.B.

Schießgebiet

Montag, 12. Mai 2008

Am liebsten hätte die NATO ihren Truppenübungsplatz in der Heide zwischen Bergen und Fallingbostel ganz für sich alleine, aber leider liegt mitten darauf ein bedeutendes Kulturdenkmal: Die Sieben Steinhäuser sind fünf jungsteinzeitliche Großsteingräber, errichtet in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends vor Beginn unserer Zeitrechnung „von den Menschen der Trichterbecherkultur“, wie uns das Merkblatt mit dem Titel Archäologische Denkmalspflege im Landkreis Soltau-Fallingbostel belehrt. „Schon damals“, fährt es etwas gönnerhaft fort, „gab es begabte Baumeister“, denn es war „sicher nicht leicht, die passenden Ständer- und Decksteine zu finden, geschweige denn, sie mittels Hebeln und Rollen zu transportieren und vor Ort aufzubauen“.
In der Tat steigert der Anblick der wuchtigen Deckplatten auf den Randsteinen sofort unsere Bewunderung für die Menschen der Trichterbecherkultur, von denen wir bislang glaubten, sie beherrschten lediglich die Kunst der Trichterbecherherstellung. Weit gefehlt: Beispielsweise wurden alle Fugen zwischen den großen Steinen (schärft uns besagtes Merkblatt mit mahnendem Unterton ein) „in einer passgenauen Technik verschlossen, welche der heutige Steinmetz nicht mehr beherrscht“! Zur Diskrepanz zwischen der Anzahl der Gräber (5) und ihrer Bezeichnung (7 Steinhäuser) vermerkt es übrigens mit lapidar-plausibler Logik, die „Siebensachen“ des Volksmundes bestünden ja auch nicht aus genau sieben Gegenständen.


Wir verneigen uns in Ehrfurcht vor den Menschen der Trichterbecherkultur.

Dass der Truppenübungsplatz rund um die Sieben Steinhäuser angesiedelt ist, war lange ein heikles Thema, zum Beispiel waren noch bis vor kurzem Granateinschläge im unmittelbaren Gräberbereich zu verzeichnen – ein Unding, bedenkt man die Mühe, die die Menschen der Trichterbecherkultur mit dem Herbeischleppen der Steine hatten. Dank der guten Zusammenarbeit von Kommandantur und Landkreis hat man dieses Problem nun aber zum Wohle der Großsteingräber gelöst, indem die Soldaten sich nunmehr aufrichtig bemühen, in der Nähe der Steine keine Granaten mehr zu zünden.
Damit allerdings der Heidetourist diese Meisterwerke prähistorischer Baukunst überhaupt bewundern kann, ist Kommandant Oberst Meyer gezwungen, seinen Truppenübungsplatz zeitweise öffentlich zugänglich zu machen. Aus diesem Grund öffnet er an jedem Wochenende (und evt. an Feiertagen – Hinweise beachten!) genau eine Straße, nämlich die von Westen auf die Sieben Steinhäuser hinführende, für die zivile Öffentlichkeit. Kommt man mit dem Fahrrad aus Richtung Osten und glaubt, so eng sähen die das schon nicht, das wäre ja gelacht, wenn wir da nicht trotzdem durchkämen, dann sieht man sich jäh einem grimmigen Wachtposten gegenüber, der einem die Durchfahrt rundweg verweigert. Er wisse ja, dass das einen Umweg von 40 Kilometern bedeute, aber so sei das nun mal. So wird aus einer 40-Kilometer-Feiertags-Radtour ganz plötzlich eine Etappe von 80 Kilometern.
Egal, wir brennen ohnehin auf Bewegung an der frischen Luft und die milde Frühlingssonne schenkt uns ungeahnte Energie. Auf der Westseite des Truppenübungsplatzes anderthalb Stunden später wartet ebenfalls ein Wachtposten, der uns, nicht minder grimmig, das oben erwähnte Merkblatt überreicht, bevor er widerwillig seine Schranke für uns öffnet. Beigefügt ist ein Schreiben des Kommandanten Oberst Meyer, das uns noch einmal auf die Gefahren der Überquerung des Trübpl aufmerksam macht. „Damit Sie die Sieben Steinhäuser in guter Erinnerung behalten“, heißt es dort säbelrasselnd, „ist folgendes unbedingt zu beachten“. Folgt eine Aufzählung der Dinge, die verboten sind – die befestigte Straße zu verlassen, schneller als 50 km/h zu fahren, nicht auf die Querung gepanzerter und ungepanzerter getarnter Fahrzeuge gefasst zu sein – nebst einer achtunggebietenden Warnung: „Abseits der für die Besuchstage extra geräumten Straße ist – für Sie nicht erkennbar – mit gefährlichen Blindgängern zu rechnen, die bereits bei Annäherung oder leichten Erschütterungen explodieren können!“


Picknick nur innerhalb der Umzäunung.

Kleinlaut befolgen wir die Hinweise des Kommandanten, essen unser Picknick innerhalb der Umzäunung und somit außerhalb des Schießgebietes auf und beschweren uns nur ganz leise über die Unmengen an Mücken, die Oberst Meyer auf seinem Tuppenübungsplatz unbehelligt ihr Unwesen treiben lässt.