Archiv Mai 2008

Say ninety-nine and kiss me

Donnerstag, 1. Mai 2008

Unschön, ausgerechnet am ersten Mai zwei halbe Leben auseinanderklamüsern zu müssen. Und die Sache mit den Billy-Pinökeln geht auch schon wieder los: Bei noch keinem Umzug war es hinterher dieselbe Menge wie vorher – entweder sie vermehren sich auf wundersame Weise oder es kommen welche abhanden.
Warum wir beim Pinökelzählen zwanghaft wieder und wieder Dream a little dream of me in der Version von Cass Elliot hören müssen, darüber denken wir vielleicht später einmal nach. In dem Lied kommt ein Vers vor, den wir bis jetzt immer als „say ninety-nine and kiss me“ verstanden hatten. So ähnlich wie „say cheese and smile“, dachten wir achselzuckend, bis wir heute mal auf die Idee kamen, nach dem Text zu googeln: „say nighty-night and kiss me“. Oh.
Darauf lutschen wir ein Stück Bier – uns ist nämlich exakt das passiert. Selbe Sorte, sieht genau so aus.

Geschichte, unerzählbar

Donnerstag, 1. Mai 2008

Schon die Überschrift ist falsch. Diese Geschichte ist mitnichten unerzählbar, sie ist nur nicht fixierbar. Denn sie handelt von einer Geschichte, die an genau dem Punkt abbricht, an dem sich herausstellt, dass sie nicht aufschreibbar ist.
Erzählt wurde sie uns von einer Kollegin im Zusammenhang einer Diskussion um die Frage, ob Schüler immer unhöflicher oder immer höflicher würden. Besagte Kollegin vertrat die These, sie würden immer höflicher, gab allerdings zu, der Altersbonus könne ihre Wahrnehmung und sogar die Tatsachen beeinflussen. Als Illustration führte sie eben jene unaufschreibbare Geschichte an, die ihr widerfuhr, als sie noch jünger und die Schüler noch frecher waren. Sie geht so:
Eines Tages stand die stets mit vielen Taschen bepackte Kollegin vor der Tür des Schulgebäudes. Über dem Eingang das eiserne Bete und arbeite, hinter der Tür zwei Schülerinnen in angeregtem Gespräch. So angeregt allerdings denn nun doch nicht, dass sie die schwerbepackte Frau L. nicht bemerkt hätten. Anstatt aber herbeizuspringen, ihr die schwere Tür zu öffnen, zu sagen, guten Morgen, Frau L., aber bitte, das machen wir doch gerne – sagten und taten sie nichts. Gar nichts. Sondern redeten einfach weiter, als hätten sie überhaupt gar nicht bemerkt, dass da eine Respektsperson mit drei riesigen Taschen durch eine Tür zu gelangen versuchte. Frau L., ganz Lehrerin, sagte daraufhin zu den Schülerinnen: Also wirklich, ihr hättet mir ruhig mal die Tür aufmachen können.
Woraufhin eine der Schülerinnen etwas äußerte, was nun eben nicht aufschreibbar ist. Lautmalerisch wäre es so etwas wie bä bäh bä bä bä bäh. Aber das gibt nun leider überhaupt nicht, nicht mal ansatzweise, den Tonfall und den Sprechakt dahinter wieder. Dasselbe Problem hatte auch Frau L., als sie sich schriftlich über die beiden Schülerinnen beschweren wollte – der Satz war einfach nicht zu Papier zu bringen. So blieb die Tat unfixiert und damit ungesühnt. Tja.