Archiv Juni 2008

Nö.

Sonntag, 29. Juni 2008

Immer einen Besuch wert: die HFBK Hamburg. Ein Gebäude, das zu Ihnen spricht.

Entlassung

Freitag, 27. Juni 2008

Der Jahrgang war verhasst. Er galt als leistungsschwach, beschränkt und eingebildet. Die Kollegin, deren Chor für die musikalische Umrahmung zuständig war, dachte wochenlang über geeignete Titel nach, Hit the Road, Jack erschien ihr letztlich aber doch zu schonungslos. Also sang der Chor Jetzt ist Sommer: „Egal, ob man schwitzt oder friert – Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.“ Draußen gingen kühle Schauer nieder, im Saal zog man rasch alles aus, was die Schicklichkeit erlaubte. Fenster und Türen blieben geschlossen.
Dann kamen die Reden. Frau OStD’, Herr StD, Schulelternrat, Schülerrat, eine Goldene Abiturientin, ein Silberner Abiturient, der Abiturjahrgang selbst. Die „Abiturkinder“, als die sie in der Vorstellung von Fünftklässlern amtieren, erinnerten sich zurück an ihre Schulzeit: Die Fahrt nach Rom, die Fahrt nach Prag, die zehn Tage Saufen in Spanien nach den mündlichen Prüfungen. Der mit dem schlechtesten Abitur wurde eigens gewürdigt. Danken wollen wir: der Betreiberin des Schulkiosks, der Sekretärin, dem Hausmeister, dem Medienbeauftragten. Und den Lehrern, die geholfen haben in den Fällen, in denen es in letzter Minute knapp wurde – diejenigen, die gemeint seien, wüssten schon Bescheid. Dann spielten die Blechbläser Rule Britannia.
Der größte Teil der Kollegen verzichtete auf den Empfang, den der Schulverein im Anschluss an die Veranstaltung ausrichtete. Der andere Teil ging, nachdem der erste Hunger gestillt war. Für den Abiball am selben Abend waren im Kollegium zwei Karten verkauft worden. Die Abiturkinder werden sich fragen, was sie wohl falsch gemacht haben.

Miszellen

Freitag, 27. Juni 2008

Erkenntnis I
Abi-Streiche sind aus Lehrersicht überhaupt nicht komisch.

Aus dem Lexikon Fachsprache Pädagogik
Gewalt-Ding, das - das Anti-Gewalt-Training der fünften Klassen
Bla-Text, der - der Kommentar, den man unter Klassenarbeiten und Klausuren schreibt, um die Note zu begründen

Zur EM
Ist außer mir noch jemandem aufgefallen, dass viele Spieler und Trainer extrem häufig auf die Anzeigetafel im Stadion gucken, um zu sehen, ob sie dort gerade in Großaufnahme zu sehen sind?
Eitles Pack.
Ist noch jemandem aufgefallen, dass Frau Merkel jubelt wie ein Neugeborenes im Kinderwagen?
Das ist uneitel.

Erkenntnis II
Das Leben macht nur Scherereien.

PS
Recht auf Waffenbesitz. Dass ich nicht lache.

Richter/Henker

Montag, 23. Juni 2008

















Haben Sie Schmerzen, fragt Doktor Lutz. Immer, antwortet der alte Kommissär und bläst ihm Zigarrenrauch ins Gesicht. Draußen geht ein Gewitter nieder, es wird dunkler und dunkler, das Fernsehbild spiegelt sich in der Fensterscheibe, dahinter das Dunkelgrün der Bäume. „Alles versank hinter einer weißen Wand, so regnete es. Trams, Automobile schwammen irgendwo in diesen ungeheuren, fallenden Meeren herum. Lutz wusste nicht, wo sie waren, die triefenden Scheiben ließen keinen Durchblick mehr zu.“ Dann zieht der Kommissär langsam seinen Wintermantel aus, und als er ihn abgelegt hat, ist sein Arm mit dicken Tüchern umwickelt. Im Buch ist es der linke, in der Scheibe der rechte. Aber der Hund konnte nicht durchbeißen.

Limerick (41)

Sonntag, 22. Juni 2008

There once was a man from the sticks
Who liked to compose limericks.
But he failed at the sport,
For he wrote ’em too short.

Wohlauf

Donnerstag, 19. Juni 2008

Fidel Castro ist heute in der Zeitung zu sehen, etwas mager im Vergleich zum Herrn Chávez. Letzterer sagte nach dem Treffen: „Fidel ist lebendig und wohlauf, denkt, schreibt und diktiert wichtige Strategien für Kuba und unser Lateinamerika“.
Das können wir von uns auch behaupten: Uns geht es gut, wir denken, schreiben und diktieren wichtige Strategien für unser Heidedorf und die ganze Welt.

Nachrichten aus der Anstalt

Freitag, 13. Juni 2008

Das wäre vielleicht ein guter neuer Blog-Untertitel, wir werden darüber nachdenken.
Ein Vorteil der Anstalt, zum Beispiel im Vergleich zur Universität, zum Kindergarten oder zur Zuckerrübenfabrik, besteht darin, dass niemand in die Gefahr geraten muss zu glauben, alle anderen Fachrichtungen außer der eigenen seien unwichtig. Solche Gesinnungen gibt es natürlich – zu behaupten, sie würden meistens von den Mathematikern vertreten, wäre aber üble Nachrede. Jedoch genügen ein paar Gespräche mit Kollegen, um einen das Staunen zu lehren über Mannigfaltigkeit und Möglichkeiten der anderen Disziplinen.
So lernten wir gleich zu Beginn, dass die beharrlich kieloben treibenden Fische im hauseigenen Aquarium keineswegs ihrem nahen Ende entgegensehen, sondern lediglich die Wasserpflanzen von unten abgrasen. Wir standen ehrfurchtsvoll vor dem nagelneuen Weltpendel, dessen Sinn und Funktionsweise sich uns noch nicht vollständig erschlossen hat. Nie im Leben wären wir auf die Idee gekommen, dass ein privates Chamäleon, soll es für biologische Versuche zweckentfremdet werden, die Nacht vorher im Experimentierzimmer schlafen muss, um sich zu akklimatisieren. Auch über die Essgewohnheiten von Mehlwürmern wissen wir jetzt Bescheid („Hat jemand heute zufällig ein paar alte Knäckebrote mit? Na egal, dann müssen die Mehlwürmer eben so übers Wochenende kommen“). Dass man musikalischen Liebreiz beschreiben kann mit den prägnanten Worten „in dem Lied singen viele Menschen“ – das hätten wir uns nicht träumen lassen. Ebensowenig, dass man in Weitsprunggruben auf dem Sportplatz nach jungen Kaninchen buddeln kann. Im Gegenzug staunen die Kollegen über unsere lebenden Bilder, ein probates und ganz gewöhnliches Mittel, um Szenen aus Romanen oder Theaterstücken zu verdeutlichen.
In der Kategorie Aparte Lehrmethoden allerdings schneiden die lebenden Bilder deutlich schlechter ab als die physikalische Disziplin Nudelbrückenbauen. Die entsprechenden Kollegen behaupten, es sei möglich, eine Makkaronibrücke zu konstruieren, die sage und schreibe einunddreißig Kilo trägt.
Das glauben wir erst, wenn wir es mit eigenen Augen sehen.