Nachrichten aus der Anstalt
Freitag, 13. Juni 2008Das wäre vielleicht ein guter neuer Blog-Untertitel, wir werden darüber nachdenken.
Ein Vorteil der Anstalt, zum Beispiel im Vergleich zur Universität, zum Kindergarten oder zur Zuckerrübenfabrik, besteht darin, dass niemand in die Gefahr geraten muss zu glauben, alle anderen Fachrichtungen außer der eigenen seien unwichtig. Solche Gesinnungen gibt es natürlich – zu behaupten, sie würden meistens von den Mathematikern vertreten, wäre aber üble Nachrede. Jedoch genügen ein paar Gespräche mit Kollegen, um einen das Staunen zu lehren über Mannigfaltigkeit und Möglichkeiten der anderen Disziplinen.
So lernten wir gleich zu Beginn, dass die beharrlich kieloben treibenden Fische im hauseigenen Aquarium keineswegs ihrem nahen Ende entgegensehen, sondern lediglich die Wasserpflanzen von unten abgrasen. Wir standen ehrfurchtsvoll vor dem nagelneuen Weltpendel, dessen Sinn und Funktionsweise sich uns noch nicht vollständig erschlossen hat. Nie im Leben wären wir auf die Idee gekommen, dass ein privates Chamäleon, soll es für biologische Versuche zweckentfremdet werden, die Nacht vorher im Experimentierzimmer schlafen muss, um sich zu akklimatisieren. Auch über die Essgewohnheiten von Mehlwürmern wissen wir jetzt Bescheid („Hat jemand heute zufällig ein paar alte Knäckebrote mit? Na egal, dann müssen die Mehlwürmer eben so übers Wochenende kommen“). Dass man musikalischen Liebreiz beschreiben kann mit den prägnanten Worten „in dem Lied singen viele Menschen“ – das hätten wir uns nicht träumen lassen. Ebensowenig, dass man in Weitsprunggruben auf dem Sportplatz nach jungen Kaninchen buddeln kann. Im Gegenzug staunen die Kollegen über unsere lebenden Bilder, ein probates und ganz gewöhnliches Mittel, um Szenen aus Romanen oder Theaterstücken zu verdeutlichen.
In der Kategorie Aparte Lehrmethoden allerdings schneiden die lebenden Bilder deutlich schlechter ab als die physikalische Disziplin Nudelbrückenbauen. Die entsprechenden Kollegen behaupten, es sei möglich, eine Makkaronibrücke zu konstruieren, die sage und schreibe einunddreißig Kilo trägt.
Das glauben wir erst, wenn wir es mit eigenen Augen sehen.