Archiv September 2008

Listen

Freitag, 26. September 2008

Listen sind wie Ausrufezeichen und Fragezeichen hintereinander – endgültig und erweiterbar zugleich. Sollten wir jemals einen Roman schreiben, es käme eine dreiseitige Liste darin vor, die Liste für einen Einkauf zum Beispiel oder eine Inventarliste der Gegenstände im Keller oder eine Liste der Tage, an denen die Hauptfigur mindestens drei Minuten lang glücklich war. Listen sind praktisch, weil sie die Welt handlich sortieren, was nicht auf der Liste steht, existiert nicht. Je nach Organisationskriterium der Liste erscheint das Leben so oder anders, immer aber ergötzlich, Schott und Ankowitsch wissen das auch.
Heute bekamen wir eine kostenlose Liste auf einer Papiertüte, in der die Buchhändlerin ein Buch verpackte. Hier ist sie:

1: Baumwolle
5: Holz
5 ohne Kind: Ochsen
10: Holz (Norddtschl.)
10: Rosen
12,5: Petersilie
15: Glas
20: Porzellan
25: Silber
30: Perlen
35: Leinwand
40: Rubin
50: Gold
60: Diamant
65: Eisen

Dazu fällt uns sofort der folgende Dialog ein:

- I’m going to surprise her. It’s our anniversary. She’s forgotten, of course. What’s the symbol of your first anniversary? I should get something. Is it cotton or paper?
- Your first anniversary? I thought you two’d been married for donkey’s years.
- We’ve been friends for donkey’s years. Best friends. She was always crying on my shoulder about somebody. I finally persuaded her to settle for my shoulder. A stroke of genius. Moose, are you there?
- Yes.
- First anniversary. Is that cotton?
- Uh, is what cotton?
- First wedding anniversary.
- Your first anniversary is… paper.

Lehrerinnenhaft könnten wir jetzt fragen, aus welchem Film das stammt, tun wir aber nicht, sondern berichten lieber, dass das Buch, das wir als Geschenk für jemanden gekauft haben, so beginnt:

„Mister Mack was walking to the train station. It was a nice, sunny morning. The birds in the trees were singing their favourite songs. And the breeze that blew was full of breakfast smells – bacon, eggs, frog’s legs and cabbage.”

Auch eine sehr interessante Liste.

Limerick (43)

Mittwoch, 24. September 2008

There was a young girl from Rabat,
who had triplets, Nat, Pat and Tat.
It was fun in the breeding
but hell in the feeding,
for she found she had no tit for Tat.

Ich bin drin

Dienstag, 23. September 2008

Wiedersehen, ihr Leute aus dem Club der Internetlosen. Wir haben oftmals am Sonntagnachmittag zusammen im muffigen kleinen Lehrerzimmer gehockt, um aus unserem Heideort mit der weiten Welt in Verbindung zu treten. Jetzt bin ich weg und nach neuneinhalb Monaten - das Modem mit der Kurbel dran zählen wir mal nicht mit - wieder drin im Internetz. Zu Hause. Hurra!

Wenn nicht jetzt

Sonntag, 14. September 2008

Wann,
wann blühen, wann
wann blühen die, hühendiblüh,
huhediblu, ja sie, die Septemberrosen?

Paul Celan

Aus der Serie “Dinge, über die man ein Leben lang staunen kann”

Samstag, 13. September 2008

Heute: Sprachen, in denen man nicht doch sagen kann, zum Beispiel Englisch.
Und das Staunen ist ja der Beginn der Philosophie, wie wir wissen.

Gedenkminute

Donnerstag, 11. September 2008

Der 11. September ist für uns nie automatisch Nine-Eleven, sondern immer erstmal Tante Lisbeths Geburtstag. Lebte sie noch, sie würde heute neunundachtzig Jahre alt.
Eine Gedenkminute.

Die Kaiser von Celle

Freitag, 5. September 2008

Die Kaiser von Celle sind zwei Männer im fortgeschrittenen Alter, aber noch nicht über die Pensionsgrenze hinaus, ein paar Jährchen müssen sie noch. Der eine ist sehr dick, der andere Kettenraucher. Sie wohnen tagsüber im zweiten Stockwerk eines Gebäudes, das früher als Kaserne diente. Ihr bevorzugtes Plätzchen befindet sich im Sekretariat.
Das Sekretariat ist wie überall die zentrale Anlaufstelle für alle. Wer etwas fragen will, etwas abgeben muss, einen Termin zu vereinbaren gezwungen ist, er wendet sich an die Sekretärin. Die hat den Überblick und ist hochgeschätzt für ihre Gepflogenheit, bei Leuten anzurufen, um ihnen mitzuteilen, dass noch Unterlagen fehlen – ein Service, den zu leisten sie eigentlich nicht verpflichtet ist.
Die Kaiser von Celle hingegen, in deren Aufgabengebiet eine solche Obliegenheit durchaus fiele, sie sitzen derweil im Sekretariat an einem kleinen runden Tisch auf zwei bequemen Sesseln und trinken Kaffee. Der eine isst dazu Kekse, der andere raucht Kette. Im öffentlichen Behördenraum, was mit Sicherheit verboten ist und streng geahndet würde, beschwerte sich die Sekretärin vor Gericht. Was sie natürlich nie täte.
Das erste also, was Sie als nervöse Bittstellerin wahrnehmen, wenn Sie das Sekretariat betreten, ist der kleine runde Tisch mit den kaffeetrinkenden, kekseessenden, kettenrauchenden Kaisern von Celle, die Sie, kaum öffnen Sie die Tür, mit einem Blick bedenken, der nur eines sagt: Du störst.
Okay, denken Sie, ich habe aber ein wichtiges Anliegen. Das ist uns völlig egal, sagt der Blick aus zwei Augenpaaren. Solltest du es wagen, das Wort an uns zu richten, wir haben die Macht, dich ewig in der Hölle schmoren zu lassen, nur dass du es weißt. Na, denken Sie, aber mein Anliegen ist wirklich wichtig, es geht immerhin um meine Existenz. Nichts im Leben kann so wichtig sein wie unser Kaffee, unsere Kekse, unsere Kippe, sagen die beiden Augenpaare.
Nach einigem Zögern richten Sie dann doch das Wort an die Kaiser von Celle, immerhin geht es ja um ihre Existenz, und ernten weitere verachtende Blicke und einige gönnerhafte Worte, aus Versehen zwingen Sie einen der Kaiser zum Aufstehen und Verlassen seines Kaffeetisches, begehen damit eine Todsünde, ahnen das auch und versuchen, es durch besonders intelligente Konversation wieder gutzumachen. Nützt aber nichts.
Der Doppelblick der Kaiser von Celle ist vernichtend. Du hast uns beim Kaffeetrinken gestört, besagt er, das ist ein nicht wiedergutzumachender Frevel, für den du ewig in der Hölle schmoren wirst. Bis es soweit ist, werden wir dir das Leben so schwer wie möglich machen. Zwar bist du nicht direkt von uns abhängig, aber wir können dir doch einige Steine in den Weg legen. Falls wir nicht zu phlegmatisch sind, die zu schleppen, werden wir das natürlich tun. Vorher allerdings werden wir noch einen Keks und eine Zigarette…
Sie sind nicht direkt von den Kaisern von Celle abhängig, indirekt aber doch. Deshalb werden Sie jedes Mal, wenn Sie jenes Sekretariat betreten, höflich in Richtung Kaffeetisch grüßen müssen, Sie werden immer ein freundliches Wort für den einen oder den anderen Kaiser übrig haben müssen und Sie werden noch oft den beiden Augenpaaren begegnen, die Ihnen nur eines zu sagen haben: Du störst.