Gesamtkonferenz

Wegen Raumproblemen findet die Gesamtkonferenz in der Pausenhalle der Anstalt statt, die Pausenhalle lässt sich nicht heizen, draußen friert es.

Sehr viele Ansätze sind im Fach Politik / Wirtschaft angesiedelt. Da gibt es eine Reihe von Materialien, die unterstützend in diesem Prozess eingesetzt werden können.

Nach einer Viertelstunde frieren alle. Die Kollegen, Eltern, Schüler beginnen, ihre Jacken anzuziehen. Der Kunstkollege neben mir setzt seine warme Wollmütze auf und zeichnet die erweiterte Schulleitung, Mitglied für Mitglied.

Die Dinge, die wir dann in diesem Zusammenhang weiter verfolgen wollen, haben wir größtenteils schon umgesetzt.

Die erweiterte Schulleitung vorne kann keine Jacken anziehen, denn die sind oben in ihren Büros. Ein Kollege stellt den Antrag, die Konferenz zu vertagen und ein andermal in einem beheizbaren Raum abzuhalten, der Antrag wird abgelehnt. Eine Heizung könne nicht herbeizaubert werden, es seien wichtige Dinge zu besprechen, also bitte.

Die Eltern sind natürlich sehr stark in diesen Prozess eingebunden. Was wir noch intensiver verfolgen sollten, wäre die stärkere Europa-Ausrichtung, wobei ich selber diesen Aspekt schon durchaus gesehen habe.

Alle wussten vorher, es würde lange dauern, denn die Tagesordnung umfasst zehn Punkte, einige davon brisant. Es wird engagiert diskutiert. Die Rednerliste, die Rednerliste. Ich schreibe so schnell ich kann, um meine Finger warm zu halten: Die zentralen Konferenz-Sätze zuerst, hier wortgetreu veröffentlicht, später einen Blogbeitrag mit dem Titel: Aus der Reihe: Seltsame Orte. Das Lehrerzimmer. Die Kollegen um mich herum fragen entgeistert: Wieso schreibst du das eigentlich alles mit? Nach Ende der Konferenz finde ich meinen Text nicht gut genug, um ihn zu veröffentlichen.

Das Vorstellen eines Wunschberufes kann sehr gut in anderen Fächern angesiedelt werden. Wir haben einen Altschüler, der unserem 13. Jahrgang in einer AG das anzubieten bereit ist, was hier ‚Informierte Studienwahl’ genannt wird.

Alle leiden, aber am meisten zu bedauern ist der Kollege, der Protokoll führen muss. Nach zwei Stunden ist jeder froh, heute nicht dran zu sein mit dem Protokoll, nach drei Stunden erntet der Protokollführer mitleidige Blicke. Drei Stunden ist auch der Zeitpunkt, wo die ersten Eltern und Schülervertreter fliehen. Die Kollegen müssen ausharren, Dienstpflicht. Der Kollege Protokollant sagt nach dem Ende der Konferenz, nach vier Stunden: Ach, halb so wild.

Die Unterrichtsorganisation ist eine Aufblähung des Unterrichts. So eine Übersicht gehört zum Beispiel unbedingt hinein.

Die Abschiedsworte der Schulleitung gehen im Aufbruchsgetöse unter. So schnell hat sich noch nie eine Pausenhalle geleert. Wir gehen in die Taverne, ich bestelle eine Pizza mit vielerlei Pepperoni darauf, um möglichst schnell ins Schwitzen zu geraten. Der Musikkollege sagt, ehrlich verzweifelt: Ich möchte weinen. Unterrichtsvorbereitung findet an diesem Tag nicht statt.
Am nächsten Morgen sagen einige: Wie gut, dass es so kalt war, denn sonst hätte es noch länger gedauert. Und das meinen sie keineswegs zynisch.

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