Archiv Montag, 5. Januar 2009

Kriterien für Serien

Montag, 5. Januar 2009

Entlang wunderlicher Gesetzmäßigkeiten über Bücher schreiben, das ist mal ein nächstes großes Ding nach meinem Geschmack. Ich habe ja nun meine Richtschnüre schon gespannt, hätte da aber noch ein paar Vorschläge für andere.

1. Der erste Vorschlag stammt aus der heutigen SZ, in der ein Buch von Burkhard Müller angezeigt wird: Lufthunde. Portraits der deutschen literarischen Moderne. Müller beginne mit den Ahnherren: Wilhelm Busch, Sigmund Freud und Friedrich Nietzsche – wie aber könne man der unendlichen Herausforderung eines Nietzsche begegnen? „Der Autor“, heißt es dazu, „nahm eine lange Nadel, stach damit blindlings in die Bände dieses Werks hinein und widmete jeder der auf solche Weise wahllos erbeuteten Passagen eine Betrachtung.“ So könnte es gehen.

2. Man kann sich Büchern von außen annähern: Satzspiegel, Schriftgrad, Beschaffenheit des Papiers, Art der Seitennummerierung, Korridore. Dafür muss man sie auch gar nicht unbedingt lesen.

3. Zwecks Verknüpfung des aktuellen Buchs mit dem letzten und dem nächsten lassen sich eine ganze Reihe von Gesetzmäßigkeiten formulieren, zum Beispiel: Erster Satz, einer aus der Mitte, letzter Satz. Oder Seitenzahlenkombinationen: Jeweils der erste vollständige Satz auf Seite 18 bzw. 34 bzw. 49 – welchen Text ergibt das zusammen und was lässt sich daraus über die Wechselbeziehungen zwischen den Büchern schließen?

4. Ein weiteres Projekt wäre die Dokumentation der persönlichen Unterbrechungshistorie eines Buches: Alle Sätze notieren, nach denen man eine Pause eingelegt hat, sei es, weil man plötzlich müde war, weil man dringend noch etwas einkaufen musste oder weil es zu langweilig wurde. Was sagen diese Sätze über das Können des Autors?

5. Transmediale Verkettungen: Welche Musik wäre dieses Buch, wäre es Musik? Welches Bild? Und warum?

6. Am besten finde ich aber immer noch, sich die Bücher, die man lesen möchte, selbst zu schreiben, so wie Jean Pauls Schulmeisterlein Wuz. Vielleicht sollten wir das alle tun.