Wahre Geschichte
Mittwoch, 25. Februar 2009[für G.]
Aus gegebenem Anlass jetzt mal kurz eine Fantasiereise.
Schließen Sie die Augen, entspannen Sie sich und stellen Sie sich vor, auf Ihrem Konto geht aus heiterem Himmel ein regelmäßiger monatlicher Geldbetrag ein, den Sie nicht verdient haben. Nicht dreistellig, nicht vierstellig – fünfstellig. Sie entdecken das auf Ihrem Kontoauszug, reiben sich ungläubig die Augen und… tun was? Wenn Sie ganz verwegen sind, warten Sie bis zum nächsten Monat, sehen, dass Ihnen erneut dieselbe Summe gutgeschrieben wurde, melden sich verstört bei Ihrer Bank, erklären, es müsse sich um ein Missverständnis handeln und bitten um Aufklärung.
Nicht so die Dame in dieser wahren Geschichte. Sie fand, wenn ihr jemand Geld schenken wolle, sei es ihr gutes Recht, das auch anzunehmen. Über Monate hinweg strich sie den Betrag ein und gewöhnte sich schnell an den neuen Reichtum. Sie änderte ihren Lebensstil, kaufte teure Kleidung, aß teures Essen und machte die eine oder andere Reise, aber nicht extrem weit weg und nicht extrem lange. Sie lebte einfach auf höherem Niveau.
Es kam, wie es kommen musste, das Ganze flog auf, die Versicherung, die sich da geirrt hatte, forderte das Geld zurück, allein – es war alles ausgegeben. Die Dame musste Privatinsolvenz anmelden, ihren Lebensstil wieder zurück ändern und wird arm sein bis an ihr Lebensende. Das ist wirklich wahr.
Unbefriedigend an der Geschichte ist nur, dass die Frau nie genau sagen konnte, wofür sie das Geld nun eigentlich ausgegeben hatte. „Ich lebte eben auf höherem Niveau“, war die einzige Antwort, die man aus ihr herausbrachte. Irgendwie… schade.
Ihr neuestes Buch heißt The First Person and Other Stories und auf dem Cover ist ein Foto von William Eggleston, das ich schon einmal in einer Ausstellung gesehen habe und das sich mir unauslöschlich eingeprägt hat. Gute Voraussetzungen also.