Archiv März 2009

Kleine Anfrage

Dienstag, 24. März 2009

Ziemlich naheliegend, dass sich häufig Leute mit Anfragen bezüglich Limericks in mein Blog googeln. Der mit Abstand meistgesuchte – und ich schließe daraus: bekannteste – ist dieser:

There was a young lady from Riga
who rode with a smile on a tiger.
They returned from the ride
with the lady inside
and the smile on the face of the tiger.

Eigentlich ist der gar nicht so gut, weil sich da tiger auf tiger reimt, aber egal. Unlängst suchte jemand eine deutsche Version dieses Limericks. Da gucken Sie mal hier und suchen sich eine aus, hm?

Nibelungen

Sonntag, 22. März 2009

Geburtstagsfrühstück, alle essen Brötchen und Salat, und aus irgendeinem Grund kommt das Gespräch auf die Nibelungen. Frau L. kennt sich am besten aus im Text, sie hat das Nibelungenlied in der Grundschule vorgelesen bekommen. Nicht das mittelhochdeutsche Versepos natürlich, sondern eine Nachdichtung in Prosa. Ich habe als Kind die Version von Auguste Lechner gelesen, nicht nur einmal.
M. glaubt nicht, dass Siegfried schon einmal auf Island war, bevor er mit Gunther hinfährt, um Brunhild mit unlauteren Mitteln (Tarnkappe) zu besiegen. Mit Hilfe meines Kinderbuches lässt sich das beweisen:

Da gelüstete es Siegfried, sich die kriegerische Jungfrau anzusehen. […] Siegfried sah, wie sie den Ger schleuderte, den Stein warf und ihm leichtfüßig nachsprang. Er sah auch, wie der fremde Fürst verlor und bleichen Gesichts fortging, seinen Tod zu erwarten. Brunhild blickte Siegfried erwartungsvoll an. Ob er wohl auch gekommen war, mit ihr zu kämpfen? Sie hätte es gerne gesehen. Aber er schritt achtlos an ihr vorüber nach der Mitte des Hofes, wo der Stein noch lag, hob ihn auf und warf. Dumpf prallte der Stein an die Burgmauer. Ein vielstimmiger Aufschrei antwortete aus den Reihen der Jungfrauen und Recken um die Königin: Niemand hatte je auf Isenstein einen solchen Wurf getan! Niemand, auch die Königin nicht.

Siegfried ist offensichtlich für Brunhild bestimmt, fährt aber wieder nach Hause, um Kriemhild zu treffen und den Schwächling Gunther bei der Eroberung Brunhilds zu unterstützen. Der wird später von seiner Ehefrau gefesselt und an einem Haken an der Wand aufgehängt. Gürtel spielen eine Rolle – lauter sexuelle Anspielungen. M. findet Brunhild zu männlich, die Frauen in der Runde verteidigen sie. Sie wollte nur einen gleichberechtigten Partner, weiter nichts.
Frau L. behauptet, Dornröschen sei der Nibelungenstoff in Märchenform, wegen des Motivs der unerreichbaren Frau, zu der nur einer Zugang hat, der Ebenbürtige nämlich, die zweite Hälfte. Alle finden, im Nibelungenlied sei es schwer, sich mit jemandem zu identifizieren, weil jede Figur irgendetwas Abstoßendes an sich hat. Kriemhild kann man schon verstehen, aber diese Rache ist dann doch ein bisschen übertrieben. (Von wem wird Kriemhild eigentlich umgebracht am Schluss? Von Hildebrand, dem alten Waffenmeister Dietrich von Berns.) Hagen ist ein echtes Arschloch, Gunther ein Weichei und Siegfried kein unumstrittener Held. Ich habe mich immer mit Giselher identifiziert. So ein Netter.
Zwischendurch erzählt Frau L. – das ergibt sich irgendwie aus dem Frauenthema – dass sie ihren Sohn in seinem ersten halben Lebensjahr eher langweilig fand: Oben füllt man was rein, unten macht man sauber, die meiste Zeit hat er geschlafen, und als es dann spannend wurde (sie sagt: als er dann ein Mensch wurde), musste sie wieder arbeiten gehen. Auch später habe sie sich überqualifiziert gefühlt für Brumm-brumm-Spiele mit Eisenbahnen und Autos.
Jetzt weiß ich auch wieder, wie wir auf die Nibelungen kamen, über zweite Vornamen nämlich. Jemand heißt Rüdiger, nach dem Markgrafen Rüdiger aus den Nibelungen.

Besagter Lenz ist da

Samstag, 21. März 2009

Heute ist endlich mal wieder ein ordentlicher norddeutscher Sonnabend. Die Leute sind damit beschäftigt, Arbeiten in ihren Gärten zu verrichten, und auch unser Vermieter ist eingetroffen, um sein Haus zu beklopfen. Allerdings ohne Ehefrau und ununterscheidbare Söhne. Und, das ist bedenklich, auch ohne Suppentopf. Wovon wird er sich am heutigen Tag ernähren?
Das Treppenhaus im ersten Stock, wo die Nachbarin und ich wohnen, ist inzwischen verputzt und gestrichen und sieht – mal abgesehen von der Farbe, einem sehr eigentümlichen Orange-Rot-Braun-Ton – halbwegs wohnlich aus. Man kann die Bauzeit inzwischen in Jahren berechnen, was die Nachbarinnenmutter immer zu dem mitleidigen Seufzer veranlasst: „Der arme Herr Vermieter!“ – ein Satz, den zu äußern ihr wegen Unangemessenheit inzwischen untersagt wurde.
(Ebenso verboten wurde ihr der Satz, den sie zwanghaft ausstößt, sobald sie die Wohnung ihrer Tochter betritt: „So könnte ich nicht leben!“)
Die letzte Baumaßnahme bestand nun vorhin darin, im Flur eine Lampe anzubringen, wo bisher nur eine nackte Glühbirne von der Decke baumelte. Bei der Gelegenheit beäugte der Vermieter misstrauisch das Bild, das ich am Morgen neben meiner Wohnungstür aufgehängt hatte – eine Reproduktion des berühmten Patti-Smith-Fotos von Robert Mapplethorpe.


Patti Smith, schwarz-weiß, über undefinierbarer Treppenhausfarbe.

Wer soll das denn sein, stand auf seiner Stirn geschrieben, und was, um Himmels willen, hat die hier in meinem schönen frisch gestrichenen Treppenhaus zu suchen? Er versprach aber immerhin, die Treppe wieder auszuwickeln, weil sie ja jetzt von Handwerkern nicht mehr betreten werden muss. Überflüssig zu erwähnen, dass das Haus unten weiterhin Baustelle ist, mal abgesehen von der Wohnung vom schrulligen Bruder.
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Natasha Richardson hatte ja eine verblüffende Ähnlichkeit mit Emma Thompson. Ich kenne nur einen einzigen Film, in dem sie mitgespielt hat, Blow Dry, auf Deutsch Über kurz oder lang (2001), der so lala ist und mir vor allem gezeigt hat, dass auch englischsprachige Frisöre alberne Wortspiele lieben – der Frisörsalon, der im Film eine zentrale Rolle spielt, heißt The cut above.
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Zufällig habe ich in New York mal den Sohn von Eric Carle getroffen, das ist der Autor von Die kleine Raupe Nimmersatt, auf Englisch The Very Hungry Caterpillar (da ist ausnahmsweise mal der deutsche Titel besser), der als Jugendlicher mit seinen Eltern von Deutschland in die USA ausgewandert war. Sein Sohn, dessen Vornamen ich längst vergessen habe, war sehr deutsch im Geist – er redete bewundernd über die Berliner Hausbesetzerszene, und der Anlass der Begegnung war die Versammlung einer Williamsburger Bürgerinitiative, deren Mitglied er war – aber kennengelernt habe ich ihn überhaupt nur, weil er bei der Freundin, die ich besuchte, einen Deutschkurs belegt hatte.
Und das alles fiel mir nur deshalb wieder ein, weil das Google-Logo vorgestern an den 40. Geburtstag der Kleinen Raupe Nimmersatt erinnerte.
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Ich würde gerne mal wieder einen neuen Roman von Christa Wolf lesen.
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Die wichtige Hotte-Lotte-Frage hat sich auf wundersame Weise geklärt (in den Kommentaren). Blog, für sowas liebe ich dich!
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Das Gedicht, dessen Titel ich mir geklaut habe, stammt von Erich Kästner, und die letzte Strophe geht so:

Die Gärten sind nur noch zum Scheine kahl.
Die Sonne heizt und nimmt am Winter Rache.
Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache.
Doch ist es immer wie zum ersten Mal.

Limerick (54)

Donnerstag, 19. März 2009

There once was a vampire named Mable,
whose periods were really quite stable.
And every full moon
she’d get out a spoon
and drink herself under the table.

Perlen gotischer Baukunst (8)

Sonntag, 15. März 2009

Your woman nodded. ‘What about cows?’ she says.
‘What about them?’
‘Can you milk a cow?’
‘Oh certainly,’ I says without hesitation. ‘A cow, yes, I can milk a cow, that’s no problem at all, I was born milking cows.’
‘Good.’ She indicated some buildings in the distance. ‘We keep a farm over there, the Mains. You can have something to eat and drink and then let’s see you milk a cow.’
‘Ah well,’ says I quick, ‘it’s a while since I done it now.’
But I don’t think she heard me because she didn’t reply, just led me across the yard to the pump and give me a tin cup that was hanging on a nail. ‘Help yourself,’ she says.
I drank two cupfuls. All the while she was watching me with those eyes. I says, ‘I might be a bit out of practice with the cows now. I may have lost the knack, I don’t know.’
‘Are you hungry?’ she says.
Gob was I and I tellt her as much. She pointed to a door in the house. ‘There’s bread in there on the table,’ she says. ‘Take a slice.’
‘That’s very kind of you, missus,’ I says and did as I was bid.
The kitchen was a fair size but Jesus Murphy was it a shambles.

Jane Harris: The Observations (2006), S. 8

Brenntag

Freitag, 13. März 2009


Gemeint ist: Tag 1.0, also ein Tag, an dem man was verbrennen darf.

Heute war außer Brenntag auch Altmetalltag. Hier gibt es nämlich ein Unternehmen mit einem klapprigen Pritschenwagen, der an bestimmten Tagen über Land fährt und Altmetall einsammelt. Womöglich sind diese Tage im Voraus bekannt – wir kennen sie jedenfalls nicht. Deshalb sind wir jedes Mal aufs Neue entzückt, wenn der Pritschenwagen durch die Straßen zuckelt und der Fahrer ohne Verstärkung, nur mit seiner eigenen Stimme im einschläfernden Singsang dessen, der das schon Millionen Male gerufen hat, verkündet: Altmetall, Altmetall. Und dann noch eine Aufzählung der Gegenstände, die abzuliefern sind, die wir aber nie verstehen. Aus dem Zusammenhang genommen würden wir die Szene ins Berlin der 20er Jahre einordnen. Aber nein, sie findet heute statt, und hier.

Ah. Kennedy.

Dienstag, 10. März 2009

A.L. Kennedy, geschätzte schottische Autorin, bloggt eigentlich beim New Statesman, zum Beispiel hier unter anderem über das Hansaplast-Kleid, das die Queen anlässlich ihrer Weihnachtsansprache mit Würde trug.
Für die Printausgabe des Guardian schreibt sie sowieso, da liegt es nahe, dass sie auch mal das Guardian LitBlog befüllt:

Oh yes, and I also ended up having to find – on zero notice – a cover image for the next book, this being faintly important, given that people do judge books by their outer furnishings, despite generations of advice to the contrary. No doubt they also force-feed eggs to their mothers’ mothers and leap without looking – the mad rascals.

Who says a writer’s life isn’t fraught with danger? Großartig. Wie immer.