Archiv April 2009

Halbe Stunde

Mittwoch, 29. April 2009

Der Physikkollege hatte gerade die erste Aufgabe des diesjährigen Physik-Abiturs nachgerechnet, die Mathekollegin nicht die Hälfte ihres morgigen Unterrichts vorbereitet. Frau L. neben mir wurde abrupt aus ihren Aufsatzkorrekturen herausgerissen. Die jungen Kolleginnen aus der Fachschaft Französisch hatten ihren Lästerzettel nicht mal ansatzweise vollgeschrieben. Die Referendare waren erst beim zweiten Spiel Schiffeversenken.
S., die Prokokollantin, vorher von allen bedauert, wurde plötzlich erheblich beneidet. Ich selbst hatte gerade in Schönschrift „Die besten Zitate“ auf ein weißes Blatt Papier geschrieben, um diese später ins Internetz zu schreiben, da hieß es: Damit sei sie beendet, die heutige Gesamtkonferenz.
Weil das behaglichste Restaurant am Ort noch nicht geöffnet hat, muss jetzt die Fachgruppe Musik nebenan bei der Nachbarin tagen. Andere sehen sich wider Erwarten in der Lage, noch etwas einkaufen, wieder andere stellen bestürzt fest, dass sie jetzt ja noch was korrigieren können. Ich verblogge den Schock.

Mitternacht (Minidrama)

Samstag, 25. April 2009

Türklingel: Rrrrrrring!
Ich: Nö, ey. Bestimmt Klingelstreich. Frech.
Türklingel: Rrrrrrring!
Ich: Oder irgendwelche Schüler, die das total lustig finden.
Türklingel: Rrrrrrring!
Ich: Hallo? Ich lieg schon im Bett. Es ist viertel vor zwölf!
Türklingel: Rrrrrrring!
Ich: Nee. Echt nich.
Türklingel: Rrrrrrring!
Ich: Ey! Mal aus dem Fenster gucken. Polizei! Oh Gott. Was ist jetzt schon wieder passiert??
[zieht sich was über, tappt die Treppe runter]
Hallo?
Polizist: Guten Abend, wir sind hier, um einen Schaden am Auto von Herrn B. aufzunehmen.
Ich: Hä? Mitten in der Nacht?
Polizist: Irgendwann müssen wir das ja machen.
Ich: Es ist gleich Mitternacht. Ich lag schon im Bett!
Polizist: Macht nichts.
Ich: Und Herr B. bin ich auch nicht. Der wohnt hier an der Seite, wenn Sie hier einmal ums Haus herum…
Polizist: Sagen Sie ihm bitte, er soll sich wegen des Berichts bei uns melden.
Ich: Aber ich sehe Herrn B. praktisch nie. Gehen Sie doch einmal hier um die Ecke…
Polizist: Nicht nötig. Wir nehmen jetzt den Schaden auf. Wiedersehen.
Ich: ?!?
[steigt die Treppe wieder rauf, legt sich ins Bett und träumt einen Traum, der irgendwie vom Kopfschütteln handelt]

Limerick (55)

Mittwoch, 15. April 2009

There once was a [person] from [place]
whose [body part] was [special case].
When [event] would occur,
it would cause [him or her]
to violate [law of time/space].

Würste an Ei

Mittwoch, 15. April 2009

Wuerste an Ei
Weia! Erneust!
erneut Waise
neuweise Art
Auswerten: Ei
Seewarte Uni
teueres Iwan
Erweis tauen
Tueren Waise
Arien Wueste
steuere Iwan
ausreiten Ew.
einwaerts u.E.
Seewein Ruta
weise Tuer an
weitaus neer
wueste Arien
war Nees Etui
neuere Waits
Eise Ware Tun
neuweise Rat
Auen weiters
wueste Raine
Euternwaise
Tierwesen u.a.
Waisentreue
Arien Tee usw.
Astern Uwe Ei
Weine, Atreus!
Weia! Steuern!
weise Neutra
Nas’ Wueterei
Untieres WEA
sanierte Uwe
Auwei! Nester!

Anagramme zu Wiesenraute, generiert mit dieser feinen Anagramm-Maschine.

Die Hübschigkeit der Schauspieler (2)

Dienstag, 14. April 2009

Casablanca (1942), mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Reins.

Die zentralen Sätze aus Casablanca zu zitieren, wäre langweilig. Auch kann man sich kaum noch wundern über die Übersetzungsfehler und die offensichtlichen inhaltlichen Ungereimtheiten: Warum zum Beispiel laufen Victor Laszlo und Ilsa Lund als gehetzte politische Flüchtlinge ständig in makellos blütenweißen Klamotten durch den Film? These der Kollegin: Weil es zu der Zeit keine Filme gab, in denen Männer keine Anzüge trugen. Warum nicht? Das müsste die Textilwissenschaft mal näher untersuchen.
Die Mischung aus Melodrama, politischem Hintergrund und Witz ist immer wieder fesselnd. Dazu die hervorragenden Emigranten-Schauspieler noch in den kleinsten Nebenrollen. Die Deutschen sind noch nicht die fiesen, brutalen Nazis, sie sind einfach nur die Gegner. Ab wann änderte sich das Deutschen-Bild im angelsächsischen Kino?
Dass Ingrid Bergman bis Drehschluss nicht wusste, wer mit ihr ins Flugzeug steigen würde, kann man dem Film ansehen, es gibt ihm eine schwebende Qualität.
Die Filmmusik ist musterhaft ausgedacht, die deutsche Nationalhymne kommt in Moll vor, besonders gut ist natürlich die Szene, in der die Marseillaise die Wacht am Rhein schlägt. Aber: Spielt Dooley Wilson (Sam) eigentlich selbst Klavier? Und was ist mit der Lady, die nicht zu wissen scheint, wie man eine Gitarre bedient?
Bogey, der den ganzen Film über eine auffällig feuchte Unterlippe hat, erhält vom zuständigen Kollegen nur zwei von zehn Punkten auf der Hübschigkeitsskala, wobei der Begriff Hübschigkeit erst einmal definiert werden müsste.
Am Ende Quiz: Was erwidert Rick auf Major Strassers Frage nach seiner Nationalität? Wie lautet Sams Familienname? Wie heißen Ugarte, Berger und Ferrari mit Vornamen? Was ist Capitaine Renaults am wenigsten verwundbare Stelle? In welcher Stadt wollen sich Rick und Renault wiedertreffen?
“What watch?” “Ten watch.” “You’ll get along beautifully in America.”

Folge 1

Fluss reloaded

Sonntag, 12. April 2009

Fluss

Abspann

Donnerstag, 9. April 2009

Mal abgesehen davon, dass Slumdog Millionaire ohnedies ein guter Film ist, ist es auch ein Film mit einem guten Abspann.
Ich bin ja bekennende Abspannsitzenbleiberin. Nicht nur, weil ich es höflich finde, den Namen der Beteiligten durch Lesen Beifall zu zollen, in einer Kunst, die Teamwork ist wie sonst keine. Sondern auch, weil ich immer hoffe, der Abspann biete noch irgendetwas Neues, eine Idee, die etwas mit dem Film zu tun hat, gleichzeitig aber die Illusion bricht. Ein Fingerzeig, der mir sagt: Wir haben dir gerade eine Geschichte erzählt, schön, wenn du mitgelacht und mitgeweint hast – aber es ist trotzdem nur Kino.
Ich kann ja verstehen, dass, nachdem der Film fertig gedreht ist, niemand mehr Lust hat, sich noch einen Gag für den Abspann auszudenken. Aber ich bin immer dankbar, wenn das doch jemand getan hat. Und schadenfroh, wenn das niemand sieht außer mir, weil alle das Kino verlassen haben, sobald die Geschichte zu Ende war.
Eine simple Möglichkeit ist, im Abspann Outtakes zu zeigen, Pannen beim Drehen, in denen die Schauspieler inmitten der schmalzigsten Liebesszenen aus Versehen in nervöses Kichern ausbrechen. Der Abspann in Slumdog Millionaire besteht aus Massentanzszenen auf einem Bahnhof in Mumbai, einem wichtigen Handlungsort, die der Freude über den Millionengewinn und den perfekten Ausgang der Liebesgeschichte Ausdruck verleihen, nur ein ganz kleines bisschen übertrieben.
Das hat mich erinnert an den Abspann aus Nina’s Heavenly Delights, einer ebenfalls getanzten Bollywood-Kurzoper mit dem Titel „Love in a Wet Climate“ (das spielt nämlich in Schottland). Bollywood mit seiner Tanz-Abspann-Tradition eignet sich wahrscheinlich einfach gut für so was.
Der beste Abspann, den ich kenne, stammt aus einem Film mit dem Titel Die Gebrüder Skladanowsky, den Wim Wenders mit Filmstudenten der HFF München gedreht hat. Weil es ein Film über Film ist und der Drehort Berlin eine große Rolle spielt, können Vergangenheit und Gegenwart problemlos miteinander verknüpft werden. So ist es auch ein Film über die Großbaustelle, die Berlin im Jahr 1995/96 war. Der Abspann selbst ist eine augenzwinkernde Hommage an die Gattung Abspann: Ellenlang, immer, wenn man denkt, jetzt ist er aber zu Ende, kommt noch etwas, unter anderem die Verschiebung des Kaisersaals im Zeitraffer. Zum Schluss sieht man, glaube ich, noch einmal das boxende Känguruh. Ah, das boxende Känguruh!