Archiv Mai 2009

Limerick (58)

Samstag, 30. Mai 2009

A verb invited a noun over to dine,
and they shared a fine bottle of wine.
The verb couldn’t wait,
he said, “Let’s conjugate!”
But sadly the noun did decline.

Amsterdam 4: Deutsch-niederländische Freundschaft

Samstag, 30. Mai 2009


It is not difficult to understand that a certain monotony of the Dutch landscape gave rise to the dreams of multifarious, colorful and unusual flora. Herbert Zbigniew

Opulentes Frühstück wie üblich, komplett mit den warmen Eierkuchen in der Größe von Zweieurostücken. Bis unser Zug fährt, haben wir nur zwei Stunden Zeit, deshalb entscheiden wir uns für das nahegelegene Tulpenmuseum. Ich persönlich finde Blumen ja langweilig, aber G. erwirbt die Zwiebel eines mehrjährigen Zwiebelgewächses, winterhart, aus Südafrika, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnern kann. (Inzwischen weiß sie ihn wieder – hier, in den Kommentaren – aber jetzt gildet es nicht mehr.) Pflegt sie es korrekt, wird es rosa blühen. Wir werden das kontrollieren.
Den Rest der Zeit sitzen wir in der Sonne und trinken Kaffee. Im Zug macht der Schaffner eine Ansage: „Wie die Deutsche Bahn das geschafft hat, weiß ich auch nicht, aber jedenfalls sind heute, an einem der beliebtesten Reisetage des Jahres, die Reservierungscomputer ausgefallen.“ Dass heute, an einem der wärmsten Tage des Jahres, auch die Klimaanlage ausgefallen ist, darüber verliert er kein Wort. Auch nicht darüber, dass der Zug sechsundzwanzig Minuten Verspätung hat und ich deshalb meinen Anschluss verpasse.
Bevor wir aber zu Verteidigerinnen der Deutschen Bahn werden, reden wir über was anderes und erinnern uns an die Amsterdamer Grachten.

Amsterdam 3: Gänsemarsch

Samstag, 30. Mai 2009

Amsterdam zu Fuß bedeutet, im Gänsemarsch zu gehen, denn für Fußgänger hat die Stadt nicht besonders viel Platz. Auf diese Weise marschieren wir zum Van-Gogh-Museum, das eine Sonderausstellung mit dem Titel Van Gogh und die Farben der Nacht zeigt. Wieder naives Staunen über Licht und Farbe, man könnte meinen, ich hätte noch nie Bilder in Museen gesehen. Vielleicht macht Amsterdam besonders empfänglich für Farbe. Es geht um die Dämmerung, die Spanne zwischen Tag und Nacht als Zeit der Besinnung und der Kontemplation. Schwarze Silhouetten vor sonnuntergangshellem Himmel, Landarbeiter beenden ihre Arbeit, ziehen die Jacke an und gehen nach Hause.
So weit sind wir noch nicht, wir haben noch einige Programmpunkte abzuhaken, die alle irgendwas mit Fotografie zu tun haben. Nur die Frauen in den Schaufenstern direkt neben der Oude Kerk, die fotografieren wir nicht.

Amsterdam 2: Alte Meister

Dienstag, 26. Mai 2009


In Amsterdam macht man drei Kreuze.

Das öffentlich-ökonomische Leben spielt sich zwischen 9 und 18 Uhr ab. Wer danach noch ein kleines Museum besuchen oder etwas einkaufen möchte, hat Pech gehabt. Dann müssen die Amsterdamer nämlich Bötchen fahren oder in Kneipen sitzen. Touristen müssen das auch, wenn sie abends nicht noch eins der großen Museen aufsuchen.
Wir haben das schon am Morgen erledigt. Rijksmuseum, niederländische Meister. Ich bin ja praktisch Analphabetin, was Malerei angeht, ich beurteile Bilder nach rein subjektiven Kriterien, so wie ich Musik höre oder Gedichte lese. Wie realistisch die gemalt haben, war mir nicht klar. Was man mit Licht alles machen kann, sollte mir aus der Fotografie bekannt sein, fand ich aber trotzdem erstaunlich. Zum ersten Mal sehe ich auch, warum die Originale im Museum ganz etwas anderes sind als Drucke auf Postern und Postkarten: Weil man sieht, welche Teile des Bildes die Museumsbeleuchtung reflektieren und warum, und weil man die Struktur der Farbe und die Richtung der Pinselstriche erkennen kann. Banal, ich weiß, aber ich habe das zum ersten Mal bewusst gesehen.
Den Rest des Tage schlendern wir durch die Straßen und fühlen uns betrogen: Das Fotografiemuseum ist geschlossen, die Fotobuchhandlung gibt es nicht mehr, das Restaurant, das wir uns zum Essen ausgesucht haben, macht Ferien. Aber als wir zufällig in eine Jordaansche Kneipe geraten, mit gutem Essen und Hauswein, sind wir wieder versöhnt mit der Stadt.

Amsterdam 1: Fahrradfahren

Sonntag, 24. Mai 2009


Fahrradfahren in Amsterdam. So leer sind die Straßen nicht immer.

Der niederländischen Bahn ist nicht recht zu trauen, aber immerhin sitzen wir auf ihren Schienen nicht in einem ganz normalen IC, sondern in einem „internationalen Schnellzug“. Hinter Amersfort dann in einem umgeleiteten internationalen Schnellzug. „Willkommen im umgeleiteten internationalen Schnellzug Nummer 240“, begrüßt der Schaffner alle neu Hinzugestiegenen und spricht von Personenschäden und technischen Störungen. Später fügt er etwas hinzu von einem Auto auf den Gleisen und einem Brand, was Vlad am nächsten Tag bestätigt – unbeschrankter Bahnübergang.
Kein guter Einstieg, aber weil wir dauernd Durchsagen auf Niederländisch hören, verbessern sich unsere Kenntnisse der Niederländischen Phonetik ganz erheblich. Ich mag besonders die Art, das [s] auszusprechen.
Niemand von uns war je in Amsterdam (ein Grund hinzufahren), wir haben nur im Kopf, was wir im Reiseführer gelesen haben plus ein paar Klischees, zum Beispiel dieses: Na, eine richtige Großstadt ist das ja wohl nicht. Deshalb sind wir erstaunt, dass wir im Straßenverkehr genauso aufpassen müssen wie, sagen wir, in Berlin, vielleicht sogar noch mehr, weil man Fahrräder nicht hört. Mich erschreckt das besonders, denn in meinem Heideort fahren zwar auch viele Leute Fahrrad, prozentual gesehen, aber so viele sind es dann doch nicht.
Ich fotografiere Hunderte von Fahrrädern, auf Brücken, neben Grachten, im riesigen Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof. Ich staune über Arrangements mit erwachsenen Leuten auf Gepäckträgern, mit komplizierten Gepäckaufbauten, mit Tandems, mit Kindersitzen. Ich bewundere das Radwegsystem – ach was, die Fahrradstraßen – die schrillen Klingeln, die Tatsache, dass „Hollandfahrrad“ doch kein Klischee ist.
Abends um neun ist es noch taghell, na klar, wir sind weiter westlich. Die Asterdamer fahren übrigens auch gern Bötchen, vor allem die jungen Leute. Bötchen fahren ist beliebt, aber Fahrradfahren ist Volkssport.


Die Regel lautet: Je schrottiger das Fahrrad, desto dicker die Kette.

Amsterdam

Mittwoch, 20. Mai 2009

Wann, was, warum

Mittwoch, 20. Mai 2009


Zeitverhältnisse in Faulkners A Rose for Emily (Ausschnitt, blauer Kugelschreiber, roter Korrigierstift und schwarzer Filzstift auf Schmierpapier)

Eine echte Lieblingsbeschäftigung: Komplexe Erzählstrukturen in Kurzgeschichten und Romanen auseinanderklamüsern. Wann passiert was, wann wird was erzählt, und warum. Ich kann auch sehr schöne Schaubilder davon anfertigen, einfarbig, zweifarbig, dreifarbig, je nach Wunsch. Gibt es nicht vielleicht einen Beruf, der sich ausschließlich solchem Tun widmet? (Also: ausschließlich.) Und wenn nicht, sollte er nicht endlich erfunden werden? Nur für mich?