Amsterdam 2: Alte Meister
Dienstag, 26. Mai 2009
In Amsterdam macht man drei Kreuze.
Das öffentlich-ökonomische Leben spielt sich zwischen 9 und 18 Uhr ab. Wer danach noch ein kleines Museum besuchen oder etwas einkaufen möchte, hat Pech gehabt. Dann müssen die Amsterdamer nämlich Bötchen fahren oder in Kneipen sitzen. Touristen müssen das auch, wenn sie abends nicht noch eins der großen Museen aufsuchen.
Wir haben das schon am Morgen erledigt. Rijksmuseum, niederländische Meister. Ich bin ja praktisch Analphabetin, was Malerei angeht, ich beurteile Bilder nach rein subjektiven Kriterien, so wie ich Musik höre oder Gedichte lese. Wie realistisch die gemalt haben, war mir nicht klar. Was man mit Licht alles machen kann, sollte mir aus der Fotografie bekannt sein, fand ich aber trotzdem erstaunlich. Zum ersten Mal sehe ich auch, warum die Originale im Museum ganz etwas anderes sind als Drucke auf Postern und Postkarten: Weil man sieht, welche Teile des Bildes die Museumsbeleuchtung reflektieren und warum, und weil man die Struktur der Farbe und die Richtung der Pinselstriche erkennen kann. Banal, ich weiß, aber ich habe das zum ersten Mal bewusst gesehen.
Den Rest des Tage schlendern wir durch die Straßen und fühlen uns betrogen: Das Fotografiemuseum ist geschlossen, die Fotobuchhandlung gibt es nicht mehr, das Restaurant, das wir uns zum Essen ausgesucht haben, macht Ferien. Aber als wir zufällig in eine Jordaansche Kneipe geraten, mit gutem Essen und Hauswein, sind wir wieder versöhnt mit der Stadt.