Die Mühen der Ebene (14. Juni)

Ein Sonntagabend ist womöglich nicht der beste Termin für eine Schultheateraufführung, schon gar nicht, wenn eine Veranstaltung die andere jagt in den nächsten anderthalb Wochen: Schulkonzert, Unterstufen-Musical, Abi-Ball, Schulfest. Es ist die zweite Aufführung, und der Saal ist gerade einmal halb voll – schade für die Schauspieler. Ich gehe immer zu solchen Veranstaltungen, weil ich mich erinnere, wie toll ich es als Schülerin fand, nach einem Schulkonzert von Lehrern gelobt zu werden. Außerdem habe ich seit heute wirklich nichts mehr zu korrigieren.
Das Stück ist Bezahlt wird nicht!, eine Komödie von Dario Fo, ein bisschen umgeschrieben, das ist hier Tradition. Ein Stück mit holzhammerartiger Sozialkritik und grotesker Komik – letzteres ist eindeutig mehr mein Fall. Auch die Handlung lässt sich, sagen wir es so, nicht mit realistischen Maßstäben messen: Hätten sie die geklauten Lebensmittel gleich aufgegessen, hätten sie sie nicht ständig vor der Polizei verstecken müssen – und, nun gut, das Stück wäre nicht geschrieben worden.
Es gibt grandiose Massenszenen, ein menschliches Kassenlaufband im Supermarkt inklusive des pling pling, das die Kasse macht, und ein Fließband in einer Fabrik. Der Kollege neben mir hat ein Faible für grelle Farben und interessiert sich für den schreiend gelben Pullover, den die menschliche Entsorgungstonne für Plastikflaschen im Supermarkt trägt.
Schüler, die ich aus dem Unterricht als Plaudertaschen und kichernde Spätpubertierende kenne, gehen so in ihrer Rolle auf, dass sie die komischsten Dinge mit finsterem Ernst von sich geben. Einer sieht, verkleidet und geschminkt, zehn Jahre älter aus, und ich muss zweimal hinsehen, bevor ich ihn erkenne. Eine Schülerin, die ich immer lieb und nett fand, der ich ein Talent für Komik aber kategorisch abgesprochen hätte, betet die Heilige Eulalia mit einer Inbrunst an, dass sich der Saal vor Lachen wegwirft. Gut, immer mal daran erinnert zu werden, dass jeder Schüler mehr ist als er im Unterricht von sich zeigt. Genau wie ich.
Am Schluss bekommen die beiden Kollegen, die die Theater-AG leiten, je einen Korb mit den Lebensmitteln, die im Stück erwähnt werden. Mit dem Hinweis: Wir haben das alles bezahlt.


  1. Bei “Dario Fo” wurde ein spätjugendliches Trauma in mir wiedererweckt: Hotte Schneider spielt in Hunsrücker Dialekt “Geschichte einer Tigerin” in einer Dorfkneipe … Danke dafür, ich hoffte, das dauerhaft verdrängt zu haben!

    Freitag, 19. Juni 2009, 17:04 Uhr von HS

  2. Tja, tut mir Leid.
    Ich hingegen denke bei Dario Fo immer an den sehr schönen Film Kleine Haie.

    Freitag, 19. Juni 2009, 21:10 Uhr von nicwest

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