Die Schöpfung

Soeben war ich im Konzert. Haydn, Die Schöpfung.
Ein sehr ausführliches Stück, aus dem ich wohl einzelne Nummern kannte, das ich aber noch nie in Gänze gehört hatte. Freundlicherweise bekam das Publikum den Text an die Hand und konnte sich an den schönen Worten ergötzen:

Die Fläche, weit gedehnt, durchläuft der breite Strom in mancher Krümme.
Hier duften Kräuter Balsam aus, hier sprosst den Wunden Heil.
Und Gott schuf große Walfische.

Leider kam mir immer wieder dieser Film dazwischen. „Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde“, sang der Chor – „im Anfang schuf Gott erstmal gar nichts“, dachte es in mir. „Und Gott sprach: Es sei’n Lichter an der Feste des Himmels, um den Tag von der Nacht zu scheiden“, wurde überlagert von „…aber kaum hatte er sich auch nur einen Kaffee gekocht, war der Tag irgendwie schon vorbei“. Am vehementesten protestierte die innere Stimme gegen: „Und Gott sah, dass es gut war“. Musste es nicht heißen: „Und Gott sah, dass es so lala war“?
Den gesamten dritten Teil von Haydns Schöpfung hätte ich übrigens gestrichen. Da wird überhaupt kein bisschen mehr geschöpft, sondern lobgepriesen, was das Zeug hält. Und außerdem unterhalten sich Adam und Eva in dieser Weise:

Adam: Komm folge mir, ich leite dich.
Eva: Dein Will’ ist mir Gesetz. Mit dir ist Seligkeit das Leben; dir sei es ganz geweiht.

Dass es eher so lala ist, bestätigt auch das Resultat der heutigen Bundestagswahl.

Kommentar schreiben

Powered by WP Hashcash