Heute sind wir umgezogen. Von einem viel zu kleinen Lehrerzimmer, vollgemüllt und mit originaler 70er-Jahre-Möblierung ausgestattet, in einen großen, hellen, sauberen Raum. Statt langer Tischreihen gibt es dort Gruppentische mit jeweils acht Plätzen. Insgesamt sind genug Plätze da, das war im alten Lehrerzimmer anders. Eine Typisierung des Umzugsverhaltens im Kollegium ergibt dieses Bild:
Kollegen, die schon im Vorfeld Tischgemeinschaften festlegen und bei Betreten des neuen Raumes Reservierungszettel auf den bevorzugten Tischen verteilen.
Kollegen, die dieses Vorgehen boykottieren und sich auf einen der reservierten Plätze setzen.
Kollegen, die die Heizung im Rücken und gleichzeitig einen Blick nach draußen fordern – ein Ding der Unmöglichkeit.
Kollegen, die den ganzen Vormittag lang schlechte Laune haben, weil eine ganz und gar tischfremde Person ihren Platz widerrechtlich besetzt hält und mit dem Vorwurf Du sitzt auf meinem Platz! nicht zu vertreiben ist.
Kollegen aus der Schulleitung, die sich über schülerhaftes Benehmen mokieren, die aber im Besitz eines riesigen eigenen Büros sind, in dem sie ganz allein arbeiten dürfen.
Kollegen, die eigentlich unterrichtsfrei gehabt hätten, aber trotzdem anreisen, um sich einen Platz zu sichern.
Kollegen, die kopflos in der Schule herumlaufen und jeden nach ihren verschwundenen Kartons fragen. Niemand hat die gesehen, geschweige denn geklaut.
Kollegen, die sich nicht in der Lage sehen, in der dritten Stunde die Zeugnisse zu verteilen, weil sie ja dazu ihren Platz verlassen müssten.
Kollegen, die ganz allein an einem der Achtertische sitzen, während an den anderen Tischen gestritten und gefeilscht wird.
Kollegen, denen das alles egal ist.
Und schließlich gab es noch den einsamen Kollegen, der sich auf seinen angestammten Platz im alten Lehrerzimmer setzte und dort den ganzen Vormittag lang traurig sitzen blieb.
nicwest | Freitag, 29. Januar 2010, 18:16 Uhr
Weia.
Ich mags ja kaum sagen. Aber das erfüllt so ziemlich jedes Vorurteil, das ich über Lehrer habe. Dabei weiß ich, das es auch nicht-zwängige Lehrer gibt. Kenne ich persönlich und das ist grade SEHR tröstlich.
Boah.
Samstag, 30. Januar 2010, 10:05 Uhr von gerdbrunzemaZum Glück sind Angehörige anderer Berufsgruppen ganz anders.
Samstag, 30. Januar 2010, 17:15 Uhr von nicwestWer hätte das gedacht? Lehrer sind eben auch nur Menschen.
Mittwoch, 3. Februar 2010, 15:37 Uhr von wischmoppDas Wichtigste fehlt mal wieder. Zu welcher Kategorie gehörst du? Ich tippe auf: Im-Vorfeld-Tischgemeinschaftsgründerin.
Stimmt, aber mit Ausnahme von einem (na, anderthalb) hätte ich mir vorstellen können, an jedem Tisch zu sitzen.
Sehr charmantes Pseudonym übrigens.
Mittwoch, 3. Februar 2010, 18:41 Uhr von nicwestMuss dir leider wiedersprechen nicwest, oben genannter ZICKENALARM ist auch in anderen Berufsgruppen anzutreffen. Eine Kollegin von meinem Mann, in einem -sagen wir mal hübsch umschrieben- amerikanischen Familienrestaurant, hat sogar ihre EIGENE KASSE, um die es sich zu streiten lohnt! ;o)
Man das freut mich, dass auch unter Lehrern so ein Gezicke statt findet! Wer mit wem, wo und was und MEIN PLATZ … und dann so gescheit tun und über solchen Dingen stehen wollen… Danke für diesen pregnanten Artikel ;o) Werde mal bei Gelegenheit meine Schwägerin fragen, ob an ihrer Schule auch so nette Geschichten stattfinden …
Mittwoch, 3. Februar 2010, 21:30 Uhr von LehrerschreckSchön geschrieben. Merlix-sei-dank bin ich hierher gekommen!
Mittwoch, 3. Februar 2010, 21:56 Uhr von UweJawohl und besimmt reden die anderen immer über den Lehrer, der gerade den Raum verlässt, harr harr. Von einer mir bekannten Lehrerin weiß ich, dass im Lehrerzimmer immer hemmungslos gefressen wird: Schnittchenalarm mit Hackepeter!
Donnerstag, 4. Februar 2010, 18:39 Uhr von judithZur Nahrungsaufnahme im Lehrerzimmer sach ich nix - Betriebsgeheimnis.
Donnerstag, 4. Februar 2010, 18:57 Uhr von nicwestHätten wir uns das in unserer Jugend jemals vorstellen können, dass es in einem “heiligen” Lehrerzimmer so profan zugehen kann ;) ?
Donnerstag, 4. Februar 2010, 19:49 Uhr von UschiAngehörige andere Berufsgruppen sind genauso wie Lehrer geformt durch ihren Arbeitsalltag und daher sicherlich verschieden. Nicht besser/schlechter, aber sicherlich anders.
Ein Lehrer hat eine sehr spezielle Perspektive auf Menschen, die gibt es in keinem anderen Beruf. Und die Arbeitsbedingungen sind auch reichlich verzweifelt, zumindest in den Fällen, die ich kenne. Das prägt, da bin ich mir ziemlich sicher.
Freitag, 5. Februar 2010, 0:03 Uhr von gerdbrunzema