Gruß zuvor, und: Ich habe heute eine Hummel gesehen. Ein Blick in den Hummelkalender lehrt uns, dass die Hummelköniginnen an warmen Märztagen erstmals seit der Winterruhe ihre Verstecke verlassen und Nahrung suchen. Auch halten sie nach Orten Ausschau, wo sie eine Kolonie gründen können.
Die Menschen hingegen gründen spontane Kolonien auf Bürgersteigen, nein, auf Radwegen. Dort stehen sie und plaudern, und wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, sie hätten alle gute Laune. Vor den Eisdielen sitzen Leute mit Sonnenbrillen.
Seit der Zeitumstellung scheint die Sonne zu ungewohnten Tageszeiten in seltsamen Winkeln auf meinen Schreibtisch. Ich bin sicher, das tut sie mit Absicht, um mich zu ärgern, weil ich in den Ferien arbeiten muss. Die beiden Kolleginnen, die zu zweit korrigieren, sind bestimmt schon wieder fertig mit ihren Klausuren, die Streber.
Einer der Finnen hat seinen Regenschirm im Auto vergessen. Er ist hübsch, der Regenschirm, und ich würde ihn gern behalten. Mache ich aber natürlich nicht. Ich brauche ja im Moment auch gar keinen Regenschirm, denn heute zum Beispiel hat es hier nicht einen einzigen Tropfen geregnet.
Mein nagelneuer Neffe guckt ziemlich misstrauisch auf dem ersten Foto seines Lebens. Wer will es ihm verdenken.
Zufällig habe ich im Ort gleich zwei pensionierte Ex-Kollegen getroffen. Der eine grüßte freundlich und ein bisschen schadenfroh – kann aber auch sein, dass ich mir das nur eingebildet habe. Der andere tat so als hätte er mich nicht gesehen.
Wie möchte ich sein, wenn ich pensioniert bin? Freundlich und auf jeden Fall schadenfroh. Und nicht nur ein bisschen.