Letzte Obliegenheiten
Freitag, 25. Juni 2010Andere pflegen wesentlich bizarrere Rituale – Kollegin G. zum Beispiel schreddert jedes Jahr voller Genugtuung ihren Schuljahreskalender, und ich stelle mir vor, wie sie dabei Freudentänze tanzt und Triumphgesänge grölt – mein erster Akt in den Sommerferien besteht stets darin, die Schulschlüssel vom Schlüsselbund abzumontieren. In diesem Jahr ging das nicht sofort, weil ich heute noch einmal in die Schule musste, um die Klassenblumen abzuholen. Die stehen jetzt im Garten und werden, wenn ich im Urlaub bin, versorgt von der Nachbarin von unten. Als ich das zerrupfte Aussehen mit der mangelnden Funktionstüchtigkeit meines Blumendienstes rechtfertigte, meinte sie nur: Das wollen wir doch mal sehen, ob wir die nicht wieder aufpäppeln können. Die Klassenblumen sind also offensichtlich in guten Händen.
Sportfest. Dramatische Wolken und die Erörterung der D-Frage.
Beim Sportfest am vorletzten Schultag überlegte meine Fünfte, ob sie mich nicht ab jetzt duzen könne, da man ja nun seit einem Jahr erfolgreich zusammenarbeite und gut miteinander auskomme. Das Ansinnen musste ich aus pädagogischen Gründen natürlich ablehnen, und sie wollten sich schier totlachen, als ich ihnen eröffnete, dass ich sie siezen werde, sobald sie die elfte Klasse erreichen.
Von den sechs Korrigierstiften meiner bevorzugten Marke, die ich am Anfang des Schuljahres gekauft hatte, ist ein fast leerer übrig. Ist das jetzt viel oder wenig? Im Chaos der letzten Tage ging mein Lieblingskugelschreiber verloren. Der Schreibtisch ist der letzte Ort in der Wohnung, den aufzuräumen ich mich zwinge; eigentlich bin ich ein ordentlicher Mensch, aber Schule und Systematik sind bei mir Antonyme. Nach dem Schreibtischaufräumen ist der nächste Punkt auf meiner Liste, eine Urlaubsliste zu schreiben – kein Urlaub ohne Liste, keine Liste ohne den Punkt Liste schreiben. Nur auf der Urlaubsliste fehlt der.
Ich mach hier also für eine Weile das Licht aus. Sie finden selbst heraus, wann es weiter geht, oder? Danke fürs Mitlesen, und bleiben Sie mir gewogen. Wiedersehen.