Archiv Samstag, 24. Juli 2010

Perlen gotischer Baukunst (14)

Samstag, 24. Juli 2010

“What’s next?“, Alexander asks Melissa, as they leave another meeting.
“Nothing. Home time,“ she replies.
He smiles. “And tell me, have you ever gone home at five thirty?“
She shrugs. “Not that I can remember but, then, I’m hardly your role model.“ She walks with him to the exit. “Go on home,“ she says. “If you feel like it, I’d love to meet you back here tomorrow. But only if you’re up for it.”
“What sort of time?” He steps into the glass elevator.
“Since you ask, nine sharp,” she says, with a smile, and the doors close.

Shamim Sarif, Despite the Falling Snow, S. 337

Dieses Buch lungert, nachdem ich es durchgelesen habe, noch eine Weile in meinem Kopf herum und ich weiß nicht, warum. Nun gut, schreiben kann sie, keine Frage, aber die Geschichte stört mich – erstens steht sie im Präsens, zweitens scheint sie am Reißbrett entworfen: zu berechenbar dramatisch, die Liebesgeschichte zu übertrieben. Ein Spionageroman, schon wieder, spielt im Russland Chruschtschows und in den USA der Gegenwart. Ein alter Russe ist das Bindeglied, er flieht 1959 bei einer USA-Reise, seine Frau, die in Russland für Amerika spioniert, soll ihm folgen, stirbt aber kurz vorher unter mysteriösen und ungeklärten Umständen. Leute aus der Gegenwart wollen diese Umstände erhellen, reisen nach Moskau, treffen die entscheidende Person, und die ganze emotionale Dramatik der Ereignisse kommt ans Tageslicht. Mir ist das zu dick aufgetragen, dieses Chaos großer Gefühle: Liebe, Vertrauen, Freundschaft, Verrat. Außerdem merkt man deutlich, dass die Autorin wenig Ahnung hat von der Zeit, über die sie schreibt – als Geschichtsbuch ist der Roman untauglich. (Von einem Roman zu sagen, man könne ihn an Stelle eines Geschichtsbuchs lesen, ist nicht das schlechteste aller Komplimente.)
Vielleicht ist es die Liebesgeschichte in der Gegenwart, die mir irgendwie nachgeht. Die ist zwar auch klischeehaft angelegt, aber so rudimentär erzählt, dass genug Lücken für die eigene Vorstellung bleiben.