Perlen gotischer Baukunst (15)

Eine ausgewachsene Sau liegt schnaufend im Mittelgang des Busses. Auf der anderen Seite, im Durchgang, steht ein kleiner Junge mit einer Angel, von der ein toter, wenn auch ohne Zweifel frisch gefangener Fisch baumelt. Bei jedem Ruck, den das Gefährt macht, und die Fahrt besteht aus nichts anderem, berührt der Fisch, feucht, doch nicht kühl, meinen Arm und manchmal auch meine abgewandte Wange. E. hat einen Sitzplatz am hinteren Ende gefunden […]. Auf einem ihrer Füße sitzt ein kleiner alter Mann, offensichtlich sehr angeheitert. Er hat neben sich auf dem Boden einen Steinkrug stehen, den er von Zeit zu Zeit an die Lippen setzt, eine Operation, die das ganze Fahrzeug mit starken Alkoholschwaden überflutet. Manchmal knallt er den Krug wieder auf den Boden, manchmal aber auch auf E.s freien Fuß. Sie stöhnt und verrenkt sich, hat aber nicht genügend Platz, sich ihm zu entwinden. Der alte Mann wirkt freundlich.

Sybille Bedford, Zu Besuch bei Don Otavio, S. 125/126

Ich liebe Sybille Bedford, sie schreibt hinreißend. Dieses Buch ist ihr erstes, ein Bericht über eine Mexiko-Reise Ende der 1940er Jahre, den sie selbst einmal als Roman bezeichnet hat – also wie bei Sedaris, die Hälfte erfunden. Auch sie versteht es, winzige Alltagsmomente in erlesenster Diktion mit einer Distanziertheit zu schildern, die ganz Mexiko und alle seine Bewohner absurd erscheinen lässt. Dabei wahrt sie allen gebührenden Respekt: Sie macht sich kein bisschen lustig, und selbst wer sich überhaupt nicht für Mexiko interessiert, weiß hinterher eine Menge mehr über das Land.

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