Sehen und gesehen werden
Dienstag, 3. August 2010In der örtlichen Eisdiele sitzt man am besten französisch, nebeneinander aufgereiht, die Wand im Rücken, den Blick zur Straße. Eigentlich wollen wir unsere Niedergeschlagenheit bezüglich des drohenden Ferienendes bekämpfen, indem wir uns an unsere jeweiligen Urlaube erinnern und den anderen davon erzählen.
Wie man nach ein paar Segeltagen noch drei Tage später an Land das Gefühl hatte, der Boden schwanke unter den Füßen. Wie der Heckscheibenwischer plötzlich glaubte, wischen zu dürfen wie er wollte und nicht wie es ihm befohlen war, litauische Verhältnisse. Wie man im Atlantik Wale beobachtete und dabei so seekrank wurde, dass man ernsthaft überlegte, über Bord zu springen. Und wie man, nur weil die Nichte beteiligt war, der absonderlichen Reitveranstaltung Romeo und Julia auf dem Pferde beiwohnen musste.
Aber daraus wird nichts. Erstmal ist die Bedienung eine Schülerin, mit der ich im September eine Kursfahrt nach London unternehmen werde. Dann kommen beständig andere Schüler, ehemalige Schüler und Eltern vorbei. Die meisten grüßen, manche nicht, wer war denn das, warum hasst der dich? Eine Kollegin fährt im Auto vorbei, sie schaut uns ernst an (aus Spaß natürlich) und winkt wie Erich Honecker bei der Militärparade zur 40-Jahr-Feier der DDR. Schließlich bietet der Ort selbst ein geradezu filmreifes Spektakel – vorbeirasende Krankenwagen, Notärzte, Polizei, ein Rettungshubschrauber, zum Schluss die Kripo mit Blaulicht. Banküberfall mit Schusswechsel tippen wir.
Morgen wird es im Käseblättchen stehen. Und wir werden uns um zehn Uhr zur ersten Dienstbesprechung des neuen Schuljahres in der Schule wiedersehen.