Archiv August 2010

Gruppenbild mit Dame

Freitag, 6. August 2010


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Schlechte Bildqualität, aber eins der besten Gruppenbilder, die ich je gemacht habe.
Rechts ein posierendes Paar in fortgeschrittenem Alter – ganz unzweifelhaft der Bildmittelpunkt – er mit recht jugendlicher Sonnenbrille, die weißen Haare flattern im Wind, sie im Dirndl und erkennbar interagierend mit der fünften Person von rechts. Die hält in der rechten Hand einen Fotoapparat, guckt direkt in meine Kamera und vollführt mit der Linken eine deutende Geste in Richtung älteres Paar, als wolle sie sagen: Was fotografierst du mich, dort ist doch das Motiv. Die Linie ihres linken Arms und ihrer Hand verläuft parallel zur Straße im Hintergrund und zu den Büchern der beiden lesenden Personen. Diese Bücher deuten also ebenfalls auf das ältere Paar, obgleich die beiden Lesenden überhaupt nicht am Geschehen interessiert sind.
Die Person ganz links ist, mit Ausnahme der Frau mit dem Fotoapparat, die einzige im Bild, die dem Geschehen irgendeine Bedeutung beimessen kann. Sie schaut auf die Frau mit der Kamera oder auf das Paar und fungiert womöglich als diejenige Person, die entscheidet: Wer wird das ältere Paar fotografieren?
Man könnte sich alle möglichen Szenarien ausdenken, wie diese Leute zusammengehören. Zum Beispiel könnte es sein, dass die beiden Leser zufällig dort saßen und sich von den anderen fünf und ihrer Fotografiererei gestört fühlten. Oder dass das ältere Paar dort stand und unbedingt fotografiert werden wollte und die Person mit der Kamera und ich aushandeln mussten, wer das Foto macht.
Oder ganz anders.

Sehen und gesehen werden

Dienstag, 3. August 2010

In der örtlichen Eisdiele sitzt man am besten französisch, nebeneinander aufgereiht, die Wand im Rücken, den Blick zur Straße. Eigentlich wollen wir unsere Niedergeschlagenheit bezüglich des drohenden Ferienendes bekämpfen, indem wir uns an unsere jeweiligen Urlaube erinnern und den anderen davon erzählen.
Wie man nach ein paar Segeltagen noch drei Tage später an Land das Gefühl hatte, der Boden schwanke unter den Füßen. Wie der Heckscheibenwischer plötzlich glaubte, wischen zu dürfen wie er wollte und nicht wie es ihm befohlen war, litauische Verhältnisse. Wie man im Atlantik Wale beobachtete und dabei so seekrank wurde, dass man ernsthaft überlegte, über Bord zu springen. Und wie man, nur weil die Nichte beteiligt war, der absonderlichen Reitveranstaltung Romeo und Julia auf dem Pferde beiwohnen musste.
Aber daraus wird nichts. Erstmal ist die Bedienung eine Schülerin, mit der ich im September eine Kursfahrt nach London unternehmen werde. Dann kommen beständig andere Schüler, ehemalige Schüler und Eltern vorbei. Die meisten grüßen, manche nicht, wer war denn das, warum hasst der dich? Eine Kollegin fährt im Auto vorbei, sie schaut uns ernst an (aus Spaß natürlich) und winkt wie Erich Honecker bei der Militärparade zur 40-Jahr-Feier der DDR. Schließlich bietet der Ort selbst ein geradezu filmreifes Spektakel – vorbeirasende Krankenwagen, Notärzte, Polizei, ein Rettungshubschrauber, zum Schluss die Kripo mit Blaulicht. Banküberfall mit Schusswechsel tippen wir.
Morgen wird es im Käseblättchen stehen. Und wir werden uns um zehn Uhr zur ersten Dienstbesprechung des neuen Schuljahres in der Schule wiedersehen.