Archiv Montag, 11. Oktober 2010

Kartoffelferien

Montag, 11. Oktober 2010

Das Wort Kartoffelferien gefällt mir, es suggeriert, dass wir im Herbst alle auf die Felder gehen und bei der Ernte mithelfen. Ich hätte nichts dagegen, schon gar nicht in einem goldenen Herbst wie diesem. Morgens läge noch Raureif, und man müsste Handschuhe anhaben, aber dann würde einem warm von der Arbeit. Frühstückspause könnte man im T-Shirt machen. Es wäre anstrengend, aber ein bisschen körperliche Arbeit zur Abwechslung täte allen gut. So wie in Anna Karenina:

Je länger Lewin mähte, um so häufiger wurden die Momente der Selbstvergessenheit, wo nicht die Arme die Sense führen, sondern umgekehrt die Sense den Körper zu regieren schien; den Körper, der voller Kraft und Leben war und seine Aufgabe wie durch Zauberei, und ohne sich dessen bewusst zu sein, erfüllte. Das waren die schönsten Augenblicke.

In Usbekistan ist bis heute jeder Bürger verpflichtet, sein Soll bei der Baumwollernte zu erfüllen. Im Herbst werden in den Dörfern Bettenlager für die anreisenden Städter errichtet, und es wird streng kontrolliert, ob auch wirklich jeder mithilft. Allerdings kann man sich freikaufen: Entweder man bezahlt eine Person, die bereit ist, die eigene Norm mitzuerfüllen, oder man eignet sich bereits geerntete Baumwolle an und gibt sie als selbstgepflückt aus. Letzteres ist natürlich streng verboten.